Mehr Engergiesparlampen aus China:
Arbeiter erkranken an Quecksilbervergiftung

Europa importiert immer mehr Energiesparlampen aus China. Dort erkrankten schon hunderte Arbeiter an Quecksilbervergiftung.

Von Otmar Lahodynsky

Eine EU-Verordnung sorgt in chinesischen Fabriken für Sonderschichten. Das von der EU beschlossene Verbot herkömmlicher Glühlampen, das ab September 2009 zuerst die 100-Watt-Birnen aus dem Verkehr ziehen wird (profil-Cover 12/09), treibt die Produktion von Energiesparlampen in die Höhe.

Doch was in europäischen Haushalten Strom sparen helfen soll, gefährdet in steigendem Ausmaß die Gesundheit chinesischer Arbeiter und verschmutzt die Umwelt. Die Londoner „Sunday Times“ deckte grobe Missstände bei der Produktion dieser Lampen in China auf. „Öko-Lampen vergiften Arbeiter“, titelte das Blatt vergangene Woche. „Hunderte Arbeiter werden durch Quecksilber in für den Westen bestimmte Lampen krank.“ Auch Flüsse seien durch giftige Abwässer verseucht worden.

In Städten wie Foshan und Guangzhou wurden bei medizinischen Tests an mehreren hundert in Lampenfabriken beschäftigten Arbeitern „hohe Werte von Quecksilber im Blut und im Urin gemessen“, fanden die britischen Reporter in Gesprächen mit Gesundheitsbehörden und Betroffenen heraus. „Laut Test übersteigt der Quecksilbergehalt in meinem Blut und in meinem Urin die zulässige Norm bei Weitem“, berichtete eine Arbeiterin. „Aber ich wurde nicht ins Spital eingewiesen, weil die Manager sagten, ich sei stark und mein Immunsystem würde das Quecksilber in meinem Körper abbauen.“

Zu den Lampenfabriken in der südchinesischen Region zählt auch ein Zweigwerk der deutschen Firma Osram, die zum Siemens-Konzern gehört. Laut „Sunday Times“ hatten Ärzte in zwei lokalen Gesundheitszentren erklärt, heuer mehrere Osram-Arbeiter mit Vergiftungssymptomen behandelt zu haben. Osram-Sprecherin Juliane Braun bestreitet dies gegenüber profil. Die Produktion bei Osram würde weltweit „einem hohen Standard gemäß den deutschen Vorschriften“ entsprechen. In ­Foshan würden zudem nur die in Deutschland hergestellten „Quecksilber-Eisen-Presskörper“ in die Lampen eingebaut. Regelmäßig würde der Quecksilbergehalt in der Raumluft gemessen. Auch Urinproben der Belegschaft hätten „keine erhöhten Konzentrationen“ ergeben.
Für die gemeldeten Erkrankungen könnten daher nur andere Fabriken verantwortlich sein, wo vor allem Billig-Sparlampen produziert würden, so Braun.

Laut „Sunday Times“ mussten kürzlich in einer einzigen Fabrik von 72 Arbeitern gleich 68 wegen Vergiftungen ins Spital. Ein weiteres Problem stellen die veralteten Quecksilberminen in der Region Guizhou dar. Durch umweltschädigende Abbaumethoden wurden Ackerland und Flüsse derart vergiftet, dass die Behörden vor einigen Jahren die Schließung verfügen mussten. Wegen der steigenden Nachfrage nach den Energiesparlampen und damit nach Quecksilber würden nun einige der alten Minen bald wieder aufgesperrt werden, so die „Sunday Times“.

profil konfrontierte Politiker in Brüssel und Wien mit den Missständen. Ein Sprecher von Energie-Kommissar Andris Piebalgs betonte, dass „unabhängig von der neuen Richtlinie zu den Glühbirnen seit vielen Jahren Neonlampen in Europa und in anderen Teilen der Welt problemfrei produziert“ worden seien. Für die Einhaltung der Produktionsvorschriften seien nationale Behörden verantwortlich. Der österreichische EU-Abgeordnete Jörg Leichtfried (SPÖ) will dennoch eine Anfrage an die EU-Kommission richten. Die Behörde solle bei Importen von Energiesparlampen die Einhaltung von Normen für die Gesundheit der Arbeiter und für den Schutz der Umwelt überprüfen.

Auch Umweltminister Niki Berlakovich , der das Verbot der herkömmlichen Glühbirnen bislang voll unterstützte, fordert nun, dass die EU die Einhaltung von „hohen gesetzlichen Umwelt- und Gesundheitsstandards“ auch weltweit sicherstellen solle. In der UNO sei gerade eine Quecksilberkonvention in Arbeit. Die EU-Kommission solle einen „intensiven Dialog mit China bezüglich einer Verbesserung der Standards“ aufnehmen, so Berlakovich.