Neue Alben: Koenigleopold, Pick a Piper

Diese Woche wird gehörig aufs Glatteis geführt: Pick a Piper changiert mutig zwischen Tanzfläche und Herbstspaziergang, Koenigleopold zwischen Rap und Jazz. Deppert ist das nicht. profil unerhört präsentiert die wichtigsten CDs der Woche.

Von Philip Dulle und Sebastian Hofer

Koenigleopold: Eure Armut kotzt mich an (Jazzwerkstatt/Hoanzl)

Mit ihrem ausgesprochen steirischen Gassenhauer „Kohlhauser“ haben Leo Riegler und Lukas König die pophörenden Teile des Landes in diesem Jahr schon einmal gehörig aufs Glatteis geführt, aber auf selbigem tanzt es sich ja bekanntlich am allerbesten. Man darf halt nicht stolpern. Sollte man meinen. Nach dem Konsum des Koenigleopoldischen Longplayer-Debüts weiß man es besser: im Stolpern liegt die Kraft. Und der Groove erst! „Euro Armut kotzt mich an“ beginnt als Kinderlied und wird schnell pubertär, aber auf eine dermaßen ausgewachsene Art, dass man gar nicht mehr weiß, was da jetzt eigentlich Rap ist und was Jazz, was Spaß und was wirklich deppert. Muss man zum Glück aber eh nicht wissen – super ist ohnehin alles. Und pro verkaufter CD geht ein Euro an die Bankenrettung. Tatütata! (8,4/10) S. Ho.

Pick a Piper: Pick a Piper (City Slang)

Flirrende Bässe, elektrifizierte Herbst-Spielereien, treibende Polyrhythmik: Aus dem Umfeld des gefeierten kanadischen Soundtüftlers Caribou erscheint nun das Debütalbum von Pick a Piper – eine ziemlich bunte Angelegenheit rund um die Pop-Nerds Angus Fraser, Dan Robert und Brad Weber (eben Schlagzeuger bei Caribou). Wer hier aber nur ein durchgeknalltes Elektro-Debüt erwartet, greift zu kurz. Bei aller weirden Soundspielerei ist „Pick a Piper“ vor allem auch ein Album, dass klassische Singer/Songwriter-Momente mit Clubmusik zu verbinden versteht, gekonnt mit Indiepop-Einflüssen spielt und dabei dennoch entschieden auf die Tanzfläche zieht. Ein ziemlich gelungenes Pop-Experiment. Saxophon, Xylophon und Triangel inklusive. (7.5/10) Ph. D.

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