Martin Graf veröffentlicht einschlägiges Buch über Burschenschaften

Der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf hat ein Buch über Burschenschaften herausgegeben. Seine Mitautoren sind bekannte Rechtsradikale.

Sie heißen Aldania, Gothia, Teutonia oder Olympia und sind Männerbünde der besonderen Art. Seit die FPÖ in Österreich zu einiger Bedeutung herangewachsen ist, sind die Burschenschaften aber nicht mehr bloß bierdunstige Buden, in denen sich studentische Schrumpfgermanen mit Säbeln die Gesichter aufschlitzen, sondern wichtigste Personalreserve der drittgrößten Partei des Landes. Und sie besetzen den nach Staatsprotokoll vierthöchsten Posten des Landes: jenen des Dritten Nationalratspräsidenten durch den Olympen Martin Graf.

Jetzt bedankt sich Graf durch Herausgeber- und Schirmherrschaft über ein Buch: „150 Jahre Burschenschaften in Österreich“. Der Verleger, der Grazer „Ares Verlag“, hat unter anderem Arbeiten wie „Rasse, Evolution und Verhalten“, „Der Genius des Krieges“ und „Kulturbolschewismus“ im Programm.

Die Geschichte der Burschenschaften würde tatsächlich eine kritische Betrachtung lohnen. Unter „deutscher Art und deutschem Sinn“ verstand die erste, 1815 in Jena gegründete Burschenschaft auch den Kampf gegen die Despotie des Kleinstaaten-Adels. Die deutsche Einigung war ihre fortschrittliche Hauptforderung. Auf den Barrikaden der Revolution von 1848 zählten die studentischen Heißsporne zu den Tapfersten.

Dass die Burschenschaften im weiteren Verlauf ihrer Geschichte zu einer Speerspitze der Deutschtümelei und des Rückwärtsgewandten verkamen, belegt das Buch des Dritten Nationalratspräsidenten auf das Trefflichste.

Martin Graf selbst gibt in seinem Vorwort das Leitmotiv vor:
Hinter „Phrasen wie antifaschistischer Grundkonsens“ verberge sich in Wahrheit der Versuch, „Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit und Pressefreiheit weiter einzuschränken“.

Auch das zweite Vorwort des Buches stammt von einem Mitglied der Burschenschaft Olympia, die 2005 den Holocaust-Leugner David Irving eingeladen hatte. Friedrich Stefan würdigt darin die Bedeutung der Burschenschaften „für die Erhaltung unseres deutschen Volkes“. Schon zur 130-Jahr-Feier hatte Stefan zur Feder gegriffen und in einer Festschrift gemeint: „In Österreich stellt der Kampf gegen die so genannte, österreichische Nation‘ eine neue Form des Volkstumskampfes dar.“ Ein Verbindungsbruder des Nationalratspräsidenten im Kampf gegen die Nation – das ist recht pikant.

Auch ein dritter Olympe trägt das Seine zu Grafs Buch bei. Walter Sucher, Chef des „Rings Volkstreuer Verbände“, erlangte vor einigen Jahren gewisse Berühmtheit, als er bei einem FPÖ-Parteitag mit „Heil!“ grüßte und listig hinzufügte, dieser Gruß sei doch bereits 200 Jahre alt.

Denkwürdig in einem vom Dritten Nationalratspräsidenten herausgegebenen Buch ist auch der Text des Alt-Burschen Werner Kuich, früherer Mathematik-Ordinarius an der TU Wien. Kuich sorgt sich, wie die meisten Autoren, um die Zukunft des Deutschtums. Er sieht dunkle Wolken dräuen: „Das deutsche Volk ist auf der Straße zum Volkstod schon ein beträchtliches Stück fortgeschritten.“ Böses sei im Gange: „Verringerung der Volkskraft durch Überfremdung“, „geistiger Völkermord“, „bewusste Zersetzung des Volksbewusstseins“.

Wo sich alles zersetzt, können auch Grenzen nicht halten, etwa jene an Oder und Neiße. Denn unter „Ostdeutschland“ versteht Kuich Schlesien, Pommern, West- und Ostpreußen, Gebiete also, die seit 1945 zu Polen gehören.

Wie hieß es doch im Vorwort Martin Grafs: „Es mangelt uns nicht an Visionen, wie dieses Buch zeigt.“