Kommt die 'Austrian Airfrance'

Luftfahrt. Die Lufthansa galt als Favorit bei der AUA-Privatisierung. Mittlerweile sieht es danach aus, als könnte eine andere Airline das Rennen machen.

Am Dienstag vergangener Woche kam endlich Bewegung in die Angelegenheit. Nach wochenlangem Rätselraten über die Interessenten für die AUA-Privatisierung wagte sich die russische Fluggesellschaft S7 (vormals Siberia Airlines) aus der Deckung. Bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz im Wiener Hotel Radisson SAS präsentierten Vladimir Filev und seine Ehefrau Natalia erste Pläne für eine gemeinsame Zukunft von S7 und AUA. Das illustre Pärchen an der Spitze des Unternehmens – Vladimir Filev ist Vorstandschef, Natalia Filev Hauptaktionärin von S7 – ist ein wenig spät dran, um Werbung in eigener Sache zu machen.

Der Verkauf der über die Verstaatlichtenholding ÖIAG gehaltenen Anteile der Republik Österreich an der AUA ist mitten in der heißen Phase. S7 dürfte dabei kaum zum Zug kommen (siehe Kasten). Aber auch die deutsche Lufthansa, lange Zeit als wahrscheinlichster Sieger des Privatisierungsprozesses gehandelt, könnte eine Überraschung erleben. Mittlerweile werden nämlich hinter vorgehaltener Hand Air France/KLM gute Chancen eingeräumt.

Mehr als ein Dutzend Fluggesellschaften sollen es gewesen sein, die sich bei der ÖIAG die Verkaufsunterlagen abgeholt hatten. Laut Privatisierungsauftrag stehen bis zu 100 Prozent der über die ÖIAG gehaltenen Staatsanteile an der AUA (derzeit 42,75 Prozent) zum Verkauf. Anfang der kommenden Woche wird die Zahl der Kandidaten drastisch geschrumpft sein. Von den Interessenten, die am Freitag vergangener Woche um 15 Uhr ein strategisches Konzept für die Weiterführung der AUA vorgelegt haben, dürfte nach dem Wochenende nur eine Hand voll auf der von ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis erstellten Shortlist übrig bleiben.
Gut möglich, dass die zu 25 Prozent im russischen Staatsbesitz befindliche S7 dann noch im Spiel ist. Das rasch wachsende Unternehmen will Wien zu seinem Drehkreuz nach Westen machen, verfügt zudem über die finanziellen Mittel, um ein konkurrenzfähiges Angebot zu legen.

Führungswechsel. Ebenso gut möglich, dass S7 im Endspiel um die AUA allerdings nur noch eine Feigenblattfunktion zukommt. Das wahre Match um die AUA läuft hinter den Kulissen bereits seit Wochen. Und bisher sah alles nach einem sicheren Sieger Lufthansa aus. Der deutsche Luftfahrtkonzern gilt seit jeher als favorisierte Variante. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Beide Unternehmen kooperieren seit Jahren eng miteinander, beide gehören dem Airline-Verbund Star Alliance an. Der Ausstieg aus der Star Alliance soll in etwa 100 Millionen Euro kosten. Und dann ist da noch Wolfgang Mayrhuber. Der Österreicher ist Vorstandsvorsitzender der Lufthansa und gilt deshalb in ÖVP-Kreisen als Garant für Stabilität und als Indiz dafür, dass die AUA nach einer Übernahme nicht allzu sehr zur Ader gelassen wird. Die Präferenz von ÖVP und damit auch ÖIAG (die ÖIAG ressortiert zum Finanzministerium von Wilhelm Molterer) für die Lufthansa war deutlich zu spüren.

„Die Ausschreibungsunterlagen der Investmentbank Merrill Lynch waren ganz klar auf die Lufthansa zugeschnitzt“, so ein Beamter aus dem Infrastrukturministerium. Mittlerweile gibt es allerdings Gegenwind für die Lufthansa. Werner Faymann will sich mit dem Privatisierungsprozess – zumal in Wahlkampfzeiten – persönlich nicht befassen. In seinem Ministerium heißt es, es würden nur die Standortfrage und der Preis entscheiden. Faymanns Vorgänger an der SPÖ-Spitze nimmt dem Vernehmen nach mehr Anteil am AUA-Verkauf. Alfred Gusenbauer soll seit Wochen sein politisches Gewicht für den Lufthansa-Konkurrenten Air France/KLM in die Waagschale werfen. Finanziell kann die französische Airline allemal mithalten. Gemessen am Umsatz, ist Air France/KLM die größte Fluggesellschaft der Welt. Und auch noch höchst profitabel: Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Konzernchef Jean-Cyril Spinetta ein operatives Ergebnis von rund einer Milliarde Euro. Am Flughafen Wien wäre man über den Zuschlag für das französische Unternehmen hocherfreut. Im Gegensatz zur Lufthansa gibt es im Streckennetz wenige Überschneidungen mit der AUA. Damit könnte die Rolle als Drehscheibe nach Osten und damit der Wachstumskurs des Flughafens auch unter neuer AUA-Führung beibehalten werden. Damit dürften auch die Bundesländer Wien und Niederösterreich – beide sind zu je 20 Prozent am Flughafen beteiligt – dem Air-France-Angebot zumindest nicht abgeneigt sein. Bis zur finalen Angebotslegung am 21. Oktober wird jedenfalls nichts dem Zufall überlassen: Für das Bieterverfahren hat Air France/KLM neben dem US-amerikanischen Übernahmespezialisten Lazard gleich noch ein zweites Beratungsinstitut engagiert und sich die Dienste der österreichischen Raiffeisen Invest AG gesichert.

Von Josef Redl