Neue Alben: Moderat, Jason Newsted

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Die gute Mischung: Aus der Berliner Elektroschule entspringt melancholische Popmusik und Ex-Metallica-Bassist Jason Newsted nennt das Kind endlich beim Namen. profil unerhört präsentiert die wichtigsten CDs der Woche.

Von Philip Dulle

Moderat: II (Monkeytown)

Gibt es eine Musik, die auch im Grenzland zwischen den angesagten Clubs der Stadt und den gemütlichen, ökologisch-korrekten Indiefestivals im Park funktioniert, wo man lieber den Gitarren als dem Techno frönt? Die Antwortet lautet ja: Das Berliner Trio Moderat, eine Kollaboration aus Sascha Ring (alias Apparat) und Modeselektor (mit Gernot Bronsert und Sebastian Szary), funktioniert nach diesem Schema: Zwei Welten, zwei Bands, eine Stadt. Natürlich dreht es sich bei letzterem um Berlin und ihre Bewohner, die nun zwischen Berghain und dem Lagerfeuer-Grillabend an der Spree zu melancholischem Elektropop tanzen, schunkeln und weinen können. Moderat vereinen auf ihrem folgerichtig „II“ betitelten zweiten Album die Techno-affine Tanzmusik mit dem zurückgelehnten Ambient-Pop von Apparat, unterlegen die warme Stimme von Sascha Ring mit tiefen Bässen und Dubstep-Arrangements zu einem verwirrend schönen Großstadtsound. (7.5/10) Ph. D.

Newsted: Heavy Metal Music (Sony Music)

Die Krux mit Jugendhelden ist die, dass sie auch nicht davor gefeilt sind, aus einer der größten Bands der Welt geworfen zu werden und dann für Jahre aus dem Scheinwerferlicht zu verschwinden. Geschehen mit Jason Newsted, von 1986 bis 2001 Bassist bei den Großspurmeistern von Metallica, danach Mini-Label-Betreiber in San Francisco, Förderer von jungen Bands und passionierter Maler. Bei seiner ersten eigenen Band, die er schlicht Newsted nennt, kehrt Jason (im Metal ist man ja per du), nun in gewisser Weise zu seiner Bestimmung bei Metallica zurück: James Hetfield war immer der Songschreiber der Band, Kirk Hammett der introvertierte Künstler und Lars Ulrich der Mann, der das Geld eintreibt. Jason Newsted übernahm die Rolle des Fan-Betreuers, der sich stundelang fotografieren ließ und sich die Finger für Autogrammwünsche wundschrieb. Ein Musiker zum Angreifen. Und so klingt auch „Heavy Metal Music“, sein Solo-Debüt, wie es eben klingen muss: nach dem bärbeißigen Stadionmetal von Metallica, dem Achtziger-Thrash-Metal von Flotsam and Jetsam, dem brachial-progressiven Dystopia-Sound von Voivod und nach Black-Sabbath-Versatzstücke. Die gute alte Schule eben. (7.9/10) Ph. D.

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