Nie wieder Lampedusa! Wie kann man Flüchtlings-Katastrophen verhindern

Vor der italienischen Küste ertrinken hunderte Flüchtlinge im Meer. Europa fragt sich, wie derlei zu verhindern ist – und drückt sich um die Antwort.

Ein klappriges Schiff mit rund 500 afrikanischen Flüchtlingen an Bord treibt zwei Tage lang manövrierunfähig nahe der Küste der italienischen Insel Lampedusa. Dann zündet ein verzweifelter Passagier eine Decke an, um in der Dunkelheit irgendjemanden an der Küste auf den Kutter aufmerksam zu machen. Das Feuer breitet sich aus, das Boot kentert, hunderte Menschen sterben.

Wie kann man verhindern, was sich vergangenen Donnerstag ereignet hat?

Das Rote Kreuz fordert legale und sichere Wege für Flüchtlinge, die in die EU einreisen wollen, um einen Asylantrag zu stellen. Doch wenn es darum geht, einen Zustrom aus Afrika und dessen finanzielle und politische Konsequenzen in Kauf zu nehmen, stellen sich alle Verantwortlichen taub. In der humanitären Krise des syrischen Bürgerkriegs reicht der Mut in Österreich etwa bloß für "500 Frauen, Kinder und Christen“. Wie vielen Afrikanern kann Europa vorübergehend oder dauerhaft eine Existenz anbieten? Diese Frage war noch nie Tagesordnungspunkt eines EU-Rates.

Bleibt der gern geäußerte Vorschlag, den Afrikanern in Afrika zu helfen. Aber auch das kostet Geld, man nennt es Entwicklungshilfe. Die Mittel dafür kürzt ein Land wie Österreich wegen des "Budgetvorbehaltes“. Das müsst ihr doch einsehen, Äthiopier, wir sind derzeit ein bisschen knapp bei Kasse!

Der einzige Lichtblick ist Afrika selbst. Der Anteil der Menschen unter der Armutsgrenze sinkt stetig. 51 Prozent waren es 2005, 39 Prozent 2012. Die Wirtschaft wächst in vielen Ländern jenseits der sechs Prozent. Die nächsten Tigerstaaten werden afrikanische sein: Mit Hilfe von außen lässt sich diese Entwicklung beschleunigen. Letztlich kann wohl nur sie die Flüchtlingskutter obsolet machen. Und dann: Nie wieder Lampedusa!

Robert Treichler