Lansky-Porträt: Der schillernde Gabi

Gabriel Lansky, der Anwalt von Natascha Kampusch, tanzt als bunter Hund der Advokatenszene auf zahlreichen Hochzeiten. Manche meinen, auf zu vielen.

Der kleine Hendldieb vom Land, der auf der Suche nach einem Rechtsanwalt auf die Homepage der Kanzlei Lansky, Ganzger und Partner gerät, mag irritiert sein und glauben, er habe sich in der Tür geirrt. Denn da steht: „Interdisziplinär Arbeiten (sic!) bedeutet, die aktuelle Mondkonstellation mit dem Flug der Birkenpollen in Südfrankreich zu verknüpfen.“ Welche ungeahnte Chancen diese geheimnisvolle Fertigkeit in sich bergen muss, wird im übernächsten Satz erläutert: „Durch diese analytisch profunde Vorgehensweise gelingt es uns, manche juristischen Probleme bereits im Vorfeld zu verhindern.“ Auf der nächsten Seite findet der Hendldieb endlich Aufklärung: „Sie glauben, Sie kommen einfach in eine Rechtsanwaltskanzlei. Und finden sich in einer Denkfabrik wieder.“

Gabriel Lansky, 51, betreibt schließlich eine „internationale Kanzlei der neuen Generation“. Und das bei Bedarf in „deutscher, englischer, bosnischer, französischer, griechischer, italienischer, hebräischer, kroatischer, russischer, serbischer, slowakischer, spanischer, tschechischer, türkischer und ungarischer Sprache“, so die Selbstdarstellung der Anwaltssozietät im Internet. In der Wiener Rotenturmstraße an bester Adresse niedergelassen, betreibt der Mann weitere Büros in Brüssel, Bratislava und Ungarn.

Erfolg. Kein Zweifel: Lansky ist ein erfolgreicher Anwalt. Überall, wo es raucht oder auch nur nach Feuer riecht, ist er zur Stelle. Privatisierungen, Wettbewerbsrecht, Menschenrechte, Medienrecht. Lanskys Kanzlei wird immer größer. Der quirlige Advokat, ein deklarierter Sozialdemokrat, der auch in diesem Wahlkampf wieder engagiert für die SPÖ kämpft, hat in zahlreichen prominenten Fällen erfolgreich mitgemischt: beim Grubenunglück von Lassing an der Seite der Naintscher Mineralwerke, beim Seilbahnunglück von Kaprun an der Seite Hinterbliebener, bei der Rückgabe arisierter Güter vertritt er Erben ermordeter oder vertriebener Juden. Er vertritt die Verlagsgruppe News*). Er vertritt Natascha Kampusch.

Für das 18-jährige Entführungsopfer, dessen Schicksal die Öffentlichkeit weit über Österreich hinaus interessierte und weiterhin beschäftigt, hat Lansky mit seinem Partner Gerald Ganzger die Bedingungen ausverhandelt, zu denen die Verbreitung der Fotos des derzeit „gefragtesten Gesichts der Welt“ ablaufen darf. Strategien, die der Medienberater Dietmar Ecker ausgeklügelt hat, wurden von Lansky in ein juristisches Korsett gegossen.

Natascha Kampusch hat mit ihren Interviews viele verblüfft. So hat sie sich zwar entschlossen, neben der „Kronen Zeitung“ und dem ORF auch dem Magazin „News“ ein erstes Interview zu geben – für die betreffenden Medien ein toller Coup. Andererseits hat Kampusch aber auch darauf bestanden, gegen „News“ wegen eines in der Woche vor dem Interview erschienenen Artikels die rechtliche Auseinandersetzung zu suchen. Ein juristischer Schritt, bei dem Lansky passen musste, weil er seine Mandantin schwer dabei vertreten und beraten kann, wenn diese rechtlich gegen einen anderen seiner Mandanten vorgeht. Weil Natascha Kampusch aber nach Auskunft ihrer Betreuerin Monika Pinterits auf eine Klage besteht, musste Kampusch diesen Aspekt einem anderen Anwalt überantworten. Wie die Tageszeitung „Standard“ und die Wiener Stadtzeitung „Falter“ in den vergangenen Tagen berichteten, werde in Juristenkreisen diskutiert, ob sich Lansky mit der Vertretung von Kampusch und der Verlagsgruppe News in die Nähe einer anwaltlichen „Interessenkollision“ manövriert habe.

Lansky sieht in einer profil übermittelten schriftlichen Stellungnahme naturgemäß keine standesrechtlichen Problemzonen: „Wir haben weder Frau Kampusch noch die Verlagsgruppe News bezüglich der Veröffentlichung im letztwöchigen ‚News‘ in irgendeiner Form beraten oder vertreten. Bereits Freitag Früh hat Frau Kampusch einen eigenen Rechtsanwalt mit der Prüfung dieser Ausgabe beauftragt.“

Udo Jesionek, der frühere Präsident des mittlerweile aufgelösten Jugendgerichtshofs und jetzt Präsident des Kriminalitätsopferhilfeverbands Weisser Ring, kümmert sich um Natascha Kampusch, weil sie selbst diesen Wunsch unmittelbar nach ihrer Flucht geäußert hatte. Jesionek war es, der Lanskys Kanzlei ins Spiel brachte, als man einen Nachfolger für den ursprünglich vom Weissen Ring engagierten Rechtsanwalt Günter Harich suchte. Harich hatte das Natascha-Mandat nach eigener Darstellung wegen „Überlastung“ zurückgelegt. Jesionek zu profil: „Wir brauchten eine große, in Medienfragen erfahrene Kanzlei, also habe ich Lansky gefragt, ob er Frau Kampusch vertreten möchte.“ Dieser habe sofort zugesagt. Jesionek: „Ich habe ihn dann gefragt, ob er keine Unvereinbarkeit mit anderen seiner Mandanten sehe. Das hat er verneint.“ Für Jesionek sei ausschlaggebend, ob Kampusch gut vertreten werde: „Alles andere sollen die Rechtsanwaltskammer und die Öffentlichkeit entscheiden.“

Keine Doppelvertretung? Lansky bestätigt, dass sowohl sein Kanzleikollege Ganzger wie auch er selbst Jesionek erklärt hätten, „keine Inkompatibilität im Hinblick auf eine Doppelvertretung“ gehabt zu haben.

Dennoch dürfte „Gabi“, wie ihn enge Freunde nennen, in den kommenden Wochen in stürmische See geraten. Behält er das Kampusch-Mandat, muss er zahllosen Medien in der halben Welt Klagen nach dem Mediengesetz androhen, weil rechtswidrige Veröffentlichungen in Wort und Bild vorliegen dürften und Natascha Kampusch dem Vernehmen nach entschlossen ist, diese zu verfolgen. Darunter auch die neue Tageszeitung „Österreich“, die bei durchschnittlichen Lesern möglicherweise den Eindruck erweckt hat, Natascha Kampusch interviewt zu haben, obwohl man – ohne Genehmigung – nur das ORF-Interview abgeschrieben hatte.

Als Obmann des Vereins „Change 06“ hat sich SPÖ-Aktivist Lansky dem ehrgeizigen Projekt verschrieben, „den politischen Wechsel bei der Nationalratswahl 2006“ herbeizuführen. Schon kurz nach der Vereinsgründung Ende des Vorjahres jubelte Lansky: „Wir sind begeistert über den fantastischen Zulauf.“ Seit damals konnten der frühere Finanzminister Ferdinand Lacina als Lanskys Obmannstellvertreter und sogar Exkanzler Franz Vranitzky als graue Eminenz für „Change 06“ gewonnen werden. Die Veranstaltungs-Highlights von „Change 06“ lassen freilich nicht unbedingt große politische Umwälzungen erahnen. Der Eintrag auf der

Internetseite von „Change 06“ über eine Veranstaltung vom 11. Juni 2006 streicht eher kulinarische Schwerpunkte hervor: Da fand „der erste Change 06 Sommerbrunch in Kooperation mit Jeanette Belkin im Schreiberhaus statt. 120 Personen genossen das wunderbare Buffet von Poldi Huber …“

Am 5. Juli stieg der vorletzte verzeichnete „Change 06“-Event im „Vogelkeller der Frommen Helene“: „Eine hochkarätige Diskussion mit Fußballexperten … Rapid-Trainer Georg Zellhofer, Beppo Mauhart und Kulturstadtrat Mailath-Pokorny diskutierten unter der Leitung von Irene Friedl über die WM in Deutschland …“

Und am 29. Juli fand die „Versteigerung der Originalentwurfszeichnung für die frühere Neugestaltung der österreichischen Nummernschilder von Friedensreich Hundertwasser“ statt. Erzielter Preis: 625 Euro.

Wer weiß, vielleicht gewinnt die Aktion noch an Dynamik. Aber das steht in den Sternen, oder auch in den Phasen des Mondes. Vielleicht sogar im Flug der Birkenpollen in Südfrankreich.

Von Emil Bobi