Mensch des Jahres: "Ich bin Malala"

Sie wollte bloß eines: Zur Schule gehen dürfen. Alleine für diesen Wunsch jagten ihr die Taliban eine Kugel durch den Kopf. Die Geschichte des Mädchens Malala Yousafzai erzählt von Gewalt und Unterdrückung – aber auch von Widerstandsgeist und Hoffnung.

Der letzte Satz, den sie sagte, bevor ihr aus nächster Nähe ins Gesicht geschossen wurde, war ein schlichtes Bekenntnis zu sich selbst: „Ich bin Malala.“

Wenige Augenblicke zuvor hatten bewaffnete Männer den Schulbus gestoppt, einer war eingestiegen und im Mittelgang gestanden. „Wo ist Malala? Wer ist Malala?“, fragte er, sein Blick streifte über die mit Teenagern besetzten Bankreihen. Als das einzige Mädchen ohne Schleier vor dem Gesicht aufsah und ihm antwortete, zog er eine Pistole und drückte sofort ab.

Das Projektil durchschlug die linke Seite von Malalas Stirn, zertrümmerte Ober- und Unterkiefer, trat seitlich wieder aus und blieb in der Schulter stecken.

„Die Scharia erlaubt es, selbst Kinder zu töten, wenn sie anti-islamische Propaganda machen“ – und Malala sei ein „Symbol der Ungläubigkeit und der Obszönität“: So rechtfertigten die pakistanischen Taliban die Bluttat am Tag danach als legitime Bestrafung.

Malala Yousafzai, 15 Jahre alt, Tochter eines Schuldirektors aus der Stadt Mingora, Distrikt Swat, Pakistan: Die „Obszönität“, die ihr zur Last gelegt wurde, bestand darin, sich dafür einzusetzen, dass in ihrer Heimat auch Mädchen die Schule besuchen dürfen und diese Forderung öffentlich zu vertreten.

Zu einem Symbol ist Malala, die das Attentat schwerst verletzt überlebt hat, tatsächlich geworden. Allerdings in einer Art und Weise, die ihre Angreifer wohl kaum erwartet hätten …

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Lesen Sie die Titelgeschichte von Martin Staudinger und Tessa Szyszkowitz in der aktuellen Printausgabe oder in der profil-iPad-App.