Opernballistik

Wie jedes Jahr besprechen die Verantwortlichen des Wiener Opernballs an dessen Vorabend die Lage ...

Ioan: Nebochanten! Dieses Land wird von Nebochanten beherrscht.
Elisabeth: Glauben Sie, die Roten wären was Besseres?
Ioan: Ich meine das gemeine Volk. In jedem anderen Land wäre meine Loge um das Zehnfache ersteigert worden.
Elisabeth: Ich hab ja gesagt, für die Japsen ist der Rufpreis zu niedrig, und die Ami wissen nicht, was eine Loge ist.
Ioan: Aber die Österreicher –
Elisabeth: – halten Auktion für den Anfang vom Räumungsverkauf. Und warten, bis es noch billiger wird.
Ioan: Die Loge neben dem Bundespräsidenten … ich verstünd’s ja, wenn es die Benita wär …
Elisabeth: Hätt s’ ein Dentist genommen. Aber vielleicht war das ein Embargo der Raucher.
Ioan: Wir haben ja nicht einmal eine Raucher-Demo! Statt dass die mit Stängeln unter der Nase –
Elisabeth: Da halten sie die Hand drunter.
Ioan: Ich weiß. Eventuell sollten wir nächstes Jahr mit dem Schneewalzer eröffnen.
Elisabeth: Ich bin froh, dass wir heuer überhaupt eröffnen. Der Gusenbauer –
Ioan: – hat von seiner eigenen Katastrophe ablenken wollen. Sein Kopf ist vom selben Material wie der Weg, auf dem er ist.
Elisabeth: Das war alles Klassen-Krampf! Warum verlangt er nicht, dass der Villacher Fasching abgesagt wird?
Ioan: Weil er in der Oper niemanden schm-, becircen kann, damit er genannt wird.
Elisabeth: Und in Villach?
Ioan: Kennt sich der Ambrozy aus. Er ist ein Köter auf der Violine. Einmal Gusi erwähnen ist gleich zehn Prozent von den Geldstrafen beim nächsten GTI-Treffen.
Elisabeth: Und beim Grasser?
Ioan: Kann man sich gar nicht versteuern.
Elisabeth: Schad, dass wir ihn nicht auch upgraden können.
Ioan: Wir könnten einen Sekt nach ihm nennen: Grasser brut.
Elisabeth: Was soll das sein?
Ioan: Eine Magnumflasche Fürst Metternich.
Elisabeth: Gott sei Dank haben wir nicht auch noch die Semesterferien in unserer Woche g’habt.
Ioan: Wenn’s nach den Tiroler Wirten ginge, hätten wir sie. Die haben jetzt ein Bettenloch.
Elisabeth: Es waren doch grad erst Weihnachtsferien.
Ioan: Die Wirte sagen, in welches Loch die Schüler gehen, ist doch wurscht. Verrechnen können sie auch beim Zahlkellner lernen.
Elisabeth: Aber PISA?
Ioan: Hat nächstes Jahr sicher Physik. Da kann man heuer die Fallgesetze betrunkener Skirowdys auf den Pisten studieren.
Elisabeth: Und wenn s’ nix z’sammbringen, kommen die armen Hascherln in die Ganztagsschule!
Ioan: Das wird ein schlimmes Erwachen.
Elisabeth: Ja, in den Elternhäusern.
Ioan: Nein, in den Kaffeehäusern. Außerdem wird die halbe Handy-Industrie zusammenbrechen.
Elisabeth: Die Kinder telefonieren gar nicht so viel. Meistens nur, wenn sie angerufen werden.
Ioan: Gnädige Frau, Sie nähern sich auch schon dem Himmelreich.
Elisabeth: Nur auf’m Ball wird’s heuer zugehen. Alle werden den Mateschitz anrufen.
Ioan: Warum den Mateschitz?
Elisabeth: Na, wegen dem Spielberg-Desaster. Alle werden wissen wollen, ob Red Bull ganz den Schwanz einzieht.
Ioan: Da würde er zum Ochs von Lerchenau.
Elisabeth: Was ist wichtiger: Arbeit oder Natur?
Ioan: Nie sollst du mich befragen … wie bei Lohengrin.
Elisabeth: Der Mateschitz war halt eine steirische Lichtgestalt.
Ioan: Lodengrün.
Elisabeth: Apropos Desaster: Wissen Sie, dass die Kiesbauer heuer 5000 Steine von Swarovski auf ihrer Robe tragt?
Ioan: Wenn steter Tropfen den Stein höhlt, wird das ein edler Fetzen.
Elisabeth: Die trinkt ja nix.
Ioan: Also ein Naturtalent.
Elisabeth: Aber das Zeug ist ja schwer!
Ioan: Dann wird sie einmal am Boden bleiben.
Elisabeth: Hoffentlich. Und hoffentlich kommt kein berühmter Engländer.
Ioan: Warum?
Elisabeth: Stellen Sie sich den Skandal vor, wo doch der Prinz Harry zu einer Party als Nazi gegangen ist.
Ioan: Bei uns gehen die als Faschingsprinzen.
Elisabeth: Immerhin hat er gesagt, er war blau.
Ioan: Die gehen als Demokraten.
Elisabeth: Ich bin heuer so nervös, auch wegen der Eurofighter-G’schichte.
Ioan: Keine Angst, die sind noch nicht so weit, dass sie abstürzen können.
Elisabeth: Aber bei uns sitzen G’schäftsleute und Gegen-G’schäftsleute nebeneinander.
Ioan: Noch ist kein Präservativhändler darunter. Das wär vielleicht eine nette Damenspende nächstes –
Elisabeth: Bitte! Nächstes Jahr kommen scharenweise Chinesen!
Ioan: Und forschen nach unserem Know-how.
Elisabeth: Ich weiß eh nicht, wie das zusammengehen wird mit dem Mozart-Jahr.
Ioan: Così fan tutte!
Elisabeth: Was machen wir, wenn der Moshammer verfügt hat, dass sein Hund …
Ioan: Ah ja, das Remake von „Miss Daisy und ihr Chauffeur“.
Elisabeth: … dass Daisy auf den Opernball …?
Ioan: Dann wird sie der Gast vom Lugner.