Lernprobleme: Handikap Rechenschwäche

Sechzig plus zwei ist achtzig, zwölf dividiert durch vier ist acht – hinter der Rechenschwäche (Dyskalkulie) steht häufig ein grundlegend falsches Verständnis von Zahlen: Sie werden nicht als Symbole für eine bestimmte Anzahl von Dingen begriffen. „Eines der entscheidenden Symptome ist, dass Kinder mit Rechenstörungen oft sehr lange am zählenden Rechnen hängen bleiben“, erklärt Michael Gaidoschik, Leiter der Institute zur Behandlung von Rechenschwächen in Wien und Graz sowie Autor eines Buches*) zum Thema. Im Gegensatz zur Lese-Rechtschreib-Schwäche (Legasthenie) steckt in Österreich die Erforschung der Rechenschwäche noch in den Kinderschuhen. Ein am Pädagogischen Zentrum Eggenberg in Graz laufendes Forschungsprojekt soll erstmals klären, wie viele Kinder in Österreich überhaupt von Rechenschwäche betroffen sind. Zur Früherkennung wurde eigens der „Eggenberger Rechentest (ERT)“ entwickelt. Er umfasst sowohl Rechenaufgaben zu bereits Gelerntem als auch die Überprüfung kognitiver mathematischer Grundfähigkeiten. Die vom Bildungsministerium unterstützten Forschungen befinden sich in der Endphase. Im November werden die Resultate im Rahmen eines Symposiums in Graz vorgestellt.

„Zirka fünf Prozent der Kinder müssen als hochgradig gefährdet, etwa 15 Prozent als gefährdet betrachtet werden, eine Rechenschwäche zu entwickeln“, berichtet Projektleiterin Friederike Lenart. Doch mit Auswendiglernen und Abzählen können die Kinder ihre Probleme verbergen. Im Zuge der Grazer Forschungen stellte sich heraus, dass am Ende der ersten beziehungsweise am Anfang der zweiten Volksschulklasse auch ganz einfache Rechnungen wie drei plus sechs von fast sechs Prozent der Kinder nicht richtig gerechnet werden konnten. Fast ein Drittel dieser ganz schwachen Rechner fiel aber den Lehrern im Klassenverband bisher nicht auf. In mehr als der Hälfte der Fälle ist eine Rechenschwäche mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche verknüpft. Langsam bessert sich das Problembewusstsein der Lehrer. Noch vor fünf Jahren wusste keiner, dass es so etwas wie Rechenschwäche überhaupt gibt. Lenart: „Inzwischen gibt es mehr Sensibilität für das Problem und auch eine Bereitschaft zur Weiterbildung.“

*) Michael Gaidoschik: „Rechenschwäche – Dyskalkulie. Eine unterrichtspraktische Einführung für LehrerInnen und Eltern“. öbv&hpt, Wien, 2003. 150 Seiten, 18 Euro

Informationen im Internet:

  • Symposium „Dyskalkulie – Rechenschwäche“: www.pze.at/veranstaltungen/dyskalkulie
  • Institut zur Behandlung von Rechenschwächen: www.rechenschwaeche.at
  • Veranstaltungen und Informationen zum Thema Dyskalkulie gibt’s auch im Wiener Museumsquartier: http://math.space.or.at