Kosovo vs. Serbien: Ende der Blockade?

Die Mächtigen in der EU, allen voran Berlin, haben die Blockade satt und drängen auf eine Normalisierung der Beziehungen zwischen den beiden Balkanländern.

Von Gregor Mayer, Pristina

Vor fünf Jahren hat sich der einst serbisch verwaltete Kosovo für
unabhängig erklärt. Serbien hat diesen Schritt seiner einstigen, mehrheitlich albanisch bevölkerten Provinz nie anerkannt und ihre postulierte Zugehörigkeit zu Serbien sogar in der Verfassung verankert. Doch Serbien will auch einen Termin für den Beginn von EU-Beitrittsverhandlungen. Die Brüsseler Verhandlungen zwischen dem serbischen Ministerpräsidenten Ivica Dacic und seinem kosovarischen Amtskollegen Hashim Thaci gingen letzte Woche in ihrer fünfte Runde. profil sprach mit dem Außenminister des Kosovo, Enver Hoxhaj:

profil: Herr Außenminister, wie verliefen die Gespräche?
Hoxhaj: Sehr gut, es war ein konstruktives Treffen, sowohl klimatisch als auch inhaltlich.

profil: Worum ging es inhaltlich?
Hoxhaj: Ein wichtiger Punkt waren die Parallelstrukturen des serbischen Staates in den drei serbisch bevölkerten Gemeinden im Norden des Kosovo, darunter Nord-Mitrovica. Belgrad unterhält und finanziert dort eigene Polizei- und Geheimdienststrukturen.

profil: Belgrad tut das, seitdem die Nato 1999 mit Bombardierungen im damaligen Rest-Jugoslawien die serbischen Sicherheitskräfte aus dem Kosovo vertrieben hat und selbst dort eingerückt ist. Brachten die Gespräche in diesem Punkt einen Durchbruch?
Hoxhaj: Nein, einen Durchbruch gab es noch nicht. Aber beide Ministerpräsidenten zeigten sich imstande, ziemlich detailliert darüber zu diskutieren, wie und in welchen Schritten Serbien seine Sicherheits- und Polizeikräfte aus den Nord-Gemeinden abzieht, ihre Finanzierung einstellt und ihre Präsenz beendet.

profil: Was bekommen die dort lebenden Serben im Gegenzug dafür geboten?
Hoxhaj: Sehr weit gehende Selbstverwaltungsrechte für ihre Gemeinden, wie sie in der Verfassung der Republik Kosovo vorgesehen sind und wie sie auch im Plan des finnischen Kosovo-Vermittlers Martti Ahtisaari enthalten waren.

profil: Wann wird es eine Einigung geben?
Hoxhaj: Es bestehen gute Chancen, dass es beim nächsten Treffen der beiden Ministerpräsidenten am 4. März in Brüssel zu einem Durchbruch kommt. Wir wollen kurzfristig, dass sich unsere Beziehungen auf politischer Ebene normalisieren.

profil: Serbien soll Ihren Staat anerkennen?
Hoxhaj: Sagen wir so: Kurzfristig wollen wir erreichen, dass Serbien den unabhängigen Kosovo als eine Realität, als eine Gegebenheit in seiner Nachbarschaft akzeptiert. Die offizielle Anerkennung wird dann auch folgen.