Kostenvergleich: Über Gebühren

Die Wahl des bevorzugten Bankinstituts ist in hohem Maß von individuellen Ansprüchen abhängig – die objektiv beste Bank zu benennen daher unmöglich. Doch zumindest die Konditionen der zentralen Leistungen sind vergleichbar. Und hier bestehen teils enorme Unterschiede zwischen den Häusern.

Die Ermittlung der tatsächlich besten Bank nach allgemein objektivierbaren Kriterien ist ein nahezu unmögliches Unterfangen. Naturgemäß hängt die Auswahl eines bestimmten Instituts und der dort offerierten Angebote in hohem Maß von den individuellen Ansprüchen der Kunden ab: So mag für manche vor allem die räumliche Nähe oder gute Erreichbarkeit besonders wichtig sein, während andere umfangreiche Beratung schätzen und wieder andere sich schlicht von einem attraktiven Kontoeröffnungsangebot überzeugen lassen.

Und nicht immer muss zwangsläufig die Frage, was ein Konto über die Jahre kostet und wie verschiedene Angebote eines Hauses im Vergleich abschneiden, im Vordergrund stehen. Manche Kunden haben komplexe Finanzierungsbedürfnisse oder Veranlagungswünsche und fühlen sich daher bei einem Institut mit umfangreichem Produktangebot gut aufgehoben. Andere hingegen finden mit den wenigen Standardangeboten von Internet-Banken das Auslangen.

Quantitative Kriterien. Um dennoch einen zumindest groben Leitfaden bei der Auswahl einer bestimmten Bank zu erstellen, konzentriert sich dieser Überblick der Leistungen österreichischer Institute auf den Vergleich eindeutig quantifizierbarer Kriterien – denn individuelle Präferenzen zu berücksichtigen würde nahezu jede Leistungsübersicht sprengen. Freilich sollte es auch ein rein quantitativ orientierter Basis-Raster dem einzelnen Kunden erleichtern, in der Folge seine persönliche Wahl zu treffen.

Im Einzelnen wurden die Bereiche Sparbuchzinsen, Kreditzinsen, Kontoangebote sowie Kosten für Safes und Wertpapierdepots unter die Lupe genommen (siehe Tabellenteil) – also jene Bereiche, bei denen jede Bank über ein Angebot verfügt, welches sich in Euro oder Prozent ausdrücken lässt. Die Preisunterschiede der Angebote waren in manchen Fällen beträchtlich: So kostet das billigste Konto bei der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) 53,80 Euro pro Jahr – um jährlich genau 53,80 Euro mehr als die Kontopakete der günstigsten Mitbewerber.

Naturgemäß mag eingewendet werden, dass das billigste Angebot nicht notwendigerweise das beste sein muss und dass umgekehrt kostspieligere Servicepakete üblicherweise auch entsprechenden Zusatznutzen beinhalten. So dürfte die BA-CA bei bestimmten Zielgruppen unbestritten punkten: Mit dem Club-Suxess-Konto hat das Haus beispielsweise ein Produkt im Sortiment, das für so genannte „Power-Kunden“ durchaus attraktiv sein kann: Inkludiert sind zahlreiche Nebenleistungen – bis zur Kundenkarte mit Rabatten bei Möbelhäusern, Konditoreien und Wellness-Hotels.

Standardpakete. Doch im Rahmen dieser Übersicht wurde nicht nach den umfangreichsten – und damit tendenziell kostspieligeren – Paketen gesucht, sondern nach jenen, welche die üblicherweise nachgefragten Leistungen zu möglichst moderaten Konditionen beinhalten.

Wobei die Unterschiede zwischen den einzelnen Instituten nicht bei jedem Finanzprodukt ganz so augenfällig sind wie bei den Kontopaketen. Aber sie gehen trotzdem ins Geld: So beträgt bei einem Privatkredit für das gewählte Finanzierungsbeispiel (20.000 Euro Kreditsumme, Laufzeit fünf Jahre, Fixzins, gute Bonität) die Differenz in der Gesamtbelastung zwischen dem günstigsten und dem teuersten Angebot 1046 Euro. Die Gesamtbelastung des Kreditnehmers ist beim teuersten erhobenen Kreditangebot, jenem der Sparda Bank, mit 22.976,22 Euro somit um 4,78 Prozent höher als beim billigsten ermittelten Kredit, jenem der Oberbank, für den über die Laufzeit an Kapitalrückführung, Zinsen und Gebühren bloß 21.880,08 Euro zu bezahlen sind.

Um den Umgang mit Banken – abseits von puren Zahlenvergleichen – praktikabler zu gestalten, wurden zudem in Kooperation mit Experten mehrere Tipps erarbeitet (siehe Tipp-Kästen). Doch selbst diese können nur einen Ausschnitt aus den vielen Regeln beleuchten, die im Umgang mit Banken beachtet werden sollten. Hier daher noch drei Ratschläge von unabhängigen Profis, die von Relevanz sein können.

Der erste Tipp betrifft die Kreditangebote. So scheinen die beworbenen Zinsen zwar vielfach derart niedrig, dass vielen Konsumenten ein „Leben auf Pump“ kaum als finanzielles Risiko erscheint. Doch die Arbeiterkammer (AK) warnt, dass Konsumenten vor allem bei Kreditangeboten mit verlockend niedrig erscheinenden Fixzinsen, die bloß für das erste Jahr gelten, aufpassen sollen: „Es droht ein Zinssprung, wenn von niedrigen Fixzinsen wie vereinbart nach einem Jahr auf variable Zinsen umgestellt wird“, mahnt Josef Staudinger, Präsident der Arbeiterkammer Niederösterreich, in einer entsprechenden Stellungnahme zur Vorsicht.

Böse Überraschung. Nach Ansicht der Arbeiterkammer sollte für die Höhe des aufs erste Jahr folgenden variablen Zinssatzes vor dem Vertragsabschluss entweder eine Obergrenze verhandelt und fixiert werden oder aber zumindest die im Kreditvertrag aufgelisteten Kriterien, nach denen der dann folgende variable Zinssatz ermittelt wird, genau studiert werden. Wer diesem Ratschlag nicht folgt, kann nach einem Jahr unangenehme Überraschungen erleben. Ein Kunde, berichtet Staudinger, habe im Vorjahr bei seiner Bank einen Kredit für ein neues Auto aufgenommen und Fixzinsen von 3,75 Prozent für ein Jahr vereinbart. Heuer, nach dem Ende der Fixzinsen, wurde ihm von der Hausbank mitgeteilt, dass die Zinsen von 3,75 auf 5,75 Prozent erhöht würden. Die – immer wieder geäußerte – Forderung der AK lautet daher, dass sowohl der Effektivzinssatz als auch die maximale Gesamtbelastung für die gesamte Laufzeit verpflichtend vollständig angegeben werden sollten. Von Bankenseite wird freilich eingewendet, dass sich die Höhe des allgemeinen Zinsniveaus, an dem sich dann auch die variablen Kreditzinsen orientieren, nicht über Jahre im Voraus prognostizieren lässt.

Die zweite Empfehlung betrifft die Sicherheit: Hans Zeger, Obmann der ARGE Daten, nahm die österreichischen Internet-Banking-Angebote unter die Lupe. Generell ortet er ein „hohes technisches Sicherheitsbewusstsein“ bei den Banken, „wenn auch die Endbenutzerunterstützung verbesserungswürdig wäre“. So fordert er ein Protokoll, mit welchem die Kunden die letzten zehn Login-Versuche auf ihrer Online-Banking-Seite überprüfen können. „Damit könnte der Kunde frühzeitig erkennen, wenn jemand Fremder einen Zugriff auf sein Konto versucht“, glaubt Datenschützer Zeger.

Zudem warnt er Banken davor, mit Kunden über E-Mail in Kontakt zu treten oder die gewohnte Erscheinung von Internet-Auftritten zu ändern. „Kontinuität und Gewohnheit sind auch in Internet-Zeiten die wichtigsten Sicherheitsmerkmale für Laien“, befindet der Datenschützer. „Die Verschlüsselung ist für Laien oft schwierig nachvollziehbar“, was die Schaffung von Vertrauen nicht erleichtert.

Zinsenfalle. Der dritte Expertentipp betrifft die Finanzierung von Wohnraum. Diese wird zurzeit aufgrund des verlockend niedrigen Zinsniveaus besonders gerne in Anspruch genommen. Allerdings können die – meist variablen – Zinsen über jene zwanzig oder mehr Jahre, in denen die Wohnung oder das Haus abbezahlt werden muss, durchaus erheblich steigen. „Eine Finanzierung ist nur dann wirklich leistbar, wenn man sich die Raten auch mit einem Kreditzinssatz von sechs Prozent leisten könnte und wenn man mindestens 20 Prozent Eigenmittel mitbringt“, sagt der Finanzierungsexperte Werner Frötscher, Direktor der Wiener Niederlassung der Dornbirner Sparkasse.

Wichtig ist auch, sich die niedrigen Zinsen möglichst lange zu sichern: Fünf Jahre Fixzinsen sind empfehlenswert. Häuser wie die Sparda Bank oder die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien bieten ihre Hypothekarkredite sogar mit auf sieben oder zehn Jahre fixierten Zinsen an. Natürlich sind Monatsraten und Gesamtbelastung dann höher als bei einem „Lockangebot“ mit bloß einem Jahr Fixzinsen. Aber gerade Konsumenten, die eine Mietwohnung mit gleich bleibenden Kosten gewohnt sind und sich zum ersten Mal für Eigentum entscheiden, können durch möglicherweise deutlich steigende Monatsraten in finanzielle Bedrängnis geraten.

Wie die Zinsen werden in Zukunft wohl auch die Kosten für die Bankgeschäfte steigen. So gilt es als nicht unmöglich, dass Banken für ausführlichere Anlageberatung Gebühren verlangen werden – vor allem dann, wenn sie für ihre Empfehlungen auch haftbar gemacht werden können.

Derzeit liegen die heimischen Bankgebühren laut einer aktuellen Studie des Unternehmensberaters Capgemini knapp über dem internationalen Durchschnitt. Im Mittel müssen Österreichs Bankkunden 79 Euro pro Jahr für die typischen Dienstleistungen von Kreditinstituten zahlen. Damit belegen Österreichs Institute unter den 19 untersuchten Ländern den zehnten Platz (siehe Grafik Seite 62).

Billigländer. Am teuersten sind Bankdienstleistungen in der Schweiz, wo im Schnitt 137 Euro jährlich bezahlt werden müssen. Wesentlich teurer als in Österreich sind die Konditionen auch in Australien und Italien, das von allen EU-Ländern die höchsten Gebühren aufweist. Auch Deutschland zählt mit 98 Euro zu den kostspieligeren Staaten. Als wahre Diskonter erweisen sich indes die niederländischen Banken, die für ihre Dienste im Schnitt um mehr als zwei Drittel weniger kassieren als jene in Österreich. Und ein in Bezug auf die Größe ebenfalls vergleichbares Land wie Belgien liegt mit 57 Euro preislich ebenfalls klar unter den heimischen Instituten.

Harmonisierungspläne. Diese Unterschiede in der Europäischen Union haben bereits den EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy auf den Plan gerufen. Er will die Harmonisierung nun vorantreiben. Als erster Schritt soll der Zahlungsverkehr vereinheitlicht werden, notfalls auch mit gesetzlichen Regelungen: „Die Institute sind beim Aufbau zu langsam“, kritisiert McCreevy. „Einen einheitlichen Zahlungsverkehrsraum in Europa zu realisieren ist ja wohl nicht so schwer, wie einen Mann auf den Mond zu schießen.“

Die Europäische Zentralbank (EZB) und die EU drängen schon seit Beginn der Währungsunion darauf, dass unter anderem Auslandsüberweisungen im Euro-Raum nicht mehr kosten sollen als Inlandsüberweisungen. Das ist an sich schon jetzt möglich, allerdings müssen unterschiedliche Formulare verwendet werden, was bei Verwechslungen zu hohen Sondergebühren führen kann. Das soll sich ab 2008 ändern – egal, ob dann eine Überweisung nach Linz oder Paris geht, wird es nur noch einen Zahlschein geben. Dies allerdings mit der Konsequenz, dass von der bekannten Kontonummer Abschied genommen und die internationale Bankkontonummer IBAN auch im Inland verwendet werden muss.

Die Harmonisierung weckt aber auch Befürchtungen: Die Konsumentenschützer der AK vermuten, dass die Banken die Umstellung dazu nützen werden, um mehr oder minder dezent an der Gebührenschraube zu drehen. Geschieht dies, würde das vermutlich auch die vorliegende Übersicht der verschiedenen Leistungen der Banken durcheinander bringen – und der Kostenvergleich könnte dann wohl ein wenig anders aussehen.

Von André Exner und Christian Kreuzer