Mobiles Büro: Smarte Begleiter

Handy und Computer im Taschenformat sind für Manager längst unverzichtbar. profil hat die jüngste Gerätegeneration getestet, die beide Produkte gekonnt vereint. Perfekt ist dennoch keines.

Immer am Ball bleiben, die Übersicht behalten und wichtige Entscheidungen sofort treffen.“ Was auch eine taktische Anleitung für ein Fußballspiel sein könnte, ist in Wirklichkeit ein Postulat von Mark Raskino, Chefanalyst des Beratungs- und Marktforschungsunternehmens Gartner Group, das sich an Manager richtet. „Wir leben in einer Jetzt-Wirtschaft“, formuliert Raskino. „Es ist wichtig, blitzschnell zu handeln und zu reagieren.“ Getreu dieser Philosophie ist der Mann stets mit Handy, Pocket-PC und Laptop unterwegs, um moderne und zielstrebig ausgerichtete Arbeitsstrukturen zu propagieren.

Um in Zukunft wirtschaftlichen Erfolg zu haben, meint Raskino, müssten Unternehmen alles in ihrer Macht stehende tun, um Geschäftsprozesse zu beschleunigen. Und ein probates Hilfsmittel dafür seien nicht zuletzt portable und multifunktionale Kommunikationsgeräte – etwa die so genannten Smartphones. Diese kombinieren das Handy mit Terminkalender und Internet, ermöglichen mithilfe des Datenübertragungsstandards GPRS die permanente Anbindung an die Zentrale und bringen Informationen nahezu in Echtzeit an den Empfänger – auch wenn dieser tausende von Kilometern entfernt ist.

Freilich: Angesichts der zunehmenden Produktvielfalt fällt die Auswahl des individuell am ehesten geeigneten Geräts nicht gerade leicht. Zudem ist kürzlich eine Reihe weiterer Innovationen in den Handel gekommen – gewissermaßen eine neue Generation solcher Geräte, die ihre Vorgänger vor allem in Bezug auf Handlichkeit und Funktionalität deutlich übertreffen soll. Die folgenden Produkttests geben einen Überblick über die Praxistauglichkeit dieser Geräte – und dienen zumindest als Orientierungshilfe für die Produktwahl.

RIM BlackBerry 7320
Die Nachrichtenzentrale

Kaum ein Gerät hat zuletzt so viel Aufsehen erregt wie der BlackBerry 7320 des kanadischen Herstellers Research in Motion (RIM). Der Grund dafür ist die so genannte E-Mail-Push-Funktion des Handhelds, die im Büro eingehende Mails automatisch an das mobile Gerät weiterleitet, wo sie dann gelesen und beantwortet werden können.

Um diese Funktion zu aktivieren, die im professionellen Bereich in Österreich derzeit die Mobilfunknetzbetreiber T-Mobile und Mobilkom (A1) anbieten, bedarf es eines so genannten BlackBerry Enterprise Servers, der im Unternehmen aufgestellt wird und die Weiterleitung der E-Mails bewerkstelligt. Eine abgespeckte und daher vorwiegend für Privatnutzer gedachte Variante, die unter der Bezeichnung „Prosumer“ derzeit nur T-Mobile anbietet, bedient sich stattdessen eines so genannten Instant-E-Mail-Servers, der beim Handynetzbetreiber installiert ist. Die Prosumer-Lösung bestand den Test recht passabel, wenngleich einige Probleme auftraten. So konnte der BlackBerry eines Tages keine Nachrichten mehr empfangen, weil das dafür eingerichtete E-Mail-Konto überfüllt war. Erst nachdem alle Mails einzeln gelöscht worden waren, konnte das Gerät wieder bestimmungsgemäß verwendet werden.
Auch das Öffnen von Attachments gestaltete sich nicht ganz so einfach wie erwartet. Der BlackBerry kann zwar Word-, Excel- und PDF-Anhänge anzeigen, diese bleiben jedoch zunächst am Server und werden nur peu à peu übertragen, wodurch es immer wieder zu Wartezeiten kommt.

Geschrieben und beantwortet werden E-Mails mit der Tastatur des Handhelds, deren Bedienung jedoch einigermaßen gewöhnungsbedürftig ist. Satz- und Sonderzeichen sind eigenartig belegt, Umlaute sowie das „ß“ fehlen – trotz deutschsprachiger Tastatur – völlig, und die Anordnung des Zahlenblocks ist irritierend. Die Tasten stehen außerdem etwas eng, sodass Tippfehler fast unvermeidlich sind. Dennoch ist der BlackBerry ein praktikables Gerät, um Nachrichten unterwegs rasch zu bearbeiten.

Als Handy lässt der 7230 hingegen zu wünschen übrig – sowohl was die Ausstattung als auch was die Qualität betrifft: Eine Freisprechfunktion fehlt, und die Sprachübertragung ist am ehesten mit jener günstiger Einsteigerhandys vergleichbar. Auch eine heute bei nahezu allen neuen Handys obligate Kamera gibt es nicht.

Fazit: Die praktische E-Mail-Maschine ersetzt unterwegs den Laptop, leider aber nicht auch das Handy.

Danger Hiptop
Der Web-Master

Seit Mai gibt es für One-Kunden eine Alternative zum BlackBerry: den Hiptop von Danger, der jedoch, abgesehen von seiner E-Mail-Push-Funktion, nicht allzu viel Ähnlichkeit mit dem BlackBerry hat. Mit einem brillanten Display, einer leicht bedienbaren englischsprachigen Tastatur und einfacher Menüführung gefällt der Handheld auf Anhieb, obwohl er mit seinen 116 mal 65 mal 29 Millimetern ziemlich klobig geraten ist.
Die Stärke des Geräts liegt eindeutig beim Surfen im Internet. Während der BlackBerry mit der Darstellung vieler Web-Seiten überfordert war, gab es beim Hiptop-Test keine Website, die nicht einwandfrei dargestellt werden konnte. Sogar Online-Shopping war möglich. Beim Empfangen, Lesen und Schreiben von
E-Mails war der Hiptop dem BlackBerry ebenbürtig, beim Öffnen von Excel-Attachments musste das Gerät jedoch klein beigeben – das Dateiformat wurde schlicht nicht erkannt.

Die absolute Schwäche des Hiptop ist seine geringe Akkulaufzeit. Laut Herstellerangaben soll das Gerät zwar eine Standby-Zeit von 180 Stunden haben, im Test musste es jedoch nahezu täglich aufgeladen werden. Besonders das Telefonieren minderte die Akkukapazität erheblich – und dabei enttäuschte der Handheld abermals: Die Sprachqualität ist für den professionellen Einsatz einfach nicht gut genug. Dabei möchte One speziell Klein- und Mittelbetriebe als Kunden des Hiptop gewinnen.

Interessant ist das Tarifmodell, das One für den Hiptop anbietet: Zusätzlich zum Kaufpreis ist eine Pauschale von 19,90 Euro pro Monat zu entrichten, welche unbegrenztes mobiles E-Mailen und Internet-Surfen erlaubt.

Fazit: klobiges Gerät mit sehr geringer Akkulaufzeit und schlechter Sprachqualität; für den Business-Einsatz nur bedingt geeignet.

PalmOne Treo 600
Der Vielseitige

Mit dem Treo 600 hat Mobilkom Austria Ende Juni ein neues Smartphone ins Sortiment aufgenommen. Eigentlich ist der Treo jedoch eher ein Organizer mit integriertem Telefon als ein Handy mit erweiterter Organizer-Funktion. So fehlen zum Beispiel verschiedene Rufeinstellungen, wie sie heute bei den meisten Mobiltelefonen selbstverständlich sind, die Sprachqualität lässt zu wünschen übrig, und Sprachwahl und Sprachsteuerung sind ebenfalls nicht vorhanden. Trotz dieser Mankos darf der Treo jedoch noch eher als Mobiltelefon gelten als etwa BlackBerry und Hiptop.

Mit 133 mal 61 mal 24 Millimetern hat das Smartphone eine angenehme Größe. Obwohl es über ein großes, aber nicht allzu hochauflösendes Farbdisplay verfügt, übertrifft seine Akkulaufzeit angeblich jene des BlackBerry: Laut Hersteller liegt die Standby-Zeit bei 240 Stunden.
Wer mit dem Treo Word- oder Excel-Dokumente öffnen will, muss erst eine Software namens DocumentsToGo installieren, welche nur in einer Demo-Version beiliegt, mit der Dokumente nicht bearbeitet werden können. Wer ohne die klassischen Microsoft-Programme auskommt, findet allerdings eine Vielzahl von Alternativen: Denn für das Palm-Betriebssystem des Treo gibt es jede Menge Gratis-Software im Internet, komplette Office-Pakete, Routenplaner oder auch MP3-Player, die das Gerät äußerst vielseitig machen.

Außerdem verfügt der Treo über eine Funktion, die es erlaubt, E-Mails in bestimmten, definierbaren Zeitintervallen regelmäßig abzufragen, sodass elektronische Post auch unterwegs bearbeitet werden kann.
Ein kleiner Minuspunkt ist allerdings die Tastatur. Die Tasten sind zwar angenehm vom Gehäuse abgehoben, jedoch wirklich sehr klein geraten. Dass überdies jede Taste doppelt belegt ist, macht das Tippen nicht einfacher.

Fazit: gutes Gerät, das sich für nahezu jeden Zweck einsetzen und vielfach individuell anpassen lässt. Es gibt derzeit wohl kaum einen Handheld, der Organizer und Handy besser vereint.

Pocket-PC mda II
Der Ersatz-Computer

Den Pocket-PC mda II gibt es in Österreich nur für T-Mobile-Kunden. Er ist hinsichtlich seiner Funktionen jedoch nahezu ident mit anderen Geräten dieser Kategorie, etwa den iPaqs der 6300-Serie von Hewlett-Packard.

Die Taschencomputer haben Pocket Windows als Betriebssystem installiert und bieten mit Pocket Office und Pocket Outlook Programme, in denen man sich sofort zurechtfindet. Mit dem integrierten GPRS-Modul ist der mda zudem ein vollwertiges Handy, auch wenn das 12,7 mal 7 Zentimeter große Gerät beim Telefonieren etwas unhandlich ist. Zum Telefonieren alleine ist der Pocket-PC aber ohnedies zu schade: Mit seinen integrierten Programmen ist er im Prinzip ein kompletter Laptop-Ersatz, der statt über eine Tastatur über eine Touchscreen-Oberfläche bedient wird.

Auch als E-Mail- und Internet-Terminal macht der Handheld gute Figur. Der Browser (Internet-Explorer) konnte alle Web-Seiten gut öffnen, und beim Surfen ist das große Display ideal. Eine E-Mail-Push-Funktion, die Mails automatisch an den Handheld weiterleitet, gibt es zwar nicht. Der Pocket-PC kann jedoch so programmiert werden, dass er neu einlangende E-Mails vom Server selbstständig und regelmäßig im Abstand von wenigen Minuten abruft. Damit erhält man Nachrichten nahezu ebenso schnell und zuverlässig wie mit einer Push-Lösung.

Fazit: sperriges Gerät mit üppiger Ausstattung und hoher Funktionalität; ideal zum mobilen Surfen im Internet.

Palm Tungsten W
Der große Organisator

Noch mehr Organizer als der Treo 600 ist der Tungsten W aus dem Hause Palm, und mit seinen 122 mal 78 mal 16 Millimetern ist das Gerät allerdings nicht das kleinste. Dafür hat auf dem Gerät aber auch eine Tastatur Platz, die sich wirklich einwandfrei bedienen lässt und die – neben jener des Hiptop – sicher die beste aller getesteten Geräte ist.

Abstriche muss man wiederum in Bezug auf die Telefonfunktionen hinnehmen, obwohl die mitgelieferte Telefon-Software den Tungsten zumindest zu einem passablen Handy mit einwandfreier Sprachqualität macht. Weil der Tungsten eindeutig als Business-Tool konzipiert ist, wurde auf polyphone Klingeltöne oder eine Kamera konsequenterweise verzichtet.

Gespart wurde allerdings auch beim Display. Was Helligkeit und Kontrast betrifft, kann es mit den Bedienoberflächen des Treo oder des mda nicht mithalten. Dennoch: Im Arbeitseinsatz hat es sich bei praktisch allen Lichtsituationen bewährt – und schließlich ist der Handheld nicht als Kamerahandy oder Videoplayer konzipiert.

Tadellos ist der Tungsten hingegen, was seine Organizer-Qualitäten betrifft. Zu den vorinstallierten Programmen wie Kalender- oder Adressverwaltung, E-Mail-Client sowie Web-Browser kann jede Menge freier Software geladen werden. Websites mit einem umfassenden Software-Angebot sind beispielsweise www.pdassi.de und www.palmdownload.de. Hier sind neben Business-Software auch Multimedia- und Grafik-Viewer sowie zahlreiche Programme zu finden, mit denen der Tungsten auch in der Freizeit zu einem praktikablen Begleiter wird.

Fazit: klassischer Organizer mit integriertem GPRS-Modul, das Telefonieren, Mailen und Surfen im Internet ermöglicht. Ein Business-Gerät ohne Schnörkel.

Sony Ericsson P900
Das Wunschprogramm

Ein Handy mit Touchscreen, Camcorder, MP3-Player und Organizer-Funktionen – das P900 von Sony Ericsson ist ein durchwegs gelungener Hybrid, der die Handy-Qualitäten aus der Ericsson-Zeit mit denen der Organizer-Reihe Clié von Sony kombiniert.

So lässt das P900 als Handy und als Organizer kaum Wünsche offen. Die Sprachqualität ist einwandfrei, und dank des Touchscreens und eines Scroll-Rads ist die Bedienung des Organizers sehr einfach. Dem P900 fehlt eigentlich nur eine vollständige Tastatur, um wirklich perfekt zu sein. Mit der Handy-Tastatur ist das Schreiben längerer Nachrichten jedoch ein wenig mühsam, auch wenn die Eingabe durch die T9-Texterkennung unterstützt wird, die Wortfragmente automatisch zu Wörtern fügt.

Auch das P900 lässt sich mit Zusatzsoftware für spezielle Zwecke aufrüsten. Für das offene Symbian-Betriebssystem gibt es zum Beispiel von Smartner (www.smartner.com) sogar eine Lösung, die eine dem BlackBerry ähnliche Instant-E-Mail-Funktion auf das Gerät bringt.

Die Software Smartner Duality, die gegen eine Gebühr von jährlich 49,95 Dollar genutzt werden kann, erlaubt übrigens auch bei allen anderen mit dem Symbian-Standard kompatiblen Handys – etwa dem Nokia 7610 und 660 und dem Siemens SX1 – die Implementierung von E-Mail-Funktionen. Weitere nützliche Programme für das P900 und andere Symbian-Handys findet man zum Beispiel unter http://pocketdownload.com . Einen Überblick über alle erhältlichen Symbian-Handys gibt die Website www.symbian.com/phones/index.html .

Fazit: tolles Smartphone mit umfassender Ausstattung, dem eigentlich nur eine richtige Tastatur fehlt.