<small><i>Peter Michael Lingens</small></i>
Gute Finanznachrichten

Nicht jeder wird gleich „gerettet“, China glaubt an die USA, die Briten absentieren sich nicht von Europa.

In Zeiten wie diesen muss man gute Nachrichten würdigen: Saab meldet Ausgleich an. China kauft US-Staatsanleihen. Und in Berlin sind Angela Merkel, Nicolas Sarkozy und Gordon Brown einer Meinung gewesen, dass man alle Märkte beaufsichtigen, die gehandelten Produkte kontrollieren, Steueroasen eliminieren und Osteuropa wirtschaftlich unterstützen soll. Warum ist es gut, dass Saab Ausgleich anmeldet? Weil es in Europa schon viel zu viele Autoproduzenten gibt; weil Saab eine winzige Marke ist, die seit Jahren Verlust schreibt; weil Autos von Saab nichts Außergewöhnliches können.

Daher hat sich Schweden vernünftigerweise entschlossen, das Unternehmen nicht sogleich zu „retten“, sondern es nimmt sich eine Auszeit und denkt darüber nach, was eine bessere Zukunft haben könnte: vielleicht Windgeneratoren bauen, vielleicht die Flugzeugsparte um Kleinflugzeuge vergrößern, vielleicht Lastwagen für Volvo montieren.
Nach meiner Meinung alles gescheiter, als weiterhin Personenkraftwagen für einen viel zu engen Markt zu fertigen. Für dieses bessere Produkt, das Saab hoffentlich findet, sollte der Staat dann vielleicht Geld zur Verfügung stellen, denn das ist allemal billiger, als Arbeitslose zu unterstützen. Vielleicht sollte man ähnliche Überlegungen auch bezüglich mancher Autozulieferbetriebe in Österreich anstellen. Die stärksten sollen und werden sich halten – die schwächeren werden umdenken müssen oder eingehen.

Auch in Deutschland sollte man der Autoindustrie, bevor man sie „rettet“, mehr Selbsthilfe abverlangen. Geht ja: Mercedes und BMW wollen angeblich bereits kooperieren. In Wirklichkeit könnten sie sich gewaltige Entwicklungskosten sparen, wenn sie die gleichen Motoren und Fahrgestelle unter verschiedene Karosserien stecken und auf die ­einen BMW und auf die anderen Mercedes draufschreiben. Wie bei Skoda und VW würde kein Mensch es merken. Und wenn sie dann noch den Auspuffton elektronisch modifizieren, sind sogar die Autotester glücklich.

Zwei große Autoproduzenten – VW und BMW & Mer­cedes – reichen für Deutschland; in Frankreich reichte ein Großunternehmen aus Renault, Peugeot und Citroën, und in Japan genügten Toyota und Honda.
Das alles ergäbe sich von selbst, wenn man nicht sofort „rettend“ einschreitet, denn mehr Autoproduzenten verträgt der Markt nicht. Die Autoabsatzkrise ist ja keine, die erst jetzt, durch die Weltwirtschaftskrise, entstanden ist, sondern sie hat sich spätestens 2006 angekündigt: In den Ländern, deren Bürger die Autos auch bezahlen können, gibt es einfach schon mehr als genug Autos. Und um sie laufend zu erneuern und Russland und den Ostblock voll zu motorisieren, reichen weit kleinere Kapazitäten. Sie künstlich groß zu halten heißt Geld verbrennen.

Das weiß hoffentlich auch Barack Obama und gibt Chrysler, GM und Ford nur so viel Geld, dass sie Zeit zur Besinnung haben. Dann kann die Lösung nur darin bestehen, Chapter 11 (also Konkurs) anzumelden und neue Arbeitsverträge zu schließen. Denn diese Unternehmen bauen nicht nur die falschen Autos, sondern haben auch höhere Arbeitskosten als etwa Mercedes oder Toyota in den USA: Sie zahlen pro Auto mehr für Pensionen als für Stahl. Bessere Autos zu bauen ist dann halb so schwer: GM – Chrysler ist überflüssig – braucht nur die Motoren und Fahrgestelle von Opel zu übernehmen, und Ford kann auf die Technik von Ford-Europa zurückgreifen. Bei konkurrenzfähigen Arbeitskosten können auch die beiden totgesagten US-Giganten auf die Erfolgsspur zurückkehren.
Nur sehr viel schlanker.

Weit wichtiger ist freilich, dass China US-Anleihen kauft. Es sitzt ja bekanntlich auf Dollarbergen aus seinem Handelsbilanzüberschuss. Durch die Abwertung des Dollars sind diese Berge schon jetzt viel weniger wert. Dollar gegen eine festere Währung – den Euro – tauschen kann China aber nicht, denn in der Sekunde, in der es Dollar verkauft, fällt sein Kurs ins Bodenlose. Alles, was China kann, ist, in den USA einkaufen – Firmen, Banken, Realitäten – und das tut es auch. Aber warum Anleihen bei einem Staat kaufen, der hoch verschuldet ist? Erstens, weil die USA immer noch viel besser als China dastehen, zweitens, weil Obama auf diese Weise zu den Milliarden Dollar kommt, die er braucht, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Und wenn ihm das gelingt, stabilisiert sich der Dollar irgendwann, und beide – China und die USA – profitieren. (Wenn es nicht gelingt, ist China allerdings bedient: Es hat dann zusätzlich zu noch wertloseren Dollarhügeln den amerikanischen Staat als riesigen, miserablen Schuldner.) Warum das Einvernehmen von Merkel, Sarkozy und Brown gut ist, ist klar: Nur Leute, die gar nichts vom Markt verstehen – Alan Greenspan gehörte dazu –, können glauben, dass er ohne Spielregeln funktioniert. Denn nur wenn alle Marktteilnehmer gleichermaßen über alle relevanten Informationen verfügen, können sie rational zu ihrem – und damit, laut Adam Smith, zu unser aller – Vorteil handeln.

Wenn man zum Beispiel nicht weiß, welches Risiko ein Derivat enthält, kann man das nicht einschätzen. Deshalb ist Transparenz eine zwingende Voraussetzung eines funktionierenden Markts. Dass sogar die Engländer gegen Steueroasen vorgehen wollen, ist geradezu eine Sensation – wenn’s wahr ist. Und warum Wirtschaftshilfe für den Osten gut ist, muss ich hierzulande nicht begründen.

peter.lingens@profil.at