„Olivenöl senkt Infarktrisiko“

Gerald Maurer, Chef-Kardiologe an der Wiener Medizinischen Universität, über mediterrane Kost und Medikamente gegen schädliches Cholesterin. Gerald Maurer, 56, ist Vorstand der Universitätsklinik für Innere Medizin II am Wiener AKH sowie Leiter der klinischen Abteilung für Kardiologie. Er war zuvor 17 Jahre lang an US-Universitäten tätig.

profil: Ist es wissenschaftlich belegt, dass hohe Cholesterinwerte für den Großteil der Herzinfarkte verantwortlich sind?
Maurer: Rauchen und hohe Cholesterinwerte sind für zwei Drittel aller Herzerkrankungen verantwortlich, das ist heute völlig unbestritten.
profil: Sind hohe Cholesterinwerte ausschließlich auf Ernährung mit tierischen Fetten zurückzuführen?
Maurer: Nein, es gibt Menschen, die sich strikt vegetarisch ernähren und trotzdem hohe Blutfettwerte haben. Teils ist es die Genetik, teils die Ernährung.
profil: Stimmt es, dass mediterrane Kost das Herzinfarktrisiko senkt?
Maurer: Wir wissen, dass in Gegenden, wo sehr viel Olivenöl, frisches Obst, Gemüse und Fisch konsumiert werden, das Herzinfarktrisiko viel niedriger ist.
profil: Warum sind Olivenöl und Fisch so gesund?
Maurer: Es sind die ungesättigten Fettsäuren im Gegensatz zu gesättigten Fettsäuren in tierischer Nahrung.
profil: Würde es gesundheitlich etwas bringen, wenn die Österreicher einen Teil ihrer tierischen Nahrung durch Gemüse, Olivenöl und Fisch ersetzen würden?
Maurer: Auf jeden Fall würde es nach einiger Zeit zu einer deutlichen Senkung der Sterblichkeit und zu weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommen.
profil: Ist die Einnahme cholesterinsenkender Medikamente allein sinnvoll?
Maurer: Durch Änderung der Ernährung kann man das schädliche LDL-Cholesterin um etwa zehn Prozent senken. Das genügt aber bei Herz- und Gefäß-Patienten fast nie.
profil: Welche Rolle spielt Bewegung?
Maurer: Dadurch lassen sich das schädliche Cholesterin und die Triglyceride senken und das „gute“ HDL-Cholesterin erhöhen. Es normalisieren sich neben den Blutfett- auch andere erhöhte Blutwerte wie Zucker und Harnsäure, auch der Blutdruck.
profil: Stimmt es, dass das „gute“ HDL-Cholesterin Fett aus den Blutgefäßen abtransportiert?
Maurer: Das stimmt absolut. Wir wissen heute, dass ein niedriger HDL-Cholesterin-Wert einen Risikofaktor dar-
stellt.
profil: Was ist ein niedriger HDL-Wert?
Maurer: Die Empfehlung ist über 50 Milligramm pro Deziliter Blut. Wir sehen manchmal junge Infarktpatienten, die außer einem niedrigen HDL-Wert keine Risikofaktoren haben. Studien zeigen, dass eine Steigerung des HDL-Cholesterins um einige Prozent eine drastische Senkung des Herzinfarktrisikos bewirkt.
profil: Das heißt: nicht rauchen, regelmäßige Bewegung, möglichst wenig tierisches Fett, viel Fisch und Gemüse und pflanzliche Öle wie Oliven- und Rapsöl?
Maurer: Ja, ungesättigte Fettsäuren, pflanzliche Öle mit Ausnahme des Kokosöls und -fetts, das sich wie tierisches Fett verhält.
profil: Wann muss man medikamentös eingreifen?
Maurer: Wenn jemand schon Atherosklerose hat oder einen Herzinfarkt gehabt hat, dann ist der neue LDL-Cholesterin-Zielwert unter 80, der HDL-Zielwert über 50.
profil: Diese Werte lassen sich mit Medikamenten erreichen?
Maurer: Ja, durchaus. Aber zuerst sollte man sein Gewicht reduzieren und seine Ernährung auf vorwiegend ungesättigte Fettsäuren umstellen. Auch kleine Mengen Alkohol können das HDL-Cholesterin erhöhen.
profil: Gibt es noch kein Medikament, das die Vorteile der mediterranen Kost enthält?
Maurer: Man hat das wiederholt versucht, aber das hat bisher nichts gebracht. Was das Positive an mediterraner Ernährung ist, wissen wir letztlich noch nicht genau.

Interview: Robert Buchacher