Naked Lunch heizen ein: „All Is Fever"

Die heimische Band Naked Lunch meldet sich mit großem Theater zurück.

Die Goldfolie auf dem Cover glänzt und blendet und soll heißen: Hitze bedarf keiner Kuscheldecke, der Körper selbst ist warm genug. Die erste Single zum Album heißt trotzdem „The Sun“ und heizt auch ordentlich ein: Pauken machen gemeinsame Sache mit Streichern, Glocken schwingen mit, der Song tastet sich vor, es wird warm und wärmer. Und gleich darauf bitterkalt. Das ist der Kontrast, mit dem man leben muss, wenn man Naked Lunchs „All Is Fever“ hört, und mit dem man auch gern lebt, weil es ein Kontrast ist, der Sinn stiftet oder zumindest eine Gänsehaut.

Großer Abgang
Das Album, das siebte der Band, die sich längst in ihrem dritten Bestandsjahrzehnt befindet, schwingt sich nach den Großwerken „This Atom Heart of Ours“ und „Songs for the Exhausted“ zu neuer Höhe auf: zur Verweigerung jeglicher Zerbrechlichkeit. Refrains werden da konsequent eingestrichen, Strophen eingeschwungen, Hymnen abgesungen. Zugleich flirten Oliver Welters Texte konsequent mit dem Antibürgerlichen, wenn nicht Antisozialen. Naked Lunch verschanzen sich nicht hinter Ironie und Pose, Naked Lunch machen Theater: Es ist echt, auch wenn es gespielt ist. Weil es ernst gemeint ist und ernst wirkt, selbst wenn niemand wirklich geliebt oder erschlagen wird. Großer Abgang, Standing Ovations.

Naked Lunch: All Is Fever (22. Februar/Tapete Records)