Luftfahrt: Cater-Stimmung

Mit der Übernahme des Catering-Geschäfts von Mitbewerber Airest hat sich Do&Co-Chef Attila Dogudan einen Lebenstraum erfüllt. Dass er nun aber der einzige Anbieter auf dem österreichischen Markt ist, könnte die Kartellbehörden auf den Plan rufen.

Mit den Bräuten sei das so eine Sache. Je schöner sie sind, desto länger müsse man warten. Sagte Attila Dogudan vor ziemlich genau vier Jahren gegenüber profil. Die Braut, auf die sich der Gründer und Mehrheitseigentümer der börsenotierten Do&Co Restaurants & Catering AG damit bezog, war Airest. Das 1973 gegründete Unternehmen beliefert die Flotte von Austrian Airlines seit Jahr und Tag mit Speisen und Getränken für die Passagiere. So war es nur verständlich, dass Dogudan längst ein Auge darauf geworfen hatte.

Im Dezember 2002 stand der Deal knapp vor dem Abschluss. Doch die drei damaligen Eigentümer – AUA, Lufthansa und Swissair – konnten sich nicht über die Verkaufsmodalitäten einigen. Dogudan ging leer aus.

Im Vorjahr folgte der nächste Anlauf. Austrian Airlines hatten den Laden mittlerweile zur Gänze übernommen und suchten einen Käufer. Attila Dogudan bot mit, unterlag aber der italienischen Save-Gruppe.

Nun endlich sollte das Brautwerben des Wiener Geschäftsmannes mit türkischen Wurzeln doch erhört werden. Rückwirkend mit 1. Jänner 2007 wird Do&Co den Mitbewerber Airest zu einem Kaufpreis von kolportierten 25 Millionen Euro übernehmen. Das sind zwar fünf Millionen Euro weniger, als Save einst bezahlt hat. Dafür bekommen die Italiener aber in einem zweiten Schritt einen Teil des Unternehmens – darunter die zu ihrem Kerngeschäft gehörenden Restaurants auf den Flughäfen Wien, Linz, Salzburg, Klagenfurt, Graz, Laibach und Bratislava – zurück. Attila Dogudan bekommt das, wonach er sich immer gesehnt hat: das Bordcatering. „Das ist für ihn die Erfüllung eines Jugendtraums. Jetzt hat er endlich den National Carrier exklusiv unter Vertrag“, sagt Dogudan-Intimus und -Geschäftspartner Niki Lauda.

Zur persönlichen Genugtuung kommen freilich auch nicht unbedeutende wirtschaftliche Komponenten. Im Jahr 2005 erwirtschaftete das Airest-Bordcatering 42,5 Millionen Euro Umsatz, das Vorjahr soll nach Aussage von Geschäftsführer Bernhard Kotlan „eine deutliche Steigerung“ erbracht haben. Damit dürfte die Do&Co-Gruppe im laufenden Geschäftsjahr erstmals über 200 Millionen Euro umsetzen. Auch die Gewinne können sich sehen lassen. Allein im Airline-Catering erwirtschaftete Airest 2005 einen Gewinn von 1,2 Millionen Euro. Macht eine Umsatzrendite von 3,3 Prozent, das ist sogar eine Spur besser als die drei Prozent von Do&Co. Und man darf durchaus erwarten, dass sich die Zahlen nach der Übernahme durch Synergieeffekte noch verbessern lassen. Zumal Attila Dogudan im Laufe seiner Karriere immer aufs Neue bewiesen hat, dass er sich auch unter schwierigen Marktbedingungen behaupten kann.

Bescheidene Anfänge. Schwierigkeiten gab es bereits zu Beginn seiner Karriere. 1981 eröffnete der damals 22-Jährige in der Wiener Mahlerstraße den Feinkostladen Do&Co. Das „Do“ stand für Dogudan, das „Co“ für seine damals zwei Mitarbeiter. „Ich wollte einen Namen, der sich überall aussprechen lässt. Und ein gescheites Logo“, sagt er heute. Das lieferte ihm kein Geringerer als Karikaturist Erich Sokol. Doch schon im ersten Jahr steht das Geschäft, aufgezogen nach den Vorbildern Fouchon in Paris und Käfer in München, vor der Pleite. Es war seiner eigenen Verbissenheit und dem Wohlwollen des Startkapital liefernden Vaters zu verdanken, dass er die schwierige Anfangsphase überstand.

Eine eher zufällige Begegnung im Jahr 1987 sollte den Grundstein für den heutigen Erfolg legen. In der Wiener Diskothek Take Five lernte Dogudan Niki Lauda kennen. Der Lauda-Air-Gründer war damals mit der Bordverpflegung überaus unzufrieden und suchte nach Alternativen. Ein kurzer Wortwechsel der beiden bis heute freundschaftlich verbundenen Herren ist längst Legende. Lauda zu Dogudan: „Kannst du in zwei Wochen liefern?“ Dogudan darauf: „Gib mir vier.“

Dogudan lieferte pünktlich und in einer Qualität, die es damals bei keiner Fluglinie gab. Menüs mit Lachs und Kaviar haben bis heute maßgeblichen Anteil daran, dass die Lauda Air, wenn auch längst eine Tochtergesellschaft der AUA, immer wieder internationale Auszeichnungen erhält.

Wer mit Niki Lauda in erfolgreicher Geschäftsbeziehung steht, für den ist der Sprung in die Formel 1 natürlich aufgelegt. Lauda half wohl ein bisserl nach, Attila Dogudan bekam seine ersten Aufträge als Caterer in den begehrten VIP-Lounges.

Mit seiner Präsenz dort war auch die Prominenz aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Sport auf den Kaufmann aufmerksam geworden. 1990 wagte sich Dogudan an die Eröffnung seines mittlerweile legendären und im Vorjahr zu einem Nobelhotel ausgeweiteten Restaurants im Wiener Haas-Haus. Die Wertschätzung seiner prominenten Freunde – von Niki Lauda über Udo Jürgens bis hin zu Hannes Jagerhofer – ist ihm bis heute ebenso sicher wie deren liebevoll gemeinte Kritik an seinem grenzenlosen Arbeitseifer.

Stetes Wachstum. Über die Jahre stieg nicht nur die Zahl seiner Freunde, sondern auch jene der Kunden. Über ein Dutzend Fluglinien werden mittlerweile beliefert, zum Wiener Stammhaus gesellten sich Standorte in New York, Miami, München, Berlin, Düsseldorf, London, Mailand und Istanbul.

Anfang 2002 konnte er auch in der Bodenabfertigung einen kleinen Coup landen: die Übernahme der traditions- wie verlustreichen k. u. k. Hofzuckerbäckerei Ch. Demel’s Söhne von der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien. Im Gegenzug übernahm die Bank 25,1 Prozent an Do&Co. „Damit haben wir eine der wesentlichen Grundlagen für die weitere Expansion geschaffen“, erklärte Dogudan damals.

Jetzt endlich ist ihm der aus seiner eigenen Sicht längst überfällige Expansionsschritt mit der Airest-Übernahme geglückt. „Bisher waren wir viel zu groß für Österreich und zu klein für das internationale Geschäft. Heute sind wir, wenn Sie so wollen, ein Wirtshaus mit fast vier Milliarden Schilling Umsatz“, sagt Dogudan heute schmunzelnd. Wenngleich hinter dem nun groß verkündeten Deal noch ein Fragezeichen steht: das Kartellrecht. Im europäischen Vergleich ist Do&Co zwar immer noch ein Player mittlerer Größe. Den österreichischen Markt kontrolliert das Unternehmen aber nun zu 100 Prozent. „Die AUA ist offenbar einverstanden. Manche Fluglinien wie EVA oder Emirates, die darauf angewiesen sind, Bordcatering in Wien aufzunehmen, müssen künftig bei Do&Co einkaufen“, sagt Airest-Geschäftsführer Kotlan. Eine Anmeldung bei der Bundeswettbewerbsbehörde ist bisher jedenfalls noch nicht erfolgt, wie Prüfer Christian Marek gegenüber profil bestätigt: „Wir haben noch nichts bekommen.“ Sollte im Laufe dieser Woche keine Meldung erfolgen, wird die Behörde von sich aus aktiv. Mit einer Untersagung der Übernahme ist nach derzeitiger Einschätzung eher nicht zu rechnen, Auflagen könnte es geben.

Die AUA-Führung zeigt sich über den Deal jedenfalls hochzufrieden. „Wir freuen uns über diese Entwicklung. Mit Do&Co als international renommierter Topmarke und Airest als erfahrenem Caterer profitieren wir als Kunden von den Stärken beider Unternehmen.“ Dem Vernehmen nach hat sich Vorstandschef Alfred Ötsch sogar persönlich für das Zustandekommen der Übernahme starkgemacht. Als Teil seiner – längst überfälligen und für 2007 angekündigten – Qualitätsoffensive soll er Bordmenüs auf dem Niveau von Do&Co als unerlässlich bezeichnet haben. Die Konkurrenz beäugt den Deal hingegen argwöhnisch. Brigitt Trindler, Sprecherin des Schweizer Cateringlieferanten Gate Gourmet: „Do&Co hat sich damit natürlich im hochpreisigen Segment seine Nische gesichert. Wenn dieses Angebot nun vermehrt von anderen Fluglinien eingefordert wird, müssen wohl auch wir nachziehen.“

Eines seiner erklärten Ziele wird Attila Dogudan damit jedenfalls vorerst auf die sprichwörtliche lange Bank schieben müssen. Unmittelbar nach der Demel-Übernahme hatte er nämlich unter anderem Folgendes zu Protokoll gegeben: „Ich wollte nie einer der Patriarchen sein, die nicht merken, dass die Wirklichkeit sie überholt. In fünf Jahren bin ich 47, dann werden Jüngere das Zepter in die Hand nehmen.“

Heute relativiert er das freilich: „Das ist ohnehin die Arbeit des gesamten Teams. Ich bin halt der Vorzeigeheini.“

Von Martin Himmelbauer und Josef Redl