Lasst tausend bunte Schulen blühen!

Plädoyer für einen freien Schulmarkt, auf dem öffentliche und private Schulen unter fairen Bedingungen miteinander konkurrieren.

Wenn Sie das private Aloha College ernsthaft mit einem staatlichen Gymnasium in Österreich vergleichen, dann verwechseln Sie Äpfel mit Birnen. Natürlich würde ich auch gerne in Kleingruppen von acht Schülern arbeiten, anstatt mit 30. Allein, die Politik schreibt andere Klassengrößen vor“, ließ mich AHS-Lehrer Günther Scheidl nach meiner letzten Kolumne per Leserbrief wissen. Und ein Kollege mailte: „Für ein Schulgeld, das vermutlich mehr ist, als manche Leute im Monat verdienen, eine tolle Privatschule hinzustellen, scheint mir keine sonderliche Kunst. Das kann kein Rezept für Österreich sein.“

Vielleicht doch: So beträgt das Schulgeld für das englische College in Marbella bis zur 4. Klasse für die Betreuung von neun bis 16 Uhr in Leistungsgruppen von maximal zwölf Kindern pro Lehrer 6970 Euro im Jahr, erhöht sich dann auf 8200 und in den letzten zwei Jahren auf 10.900 Euro, weil die Leistungsgruppen oft nicht einmal acht Schüler umfassen. In diesem Schulgeld ist die Schulerhaltung (eines perfekten Gebäudes mit Internetanschluss für jeden einzelnen Schüler) ebenso inbegriffen wie der Gewinn des Betreibers.

In Österreich kostet ein Schüler der Hauptschule oder der AHS (die Kosten werden trotz der höchst unterschiedlichen Lehrergehälter gemeinsam ausgewiesen) laut OECD-Erhebung in der Unterstufe 8316 Kaufkraft bereinigte Dollar und in der Oberstufe 8852 Dollar – das sind nach dem Umrechnungskurs des Erhebungszeitraumes 7230 und 7697 Euro. Ein AHS-Schüler kommt dabei wegen der höheren Lehrergehälter noch erheblich teurer (ein Pflichtschüler entsprechend billiger).

Man kann also um den Betrag, den ein AHS- Schüler die öffentliche Hand kostet, durchaus einen Platz an einer exzellenten, luxuriösen Privatschule finanzieren. Und genau das sollte man tun: Öffentliche Schulen sollten sich unter vergleichbaren finanziellen Voraussetzungen mit einer wachsenden Zahl privater Schulen messen müssen.

Das wäre für das österreichische Schulwesen so segensreich, wie es für das Schweizer Gesundheitswesen segensreich ist, dass dort zwei Drittel öffentliche Spitäler unter vergleichbaren finanziellen Voraussetzungen mit einem Drittel privaten Spitälern konkurrieren müssen. Mit dem Erfolg, dass ein Spitalstag in der Schweiz, gleich ob im öffentlichen Krankenhaus oder in einer privaten Klinik, ungleich weniger als in Österreich kostet.

Derzeit werden in Österreich nur die katholischen Privatschulen gefördert, indem der Bund die Kosten des Lehrpersonals übernimmt. Unterstützt wird ferner, durch eine Sondervereinbarung der Regierung Kreisky, die Vienna International School. Alle anderen Privatschulen „können“ die eine oder andere Subvention bekommen – im Wesentlichen sind sie aber auf das von den Eltern bezahlte Schulgeld angewiesen und haben es im Übrigen ungemein schwer, Öffentlichkeitsrecht zu erlangen. Denn dazu müssen ihre Lehrpläne mit den staatlichen übereinstimmen – und genau das lehnen sie vielfach ab.

Diese privaten Schulen feindliche Gesetzeslage wäre durch eine zu ersetzen, bei der jede Schule, egal ob öffentlich oder privat, pro Schüler, den sie ausbildet, von der öffentlichen Hand den gleichen Betrag erhält. Zu prüfen ist dabei nicht, ob ihr Lehrplan mit dem staatlichen übereinstimmt, sondern ob der betreffende Schüler eine einem internationalen Standard entsprechende Leistung erbringt. Diese Leistung wäre an allen Schulen einmal zum Abschluss der Volksschule, dann zum Abschluss der Mittelstufe und zuletzt zum Abschluss der Oberstufe zu messen. Und zwar nicht durch die subjektiven Lehrkräfte der betreffenden Schule, sondern im Wege eines anonymisierten Tests nach Art der PISA-Studie.

Alle enervierenden ideologischen Streitigkeiten über Ganztags- oder Halbtagsschule, Gesamtschule oder getrennte AHS und Pflichtschule, über Unterricht nach den Prinzipien Rudolf Steiners oder Maria Montessoris ließen sich damit begraben: Der Absolvent besteht die Tests, oder er besteht sie nicht. Nur bei bestandenem Test hat die Schule Anspruch auf Honorierung.

Es läge an der einzelnen Schule, wie sie den Unterricht gestaltet, wie lange er dauert und wen sie als Lehrer einsetzt. Und natürlich müsste es jeder Schule offen stehen, auch noch ein zusätzliches, mehr oder minder hohes privates Schulgeld einzuheben und es gegenüber den Eltern mit ihrem ganz besonderen Angebot – etwa ausgedehnten Sportanlagen, einer eigenen Radiostation oder gesondertem Informatikunterricht – zu begründen.

Lasst tausend bunte Schulen blühen und die Eltern nach Gusto pflücken.
Mir ist klar, dass das skizzierte System Ecken hat: Wie gilt man beispielsweise einer Schule im 15. Wiener Gemeindebezirk den Umstand ab, dass dort die Hälfte der Kinder nicht Deutsch als Muttersprache hat, sodass der Aufwand, ein bestimmtes Testergebnis zu erreichen, viel größer ist? Oder wie gilt man den Aufwand für die Integration Behinderter ab? Aber solche Probleme sind lösbar und sollten der fairen Konkurrenz auf einem freien Schulmarkt nicht im Wege stehen. Ich glaube, dass die staatlichen Schulen sich unter dem Druck der Konkurrenz im gleichen Ausmaß verbesserten, wie sich der Service der Post (trotz Postämterschließung) unter dem Druck privater Telefon- und Postanbieter verbessert hat.