Lifestyle Lexikon 2007

Warum Romy, Diana und Elvis erneut Überlebensgröße beweisen werden. Wie man cool bleibt. Was man fährt, trägt und hört. profil präsentiert die Begriffe, Ereignisse und Dinge, die das Jahr 2007 prägen werden.

Dass der Mensch glücklich werde, sei nicht im Plan der Schöpfung vorgesehen, schrieb der Jubilar 2006, Sigmund Freud. Doch die Angebote zur Kompensation waren noch nie so vielfältig wie heute. profil scannte mithilfe von Experten jene Namen, Events und Dinge, denen man sich 2007 nicht entziehen wird können. Tränen garantiert der Abschied von Zauberlehrling Harry Potter. Das Jahr wird ein Fest für jene Toten, die ihre Unsterblichkeit mit einem tragischen Leben bezahlten (Elvis, Diana, Romy Schneider, Frida Kahlo). Feiern bis zum Abwinken wird man auch die EU, die Mondfahrt und die Pfadfinder. Was die Konsumtendenzen betrifft, scheint Reduktion und Bescheidenheit angesagt: Madonna designt brav und klar für H&M, Raf Simons wird der neue Helmut Lang, ein Revival des Design-Puristen Joe Colombo steht an, Luxus und Opulenz scheinen passé. Das wachsende Öko-Bewusstsein manifestiert sich in der „Hybridisierung“ von Autos und Häusern; das soziale Engagement des Jahres zeigt Nicholas Negroponte, der als eine Art Bob Geldof des Internets mit dem Laptop um 100 Dollar der Dritten Welt den Zugang zu Information und Bildung ermöglichen will.

American Apparel Die coolsten T-Shirts kommen 2007 aus den USA. Genauer: aus einem rotbraunen Lagerhaus an der ziemlich unglamourösen Warehouse Street in Los Angeles. Dort befindet sich der Hauptsitz von American Apparel, der sensationell erfolgreichen Modelinie von Dov Charney. Der atypische Fashion-Mogul bezahlt seine Mitarbeiter deutlich über Mindestlohn, investiert in Sozialleistungen und sorgt auch sonst für Familienbetriebs-Atmosphäre. Mit einem Jahresumsatz von 250 Millionen Dollar und 150 Shops hat sich American Apparel mittlerweile weit über den Kultstatus hinaus etabliert. Nicht zuletzt auch dank einer radikal zeitgeistigen Werbelinie, die an Amateurpornografie erinnert – was durchaus im Sinne von Charney ist.

Wiener Bauboom Gleich drei wichtige städtebauliche Projekte gehen in Wien heuer in die entscheidende Phase. Für die lange umstrittene und mehrmals verschobene Überbauung des Bahnhofs Wien-Mitte wird bereits im Jänner mit einer Baugenehmigung gerechnet, danach soll das 350-Millionen-Euro-Projekt zügig vorangetrieben werden. Auch die Donaucity wächst weiter: Auf der Donauplatte werden die vom französischen Stararchitekten Dominique Perrault geplanten DC-Towers errichtet, mit einer Höhe von 220 respektive 160 Metern das höchste Wohn- und Bürogebäude Österreichs. Am Donaukanal wiederum entsteht an der Stelle des ehemaligen Uniqa-Gebäudes ein rund 70 Meter hohes Hotel, entworfen von Jean Nouvel.

Herbert Brandl Teilweise herrschte in der heimischen Kunstszene leichtes Befremden, als bekannt wurde, dass Herbert Brandl bei der diesjährigen Biennale Venedig den österreichischen Pavillon bespielen würde. Das Lieblingsmotiv des 1959 geborenen Malers sind Berge. Zuletzt präsentierte er seine lukullischen Großformate in einer Gruppenausstellung im Wiener Museum Moderner Kunst, die zuvor in Schanghai präsentiert worden war – wo Brandls dramatische Malerei von vielen Besuchern flugs zum dekorativen Hintergrund für Digicam-Porträts umfunktioniert wurde. Biennale Venedig, 10.6.–21.11.2007

Dan Brown Robert Langdon, übernehmen Sie! Nach „Sakrileg“ (2003) und „Illuminati“ (2000) befindet sich der Wissenschafter und Tausendsassa, Browns Protagonist aus den beiden vorangegangenen Bestsellern, im programmierten Megaseller „The Solomon Key“ erneut im Weltrettungs-Einsatz. Der Roman wird 2007 (exaktes Datum noch nicht fix) erscheinen, ein Jahr später als geplant. Das neue Buch dreht sich um die Freimaurer und die Gründungsväter der USA. Das Dan-Brown-Fieber erreicht schon jetzt abstruse Hitzegrade: Über „Solomon Key“ sind bereits zwei populärwissenschaftliche Einführungen via Amazon.com zu erstehen.

Brüno Die Bürgermeister malerischer österreichischer Kleinstädte tun möglicherweise gut daran, allfällige Drehgenehmigungs-Ansuchen im kommenden Jahr besonders aufmerksam zu prüfen. Insbesondere dann, wenn unter den Antragstellern ein verhaltensauffälliger Mittdreißiger mit treuherzigem Blick und künstlerisch wertvoller Haartracht ist. Es könnte sich nämlich um „Brüno“ handeln, eine weitere Kunstfigur aus dem breiten Fundus des britischen Komikers Sacha Baron Cohen alias Borat alias Ali G. Denn Brüno (Foto), ein schwuler österreichischer TV-Reporter (für den OJRF, den „Österreichischen Jungen Rundfunk“), der seine Interviewpartner bevorzugt durch unvermittelte rechtsradikale Nebensätze aus dem Konzept bringt, soll zur Hauptfigur von Cohens nächstem Film werden. Produktionsstart ist voraussichtlich noch in diesem Jahr.

Colombo-Küche Der italienische Industriedesigner, Maler und Architekt Joe Colombo starb 1971 mit nur 41 Jahren, von seinen Ideen wie dem Schaumstoff-Rolls-Sessel und der auf einen halben Kubikmeter reduzierten Küche für sechs Personen lebten ganze Designer-Scharen. Die Firma Boffi legt nun Colombos legendäre Miniküche (statt aus Holz aus dem Kunststoff Corian) neu auf – in Zeiten steigender Scheidungsraten und florierender Singlehaushalte ein erfolgversprechendes Revival.

„Dancing Stars“ Im Frühjahr wird unter der Glitzerkugel zum dritten Mal das Tanzbein geschwungen. Die zweite Staffel der tanzenden Promis brachte dem ORF bis zu 1,6 Millionen Zuseher. Das Sendungsprinzip von um ihr Leben singenden und tanzenden Menschen wird auch die TV-Landschaft 2007 prägen. Die Leiterin der ORF-Entwicklungsabteilung Dodo Roscic prognostiziert: „Jene ,fish out of water‘-Situationen, in denen Prominente oder unerfahrene bis untalentierte Normalbürger, getränkt in Blut, Schweiß und Tränen, um ihre Würde kämpfen, bleiben, wenngleich auch in variierenden Aggregatzuständen, wie zum Beispiel auf Eis, bestehen.“

Dolly Am 27. Februar 1997 hatte die Wissenschaft eine Sensation und die Ethik ein Problem: Dolly, das erste vaterlose Säugetier, Kopie eines walisischen Bergschafs, ohne geschlechtliches Zutun geklont aus einer Euterzelle, wurde der Öffentlichkeit vorgestellt. Aus Angst vor Brandanschlägen von radikalen Tierschützern musste der blökende Medienstar im schottischen Dorf Roslin ständig die Ställe wechseln und wurde rund um die Uhr von einer Security-Truppe bewacht. Im Laufe ihres Lebens wurde Dolly, die nach der atombusigen Countrysängerin Dolly Parton benannt wurde, mehrfach auf natürlichem Weg Mutter, erlag aber im Alter von 6,5 Jahren einer Lungenkrankheit. Am 28. Mai 2003 kam in Italien Prometea, das erste Klon-Pferd, zur Welt und am 24. April 2005 in Südkorea der erste Klon-Hund Snuppy. Heute werden vor allem Zuchtpferde mit hohen sportlichen Erfolgen bereits in größerem Umfang geklont.

EU-Jubiläen Gleich mehrfach hat die europäische Staatengemeinschaft in diesem Jahr Grund zu feiern. Unter anderem begeht man das 15-Jahr-Jubiläum des Maastricht-Vertrags (der aus der EG die EU werden ließ und den Weg zum Euro ebnete). Im Zentrum der Feierlichkeiten werden allerdings die Verträge von Rom stehen, die vor 50 Jahren, nämlich am 25. März 1957, von Deutschland, Frankreich, Italien und den Benelux-Staaten unterzeichnet wurden und den Grundstein der Europäischen Gemeinschaft legten. Am 24. und 25. März werden die Staats- und Regierungschefs beim großen EU-Gipfel in Berlin den runden Geburtstag feiern.

Google Books Einer der ambitioniertesten Dienste, an denen die Internet-Plattform Google arbeitet, ist das Bibliothekenprojekt Google Books. Ziel des 2004 gestarteten Programms ist es, die größte digitale Bibliothek der Welt aufzubauen und für die darin registrierten Werke eine Online-Stichwortsuche anzubieten, mit der Bücher ebenso durchsucht werden können wie Internet-Seiten. Allein 15 Millionen Werke aus amerikanischen und britischen Bibliotheken sollen auf diese Weise online verfügbar gemacht werden. Seit Google im Juni 2006 einen wichtigen Urheberrechteprozess gewinnen konnte, sollte einem offiziellen Start im Jahr 2007 nichts mehr im Wege stehen.

Globalisierte Fiktion In Argentinien wird „Desperate Housewives“ von den dort heimischen TV-Stars unter dem Titel „Amas de casa desperadas“ nachgestellt; das Sat.1-Erfolgsformat „Verliebt in Berlin“ wurde aus einer kolumbianischen Telenovela gezimmert und bereits weiter in die USA exportiert („Ugly Betty“). Diese Vertriebsform, die bisher vor allem Showformate betraf, wird erstmals verstärkt auf den Fiction-Bereich übertragen. Hunderte Länder, eine Geschichte!

HSUPA steht für „High Speed Uplink Packet Access“ und ist der letzte Schrei in der mobilen Datenübertragung. Nachdem im vergangenen Jahr mit HSDPA („High Speed Downlink Packet Access“) der mobile Datenempfang auf Touren gekommen ist, können bald auch Daten blitzschnell verschickt werden. Ein geeignetes Handy oder eine entsprechende Datenkarte vorausgesetzt, stehen damit 1,4 Mbit/s (und später bis zu 5,8 Mbit/s) zur Verfügung. Damit können Daten (Fotos, Videos, Dokumente) bis zu 22-mal schneller als bisher verschickt werden.

100-Dollar-Laptop Nicholas Negroponte, Internet-Visionär und Gründer des berühmten Media Labs am Bostoner MIT, hat den Traum, den Ärmsten der Armen in den Entwicklungsländern mit billigen, robusten Laptops Zugang zu Internet und Bildung zu geben. 100 Dollar soll der Laptop kosten, mit dem Menschen in der Dritten Welt der Sprung ins Informationszeitalter ermöglicht werden soll. 2007 nimmt Negropontes „One Laptop per Child“-Initiative (OLPC) konkrete Formen an: Die Serienproduktion des am MIT entwickelten 100-Dollar-Laptops beginnt, und im Frühjahr werden die ersten Geräte nach Argentinien, Brasilien, Libyen und Nigeria ausgeliefert. Bis zu 200 Millionen Laptops sollen in den nächsten Jahren in die Entwicklungsländer verschifft werden und dort die Basis für ein neues E-Learning- und -Kommunikationssystem bilden.

Hybridisierung Dank anhaltend hoher Ölpreise wird der HEV-Trend weiter an Fahrt gewinnen. „Hybrid Electrical Vehicles“ sind Autos, die Benzin- und Elektromotoren verbinden. Inzwischen wagt kaum ein Hersteller mehr, den Trend zu ignorieren: VW arbeitet an einem Hybrid-Touran, und BMW setzt mit der wasserstoffbetriebenen 7er-Serie ein Zeichen in puncto Öko-Luxus. Aber nicht nur Autos, auch Häuser werden immer „hybrider“: Das Passiv- und Niedrigenergiehaus erlebt einen weltweiten Aufschwung und wird, dank des US-„Star Energy“-Programms, nunmehr auch in den Vereinigten Staaten öffentlich gefördert. Prinz Charles geht übrigens mit gutem Beispiel voran: Im Moment lässt der britische Thronfolger für seinen Sohn Prinz William eine solarbeheizte und schafwollgedämmte 7,5-Millionen-Euro-Villa errichten.

IMS steht für IP Multimedia Subsystem und verspricht gegen Jahresende eine regelrechte Revolution im mobilen Datenverkehr. Mit dieser Technologie fallen die Schranken zwischen Handys und Computern, zwischen WLAN, GSM und UMTS. Es wird möglich, via Internet-Protokoll (IP) Daten zwischen allen Geräten hin und her zu schicken oder von einem Handy aus per Videocall einen Computer anzurufen.

Frida Kahlo Am 6. Juli 2007 wird der 100. Geburtstag der wohl berühmtesten Künstlerpersönlichkeit Lateinamerikas begangen. Zum Idol des Feminismus avancierte die mexikanische Malerin weniger wegen ihrer Kunst, die vor allem Selbstporträts umfasste, als durch die Symbiose von tragischem Leben und Rebellion gegen Tradition und Patriarchat. Als Kind litt sie an Kinderlähmung, als 18-Jährige wurde sie bei einem Busunfall so schwer verletzt, dass sie ihren Alltag großteils liegend in einem Stahlkorsett zubringen musste. Eine eheliche „amour fou“ mit dem mexikanischen Maler Diego Riviera, eine Affäre mit Leo Trotzki und ihr Mut zur Hässlicheit, dem sie mit Schnurrbart und dichten Augenbrauen in ihren Selbstporträts (siehe unten) Rechnung trug, machten sie zu einer Ikone der Frauenbewegung.

„Large Hadron Collider“ Möglicherweise wird die Faust’sche Frage, was die Welt im Innersten zusammenhalte, schon bald beantwortet. Um fast zwei Milliarden Euro wird derzeit am Genfer Forschungszentrum CERN der leistungsstärkste Teilchenbeschleuniger der Welt (im Fachjargon: Large Hadron Collider) errichtet, im zweiten Halbjahr sollen erste Testversuche durchgeführt werden. In einem 27 Kilometer langen, kreisförmigen Tunnel werden Protonen mit einer Wucht aufeinandergeschossen, die der Energie kurz nach dem Urknall entspricht. Wissenschafter erhoffen sich davon neue Erkenntnisse über die elementaren Bestandteile der Materie. Letztlich sollen die Ergebnisse aus dem CERN dazu beitragen, das alte, unvollständige Standardmodell der modernen Physik zu verbessern und zu einer großen einheitlichen Theorie vorzustoßen.

Astrid Lindgren Am 14. November 2007 wird der 100. Geburtstag der berühmtesten Kinderbuchautorin der Welt begangen. Mit den Worten „krude Hausfrauenfantasien“ lehnte ein Stockholmer Lektor 1944 Astrid Lindgrens Pippi-Langstrumpf-Manuskript ab. Fünf Jahre später machte das anarchistische Halbwaisenmädchen mit den Ringelstrümpfen das schwedische „Bürofräulein“ zum Literaturstar. Lindgren, Schöpferin von Pippi, Michel, Ronja, Madita und einem Paradies namens Bullerbü, kreierte eine Welt „der Freiheit und Geborgenheit“, wie sie es nannte. Kollege Erich Kästner nannte sie „die Vertreiberin der Tantenhaftigkeit aus der Kinderliteratur“.

Madonna und H&M Nach Engagements von Viktor & Rolf, Stella McCartney und Karl Lagerfeld gelang der schwedischen Textilkette ein weiterer Coup: Im März werden weltweit die Entwürfe von Popstar Madonna an H&M-Kleiderstangen baumeln. Die „M by Madonna“-Linie, schwärmt ein Unternehmenssprecher, verströme „Madonnas Charaktereigenschaften: Glamour, Zeitlosigkeit und Einzigartigkeit“.

Mondfahrt Fast 35 Jahre nachdem der bis dato letzte Raumfahrer den Mond verlassen hat (Eugene Cernan, Teilnehmer der Apollo-17-Mission, am 14. Dezember 1972), steht eine Renaissance der bemannten Mondfahrt bevor. Soeben bestätigte die US-Raumfahrtbehörde NASA ihr Vorhaben, wieder Menschen auf den Mond zu schicken und sie dort auch eine temporäre Raumstation errichten zu lassen – höchstwahrscheinlich am südlichen Pol des Erdtrabanten. Die erste Mission ist allerdings erst für das Jahr 2020 geplant. Schon früher wird eines anderen Meilensteins der Raumfahrt gedacht: Am 4. Oktober ist es 50 Jahre her, dass Sputnik 1 vom sowjetischen Weltraumhafen Baikonur startete und damit das Raumfahrtzeitalter offiziell einläutete.

Mobile Navigationssysteme Nachrüstung Nummer 1: Westentaschen-Wegweiser für die Windschutzscheibe. Die kleinen mobilen Navigationssysteme haben zu den werksinstallierten Geräten aufgeschlossen und machen sich auch preislich interessant. Empfehlenswerte Geräte findet man bereits ab 370 Euro (siehe Vergleichstest in „Autorevue“ 12/06).

Nitsch-Museum Im Frühjahr eröffnet im Weinviertler Mistelbach das Hermann-Nitsch-Museum – als Teil des museum.zentrum.mistelbach, das sich auf einem gut 4500 Quadratmeter großen ehemaligen Fabriksareal erstreckt. Neben klassischen Malerei-Exponaten plant der Vollblutkünstler auch, dort Aktionen durchzuführen. Pro Jahr rechnet man mit 30.000 Besuchern. Derzeitiger Terminstand für die Eröffnung: Mai 2007.

Pfadfinder Die größte unabhängige Jugendorganisation der Welt feiert die Doppelnull: Am 1. August 1907 eröffnete der pensionierte britische Generalmajor Robert Baden-Powell das erste Pfadfinderlager. Zum 100. Jahrestag wird nahe der Gründungsstätte in Essex der 21. World Scout Jamboree abgehalten – rund 40.000 Pfadfinder werden zwölf Tage lang einen feierlichen Zeltlager-Jugendtag zelebrieren. Zuvor allerdings gilt es noch ein weiteres Jubiläum zu begehen: Am 22. Februar wird der 150. Geburtstag Baden-Powells gefeiert, dessen Outdoor-Pädagogik-Vereinigung heute knapp 38 Millionen Mitglieder in 216 Staaten zählt. In Österreich sind rund 85.000 Burschen und Mädchen als Pfadfinder aktiv.

Harry Potter 7 Das letzte Wort im siebten und letzten Band der sensationell erfolgreichen Reihe – weltweit hat sich die Romanserie um den Zauberschüler Harry Potter geschätzte 300 Millionen Mal verkauft – soll „Narbe“ lauten, es werden am Ende auch mindestens zwei Personen aus dem HP-Kosmos hinweggerafft werden. Dies gab Potter-Autorin Joanne K. Rowling (Foto) kürzlich in einem Interview bekannt. Es kam zudem einer Verkündigung gleich, als Rowling jüngst auch den Titel des Abschlussbands preisgab: „Harry Potter And the Deathly Hallows“ (etwa: „Harry Potter und die Heiligen des Todes“). Das exakte Erscheinungsdatum im Jahr 2007 ist noch ungewiss. Potteratis spekulieren im Netz mit dem 7.7.2007.

Dan Perjovschi Hierzulande ist der rumänische Künstler längst kein Unbekannter mehr: Bereits 2005 zeichnete der 45-jährige Dan Perjovschi seine sarkastischen, comicartigen Kommentare zu Globalisierung, Kulturbetrieb und Politik auf die Foyerwand des Lentos Kunstmuseum Linz. Perjovschis Zeichnungen sind plakativ und leicht verständlich. Heuer wird Perjovschi nicht nur an einer Gruppenschau im Centre Pompidou teilnehmen, sondern auch eine Wand im New Yorker MoMA im Zuge seiner dortigen Einzelausstellung bekritzeln. Mit einer zusätzlichen Galerieausstellung in Madrid dürfte sich Perjovschi als Shooting Star 2007 etablieren.

Playstation 3 Im März geht das Wohnzimmer-Duell zwischen Sony und Microsoft in die nächste Runde: Die lange erwartete Playstation 3 (PS3), die eigentlich schon seit November erhältlich sein sollte, kommt in den Handel und tritt dort gegen die Xbox 360 an.

Raf Simons Der Belgier, der fünf Jahre lang die Modeklasse an der Wiener Universität für Angewandte Kunst geleitet hatte, gilt als Rettungsengel von Jil Sander. Simons, dessen Stil eine Symbiose aus Purismus, Reduktion und Streetwear darstellt, wurde vom „Spiegel“ nach der Präsentation seiner Kollektionen 2006 als „neuer Helmut Lang“ gefeiert. Seit 2006 gestaltet Simons für Jil Sander – das Unternehmen ist Teil der Prada-Gruppe – erstmals neben der Herrenlinie auch Damenbekleidung. Und das Feuilleton ist unisono verzückt.

Speed-Badminton Dieser neue Trendsport hat nichts mit dem gleichnamigen Aufputschmittel zu tun und ist deshalb auch Dopinggegnern durchaus zuzumuten. Mit dem gemeinen Federball hat er allerdings auch nur mehr wenig gemeinsam: Gespielt wird ohne Netz, ungleich schneller und, vor allem, windunabhängig: Der verwendete Ball sieht einem Federball zwar ähnlich, ist allerdings schwerer und verhält sich eher wie ein Squashball. Im neuen Jahr sollen dem – von einem ehemaligen Seemann aus Berlin erfundenen – Sport erste internationale Turniere gewidmet werden.

Spiralfrog S eit Jahren versucht die Musikindustrie vergeblich, der Online-Piraterie Herr zu werden. Vielleicht gelingt es hiermit: Im ersten Quartal des Jahres soll in den USA Spiralfrog starten, ein Online-Portal, auf dem Musik heruntergeladen werden kann. Ganz legal – und gratis. Das Unternehmen, das unter anderem mit Universal und EMI kooperiert, wird ausschließlich durch Werbung finanziert: Wer ein Musikstück herunterladen will, muss zunächst einen Werbespot über sich ergehen lassen. Vorläufig wird das Service nur in Nordamerika, nach einem halben Jahr auch in Großbritannien angeboten. Bei entsprechender Akzeptanz dürfte Spiralfrog aber auch für mitteleuropäische Musikfreunde schon bad zu einer durchaus akzeptablen Alternative werden.

SUV steht für „Sport Utility Vehicle“ und verkäuft sich zum Leidwesen von profil-Kolumnist David Staretz „semmelwarm“. Der Ford S-Max wurde zum Auto des Jahres gekürt, stellvertretend für alles, was laut Staretz „fade, formlos, aber familiengerecht in den Fertigteilgaragen steht“.

Jamie T Extrem erfrischend und herrlich unverschämt: Der erst 20-jährige Brite Jamie T (bürgerlich: Jamie Treays) hat das Zeug zum Popwunder. Mit einer Hand voll Singles und einigen – glaubhaften Augenzeugenberichten zufolge – sensationellen Live-Auftritten hat er die britische Hipstergemeinde bereits restlos für sich eingenommen. Kein Wunder bei dem Talent: Jamie T versteht es, Soul, HipHop, Rock und diverse elektronische Genres zu einem völlig originären, bei allem Eklektizismus aber immer auch homogenen Stil zu verschmelzen (Hörproben finden sich auf der Myspace-Seite www.myspace.com/jamietwimbledon). „Next big thing“, prophezeit die Branchenbibel „NME“ – und man ist geneigt, ihr vollinhaltlich zuzustimmen.

Tuangou Noch immer erstaunt die Nonchalance, mit der in China kapitalistische und kommunistische Ideale gleichermaßen hochgehalten werden. Ein schönes Beispiel, wie die scheinbar konträren Systeme zusammenfinden können, heißt Tuangou (was sinngemäß etwa Gemeinschafts-Einkaufen bedeutet) und beruht auf einer simplen Grundidee: Per Internet verabreden sich potenzielle Konsumenten mit Gleichgesinnten, um in der Großgruppe massive Rabatte auszuhandeln. Ursprünglich über kleinere Chatrooms organisiert, ist Tuangou in China inzwischen so populär, dass spezialisierte Seiten wie www.teambuy. com.cn die Angelegenheit bereits auf professionelle Beine gestellt haben.

Tizian Manche späten Bilder des Tiziano Vecellio vulgo Tizian (1488–1576) scheinen in ihrer lockeren Pinselführung bisweilen den Impressionismus vorwegzunehmen. Im Herbst zeigt das Kunsthistorische Museum in Kooperation mit den venezianischen Gallerie dell’Accademia das sensationell frische Alterswerk des Renaissancemalers. Drei Aspekte will KHM-Kuratorin Sylvia Ferino betonen: die Entwicklung von Tizians Maltechnik, die Produktionsweisen in seinem Atelier sowie das Gemälde „Nymphe und Schäfer“, ein restauriertes Hauptwerk aus dem Bestand des Museums. „Der späte Tizian und die Sinnlichkeit der Malerei“, 17.10.2007 bis 6.1.2008, Kunsthistorisches Museum.

„Vanity Fair“ Die Speerspitze des offensiv personalisierten Journalismus (vulgo: Prominentenberichterstattung) expandiert in den deutschen Sprachraum. Am 8. Februar erscheint die erste Ausgabe der deutschen „Vanity Fair“, die im Gegensatz zum amerikanischen Mutterblatt nicht monatlich, sondern wöchentlich herauskommen soll. Als Chefredakteur agiert Ulf Poschardt, zuvor verantwortlich für „Welt am Sonntag“ und das Magazin der „Süddeutschen Zeitung“.

Wikiasari Google macht Amazon Konkurrenz, Amazon macht Google Konkurrenz – 2007 kommt es zum großen Kampf der Internet-Riesen. Jeff Bezos, Gründer des Online-Versandhandels, hat sich an der von Jimmy Wales, dem Gründer des freien Online-Lexikons Wikipedia, initiierten Entwicklung einer neuartigen Internet-Suchmaschine mit dem Namen Wikiasari beteiligt, bei der die Benutzer die Rangfolge der Suchergebnisse per Klick beeinflussen und kommentieren können. Eine erste Demo-Version soll noch im ersten Vierteljahr online gehen.

Weltwunder Am 7. Juli 2007 wird die Welt wieder um ein paar Wunder reicher werden. Die sieben antiken Weltwunder, vor mehr als 2000 Jahren von dem griechischen Gelehrten Philon von Byzanz erwählt, sollen etwas zeitgemäßere Alternativen bekommen. Zu diesem Zweck werden auf Initiative der Schweizer „New Open World Corporation“ per Publikumswahl die „Neuen sieben Weltwunder“ erkoren. Abgestimmt wird unter www.new7wonders.com, zur Wahl stehen unter anderem die Akropolis, die Oper von Sydney, Neuschwanstein und das Taj Mahal.

Windows Vista Ende Jänner bringt Microsoft sein lange erwartetes und oft verschobenes Betriebssystem Windows Vista auch für Privatanwender in den Handel. Im direkten Vergleich zum fünf Jahre alten Windows XP bietet Vista sowohl optisch als auch technisch viel Neues. Ein wesentlicher Punkt darunter ist die im Vergleich zum Vorgänger stark verbesserte Sicherheit. Microsoft-Gründer Bill Gates hat sich selbst der Sache angenommen und zugunsten der Sicherheit sogar eine Verschiebung des Verkaufsstarts von Vista in Kauf genommen.

Fritz Wotruba Die blockartigen, geometrischen Figuren von Fritz Wotruba, der am 23. April 1907 geboren wurde, sind längst in das kulturelle Gedächtnis Österreichs eingegangen. Seit Wotrubas Tod wird um die Errichtung eines Wotruba-Museums gerungen – bisher erfolglos. Ob Österreich in irgendeiner Weise dem Jubiläum des Meisters gerecht wird, steht noch in den Sternen, fix sind jedoch Retrospektiven in der Münchner Pinakothek der Moderne (27.9. bis 15.12.2007) und im Kunsthaus Zug (6.5. bis 19.8.2007).

X-Bow So nennt sich das österreichische KTM Car, ein Prototyp der höchsten Verdichtung aus Motorrad und Auto. Bereits im März soll er auf dem Genfer Automobilsalon zu sehen sein, mit Carbon-Monocoque, 220 bis 300 PS stark und nicht schwerer als 700 Kilo. KTM will mit dem offenen Zweisitzer seinen Kompetenzanspruch unterstreichen, wo es um schnelles Vorankommen mittels hochfeiner Technik geht. KTM kann sich Wagnisse leisten, der Mattighofener Motorradhersteller baut jährlich 90.000 Motorräder, mehr als alle anderen europäischen Hersteller zusammen, BMW inklusive. Eine Kleinserie könnte sich auf 5000 Stück im Zeitraum von vier Jahren auswachsen, so die firmeneigenen Prognosen für den X-Bow, der übrigens Crossbow gelesen werden will.

Mitarbeit: Wolfgang Paterno, Dodo Roscic (ORF-Entwicklungsleiterin), Nina Schedlmayer, Peter Sempelmann („trend“), David Staretz