Österreich-Fonds: Voest mit Garantie

Raiffeisen-Banker Scharinger will Voest-Aktien über eine Fondsgesellschaft erwerben – und den Anlegern eine Kapitalgarantie geben.

Ludwig Scharinger, Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, hatte schon im Jahr 1998 gemeinsam mit dem damaligen Voest-Chef Peter Strahammer die Idee so genannter „Österreich-Fonds“ geboren. Die oberösterreichischen Raiffeisenbanken, die oberösterreichische Hypobank sowie diverse Versicherungen, allen voran Generali, hatten damals eine gemeinsame Gesellschaft gegründet. Noch sind die Organe dieser Fondsgesellschaft, die gemäß Scharingers Wunsch nun als künftiger Kernaktionär der Voest erweckt werden sollte, nicht besetzt. Das Wesen der Gesellschaft, so sie eines Tages tatsächlich aktiv wird, steht für den umtriebigen Bankengeneral allerdings fest: Sie soll nun kräftig Voest-Aktien kaufen und das Geld dafür über Anleihen und die Begebung von Genussscheinen auftreiben.

Anleger, welche diese Anleihen oder Genussscheine zeichnen, sollen eine Kapitalgarantie erhalten, ihr investiertes Geld also nicht verlieren können, und trotzdem am Unternehmenserfolg der Voest und an Wertsteigerungen der Stahlaktie partizipieren. Ein Teil der Kursgewinne und Dividenden der Voest-Aktie soll – über eine noch festzulegende Formel – an die Käufer der Anleihen beziehungsweise Genussscheine weitergereicht werden. Mit einem Wort, nach oben hin gibt es gewisse Gewinnchancen, nach unten ist das Verlustrisiko durch die Kapitalgarantie – hinter der die oberösterreichische Raiffeisen-Organisation sowie potente Versicherungen stehen – sehr begrenzt.

Das Modell dürfte im Wesentlichen den bei österreichischen Anlegern derzeit überaus beliebten Garantieprodukten entsprechen, die von praktisch allen Banken in vielen unterschiedlichen Formen angeboten werden.
In der Voest soll die Fondsgesellschaft nach Scharingers Vorstellungen streng nach den Kriterien eines langfristig und nachhaltig engagierten österreichischen Investors agieren. Dennoch würde sich die Gesellschaft nicht gänzlich passiv verhalten und bei der bevorstehenden Privatisierung einfach ein Aktienpaket kaufen und dieses dann in einen Safe legen. Zusätzlich zu einer Tranche an Voest-Aktien, die fix gehalten werden sollen, ist beabsichtigt, mit einem (mutmaßlich kleinen) Teil des zur Verfügung stehenden Kapitals durchaus aktiv zu agieren. Rutscht der Kurs der Voest-Aktien kurzfristig nach unten, sollen Papiere zugekauft werden; schlägt die Notierung allzu heftig nach oben aus, sollen auch wieder Aktien über die Börse abgegeben werden.

„Über einen solchen Österreich-Fonds kann ich die Eigenschaft als inländischer Kernaktionär der Voest garantieren“, meint Scharinger. Auf diese Weise sei es nicht notwendig Syndikate zu bilden. Dass die ganze Sache für Raiffeisen-Oberösterreich und die beteiligten Versicherungen nur dann Sinn macht, wenn die Aktie des Stahlkonzerns mittelfristig eine einigermaßen erfreuliche Kursentwicklung aufweist, will der Raiffeisen-Banker nicht verhehlen. Scharinger: „Natürlich brauch ich, wenn ich mit diesem Vehikel attraktiv bleiben will, eine Wertsteigerung des Unternehmens Voest. Aber wenn ich davon nicht überzeugt wäre, wär ich die ganze Sache nie angegangen.“