Neue Alben: Lady Gaga, True Widow

Keine Experimente, geerdete Sehnsuchtsmelodien: Pop-Diva Lady Gaga wagt bei ihrer neuen Single nur optische Korrekturen und das Texas-Trio True Widow veröffentlicht den Road-Soundtrack der Saison. profil unerhört präsentiert die wichtigsten CDs der Woche.

Von Philip Dulle

Lady Gaga: Applause (Single)

Kunst kommt von Körper: Stefani Germanotta alias Lady Gaga schreibt Songzeilen, die zwar nicht die Welt verändern, aber durchaus Potenzial besitzen, angehende Poptheoretiker die nächsten Jahre zu beschäftigen: „One Second I’m a Kunst / Then suddenly the Kunst is me / Pop culture was an Art / Now Art’s in Pop Culture, in me“. Was nach künstlerischer und seelischer Offenbarung (die im „V Magazine“ veröffentlichten Nacktfotos sprechen dafür) klingt, bleibt musikalisch mau. Mit den gut vertrauten Produzenten DJ White Shadow, Zedd und Madeon versucht Lady Gaga gar nicht erst, das schnöde Formatradio-Format hinter sich zu lassen: Stadion-Techno, Pop-Step und Electronic Dance Music, perfekt getimed auf drei Minuten und dreiunddreißig Sekunden, ist alles, was der Künstlerin zum Arbeits- und Albumntitel „Artpop“ einfällt. Dass es sich bei der Vorabsingle ohnehin um einen „Pop-Musik-Notfall“ handelt, wie sie auf Twitter schuldig mitteilte, ist vielleicht gar keinem mutmaßlichen Hacker-Leak geschuldet. Applaus? Dafür nicht. (5.1/10) Ph. D.

True Widow: Circumambulation (Relapse Records)

Kleine Reiseerinnerung: Sprichwörtlich gefangen, irgendwo im Nirgendwo von Texas, verloren am Highway 10 Richtung Osten, während die Sonne auf den Asphalt knallt und die letzten Wüstenbüsche im gleisenden Licht verschwimmen. Im Autoradio läuft das Dallas-Trio True Widow mit einer schleppenden Mischung aus Shoegaze und brutal geerdetem Stoner-Rock. Songs, die ungefragt durch die Gehörgänge scheppern, sich einnisten und immer wieder kehren. Auf „Circumambulation“, dem dritten Album der aus einer Frau und zwei Männern bestehenden Band, intensivieren True Widow ihren zurückgelehnten Stonergaze, der wunderbar zwischen der Sängerin und dem Sänger changiert und nur darauf wartet, dich endlich wieder treiben zu lassen. (8.3/10) Ph. D.

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