Neue Alben: Julia Holter, Joan of Arc

Die Hitzewelle neigt sich nun doch langsam dem Ende zu. Zeit wird's! Wir verabschieden uns in ein hoffentlich kühles Wochenende mit Tönen zwischen barfüßiger New-Age-Bewegung und experimenteller Theatermusik. profil unerhört präsentiert die wichtigsten CDs der Woche.

Von Philip Dulle und Stephan Wabl

Julia Holter: Loud City Song (Domino Records)

Auf ihrem dritten Album setzt sich die wunderbare Ambient-Pop-Tragödin Julia Holter vor allem mit ihrer City auseinander. Die Rede ist dabei von Los Angeles, der Stadt der Engel, von der ohnehin ein Gutteil der amerikanischen Lebensgeschichten zerrt. In der Vertonung durch Julia Holter klingt das nach spröder Chansonhaftigkeit, nach ekstatischem Trauerspiel und vertrackter Instrumentierung. Aber „Loud City Song“ bietet mehr als eine eskapistische Aneinanderreihung von Lo-Fi-Pianostücken: Julia Holter positioniert ihre engelsgleichen Erzählungen zwischen barfüßiger New-Age-Bewegung und ihrer Düster-Zwillingsschwester Zola Jesus. Unerwartet trifft die Frau, von der nur verschwommene, engelsgleiche und verwirrend schöne Aufnahmen im Netz kursieren, genau dorthin, wo es wehtun soll. „Loud City Song“ ist ein rätselhaftes Traumgebilde, für das es keine Erklärung geben kann. Höret hin und fühlet! (7.8/10) Ph. D.

Joan of Arc: Testimonium Songs (Polyvinyl Records)

Chicagos Vorzeige-Experimental-Postrocker Joan of Arc haben Musik geschrieben für das - Achtung Zufall! – experimentelle Performancetheater „Every House Has a Door“. Das Stück heißt Testimonium, das Album konsequenterweise „Testimonium Songs“. Joan of Arcs umtriebiger Mastermind Tim Kinsella, der 38-jährige Gelegenheitsbarkeeper veröffentlicht nächstes Jahr seinen zweiten Roman, bleibt darauf seinem Motto „Du sollst dich nicht wiederholen!“ treu. Die sechs Songs - wobei alleine das Stück „The Bird's Nest Wrapped Around The Security Camera“ fast 14 Minuten umfasst – drehen sich beinahe im Sekundentakt in eine neue Richtung. Rhythmus- und Melodienwechsel, Gitarren, Effekte, leiernder Gesang, am Rande des Geschreis schrammende poetische Worte und dann ein jähes Ende; Joan of Arc mischen zusammen, was nach Ansicht des Trios zusammengehört. Das geht bei den einzelnen Songs zumeist wunderbar auf, als Album angelegt geht das Experiment jedoch doch etwas in die Luft. (7.0/10) S. W.

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