Nachhilfe

Wenn Alfred Gusenbauer sagt, er werde ein guter Nachhilfelehrer sein, dann stimmt das zweifellos.

Gusenbauer: Und? Was machts ihr denn grad durch?
Schüler: Stilmittel der Sprache. Des is uröd und fäut mi total an.
Gusenbauer: Aber geh. Des krieg ma scho hin. Was verstehst denn net?
Schüler: Was zum Beispiel is a Metapher?
Gusenbauer: Des is doch nun wirklich net so schwer. Wenn du statt einem Wort ein anderes verwendest, das dasselbe beschreibt, aber irgendwie bildhaft is, dann heißt des Metapher. I gib dir ein Beispiel: Mein Vorgänger als Bundeskanzler, ja? Wenn ma den was gfragt hat, is ma auf eine Mauer des Schweigens gestoßen.
Schüler: Aha. Und welche Metapher passt bei Ihnen?
Gusenbauer: Na ja, zum Beispiel … Ich bin ein Quell der Freude. Oder: Ich reite auf einer Welle des Erfolges.
Schüler: Welle des Erfolges? Des klingt a bissl, als sitzerten Sie in an Elfenbeinturm.
Gusenbauer: Hervorragend! Des war jetzt a Metapher. Du hast es verstanden.
Schüler: Und außerdem ham Lügen kurze Beine.
Gusenbauer: Des is jetzt, wenn ma’s ganz genau nimmt, eigentlich schon a Allegorie.
Schüler: Vo mir aus. Jedenfalls wird Ihnen des no aufn Kopf fallen.
Gusenbauer: Geh! I bin ja praktisch der rote Messias!
Schüler: Die Verbindung zweier sich widersprechender Begriffe – ein Oxymoron, richtig?
Gusenbauer: Aber natürlich muss auch ich in Verhandlungen gewisse Abstriche machen …
Schüler: I hab’s glei, i hab’s glei … ja: ein Euphemismus!
Gusenbauer: Sag, willst du mi häkeln?
Schüler: Eine rhetorische Frage! Sehr elegant.
Gusenbauer: Du brauchst ka Nachhilfe mehr.