Länderkunde: Wie Finnen gewinnen

Der Pisa-Sieger: mit Gesamtschule bis 15, Chancengleichheit für alle sozialen Gruppen und motivierten Lehrern an die Weltspitze.

Wenn zur Mittagszeit in Finnland lauter kleine Lesewunder auf den Hof strömen, ist die Schule noch lange nicht aus. Erst wird gemeinsam gegessen, dann teilen sich die Schüler wieder auf Kurse und Freizeitveranstaltungen auf.

Auch die Lehrer gehen nicht nach Hause: Für finnische Pädagogen ist die ganztägige Anwesenheit an der Schule Selbstverständlichkeit.

Staatspräsidentin Tarja Halonen kann stolz sein: Schon zum zweiten Mal schneiden die Schüler des Fünf-Millionen-Landes in der Pisa-Studie am besten ab, und das, obwohl die Bildungsausgaben der dortigen Regierung gerade mal im OECD-Mittelfeld liegen.

Das Geheimnis der Finnen basiert auf zwei Pfeilern: Der eine ist die Grundeinstellung zur Wissensvermittlung. „Bildung ist Teil der Volksidentität“, sagt Aslak Lindström, Vizedirektor des Zentralamtes für Unterrichtswesen in Helsinki.

Der andere Pfeiler ist die Organisation: Finnische Kinder besuchen vom siebten bis zum 15. Lebensjahr eine gemeinsame Schule mit Vor- und Nachmittagsunterricht. Lernmaterialien, Bücher, Schülertransport und Verpflegung werden gratis zur Verfügung gestellt. Eine Auslese nach sozialem Standard oder Begabung gibt es nicht. Starke Schüler ziehen schwache mit, das gemeinsame Lernen in unterschiedlichen Begabungsstufen hebt das allgemeine Bildungsniveau.

Susanne Brandsteidl, Präsidentin des Wiener Stadtschulrates, kam erst Donnerstag vergangener Woche von einer Exkursion aus Finnland zurück. Was ihr imponiert hat, ist der Leitsatz, der das dortige Bildungswesen prägt. Brandsteidl: „Er lautet schlicht: Wir sind ein zu kleines Land, um es uns leisten zu können, auch nur einen Schüler nicht zu fördern.“

Qualitätskontrolle. Diesem Prinzip folgend ist in Finnland Einzelnachhilfe für lernschwache Schüler im Rahmen der Schule oder die Beistellung von Begleitlehrern in schwierigen Fächern Standard. Schulstandorte werden regelmäßig einer anonymen Qualitätskontrolle unterzogen: Weist ein Institut überdurchschnittlich viele lernschwache Kinder auf, werden sofort mehr Geld und Personal bereitgestellt.
Die Lehrerausbildung in Finnland ist einheitlich: Ob Kindergärtner, Erwachsenenpädagoge, Volksschul- oder AHS-Lehrer: Alle absolvieren das gleiche Universitätsstudium. Fortbildungskurse werden laufend angeboten. Eine ganztägige Anwesenheit in der Schule ist schon aufgrund des Ganztagsschulsystems von 8.30 Uhr bis 15 Uhr nötig. Und: Jeder Lehrer hat seinen eigenen Arbeitsplatz zur Unterrichtsvorbereitung.

Letztlich ist die flexible Organisation der Schulpolitik ein wesentlicher Erfolgsfaktor: Die finnische Regierung setzt stark auf Autonomie. Gemeinden und Schulen entscheiden selbst über ihre Schwerpunkte und die Verwendung ihres Budgets. Von der finnischen Regierung werden lediglich die Rahmenlehrpläne vorgegeben – die aber werden alle zehn Jahre reformiert.