„Die Buwog war das beste Geschäft“

Der frühere Chef der Immofinanz-Gruppe, Karl Petrikovics, muss sich 2012 wegen nebuloser Aktiendeals vor Gericht verantworten. Jetzt bricht er sein jahrelanges Schweigen. Was er zu den Untreuevorwürfen zu sagen hat. Wie er Peter Hocheggers Buwog-Provision rechtfertigt. Und warum er gewissen Journalisten Immobilien verkaufte.

Interview: Michael Nikbakhsh

profil: Herr Petrikovics, die Staatsanwaltschaft Wien hat nach dreijährigen Ermittlungen nun eine erste Anklage im Immofinanz-Komplex fertiggestellt. Wie fühlt es sich an, in einer Anklageschrift als Beschuldigter genannt zu werden?
Petrikovics: Ich bin froh, dass nach drei Jahren intensiver Ermittlungen endlich etwas auf dem Tisch liegt. Das Schwierigste in dieser Zeit war ja, dass medial Unmengen teils abstruser Anschuldigungen verbreitet wurden, denen ich aufgrund des laufenden Verfahrens nicht begegnen konnte. Jetzt liegt die Anklageschrift, die sich ausschließlich auf mein Dienstverhältnis in der Constantia Privatbank bezieht, vor, und ich kann endlich dazu Stellung nehmen. Ich bin absolut überzeugt, unschuldig zu sein, und das werde ich bei Gericht auch entsprechend dokumentieren.

profil: Sie werden den Einwand gestatten, dass ich noch nie einem schuldigen Manager oder Unternehmer gegenübergesessen bin. In meiner Gegenwart hat bisher ausnahmslos jeder seine Unschuld beteuert, was natürlich auch das Recht jedes Beschuldigten in einem Strafverfahren ist. Der Gedanke, demnächst auf einer Anklagebank Platz nehmen zu müssen, lässt Sie also vollkommen unbeeindruckt?
Petrikovics: Ich werde mich dieser Sache stellen und bin wirklich guter Dinge, meine Unschuld auch beweisen zu können.

profil: Die Staatsanwaltschaft Wien lastet Ihnen und vier weiteren Personen, darunter Ihr früherer Vorstandskollege Norbert Gertner und der ehemalige Immofinanz-Aufsichtsratschef Helmut Schwager, Untreue und die Bildung einer kriminellen Vereinigung in Zusammenhang mit privaten Wertpapiergeschäften aus dem April 2003 an. Sie sollen sich im Vorfeld des Börsengangs der Immoeast AG, in deren Vorstand Sie damals saßen, ein Aktienpaket gesichert haben, freilich ohne die erforderliche Genehmigung durch den Aufsichtsrat. Nach dem Immoeast-Börsengang sollen Sie diese Aktien mit Gewinn an die Constantia Privatbank, in deren Vorstand Sie auch saßen, weitergereicht haben.
Petrikovics: Wir hatten ganz im Gegenteil einen klaren Aufsichtsratsbeschluss des damaligen Immoeast-Alleinaktionärs Immofinanz AG (in dessen Vorstand Petrikovics ebenfalls vertreten war, Anm.), der uns das ermöglicht hat. Wir haben später im Interesse der Constantia Privatbank auf die Aktien, die uns zugestanden sind, verzichtet und diese der Bank geborgt. Nachdem uns die Constantia Privatbank die Papiere nicht zurückgeben konnte, wurden wir wirtschaftlich so gestellt, als hätten wir diese immer gehalten.

profil: Sie haben diese Aktien aber gar nicht direkt übernommen, sondern in einer Zwischengesellschaft, der Leascon Holding mit Sitz in Wien, geparkt. Das legt den Schluss nahe, dass dies niemand bemerken sollte.
Petrikovics: Dem muss ich entschieden widersprechen. Im April 2003 hat die Immoeast im Wege einer Privatplatzierung ihr Kapital verdoppelt, Alleinaktionär war bis dahin ja die Immofinanz. Der Immofinanz-Aufsichtsrat hat uns (gemeint sind Karl Petrikovics und Norbert Gertner, Anm.) als Incentive damals das Recht eingeräumt, drei beziehungsweise zwei Prozent dieser noch nicht börsennotierten Immoeast-Aktien zu erwerben, wofür uns auch eine Finanzierung seitens der Immofinanz zugestanden wurde. Aus steuerlichen Gründen haben wir diese Aktien nicht privat übernommen, sondern in dieser Zweckgesellschaft eingelagert, da die eigentlich dafür vorgesehene Konstruktion über eine Stiftung noch nicht vorhanden war. Im Herbst 2003 war dann der Börsengang der Immoeast. Wir haben zu dieser Zeit im Konzern drei Milliarden Euro in Immobilien investiert. Das entspricht etwa der Wohnfläche von St. Pölten und Eisenstadt zusammen. Die gesamte Mannschaft hat damals 80 Stunden die Woche und mehr gearbeitet, um den Börsengang vorzubereiten und die Immoeast für die Zukunft auszurichten. Sie können mir jetzt den Vorwurf machen, dass wir uns nicht in ausreichendem Maße um unsere privaten Vermögensfragen gekümmert haben. Wenn man das so sieht, könnte man sagen: Hätten wir uns mehr darum gekümmert, unsere Aktienpositionen sauber zu strukturieren, und etwas weniger um Immo­finanz und Immoeast, dann hätten wir die ganzen Probleme jetzt nicht.

profil: Das klingt ziemlich zynisch.
Petrikovics: So ist es nicht gemeint. Es ist nur eine Tatsache. Wenn Sie mir vorwerfen, dass ich meine privaten Angelegenheiten hinter die des Unternehmens gestellt habe, für das ich verantwortlich war, dann gebe ich Ihnen Recht. Wir reden über eine Phase, wo wir Tag und Nacht gearbeitet haben.

profil: Wenn ich den Vorwurf der Staatsanwaltschaft richtig interpretiere, dann haben Sie Gewinne aus Aktiengeschäften erzielt, die Ihnen nicht zustanden, weil Sie gar keinen Rechtsanspruch auf diese Aktien hatten. Laut Anklageschrift sollen die Gewinne teilweise auch noch recht kreativ verbucht worden sein. Sie sollen sich gleichsam selbst Scheinrechnungen gelegt haben, in welchen Sie etwa Provisionen für die Vermittlung von Immobiliengeschäften geltend machten.
Petrikovics: Die Rechnungen entsprachen genau dem Kursgewinn, der uns zugestanden ist. Also die Differenz zwischen dem Erwerb der Papiere und dem Wert, zu dem wir die Papiere der Constantia Privatbank zur Verfügung gestellt haben, abzüglich Zinsen für die Finanzierung.

profil: Sie geben also zu, Scheinrechnungen gelegt zu haben?
Petrikovics: Wir haben den Gewinn, der uns zugestanden ist, verrechnet. Ich verstehe den Vorwurf nicht.

profil: Möglicherweise reden wir aneinander vorbei.
Petrikovics: Das glaube ich nicht.

profil: Sie haben Rechnungen für die Vermittlung von Immobilien gelegt, obwohl Sie keine Immobilien vermittelt haben.
Petrikovics: Wir haben der Constantia Privatbank genau den Betrag verrechnet, der uns als Kursgewinn für diese Phase zugestanden ist, abzüglich der Refinanzierungskosten. Diesen Aspekt übergeht die Anklage.

profil: Der Rechnungszweck war also …
Petrikovics: Was ist jetzt der Vorwurf?

profil: Dass der Rechnungszweck frei erfunden war.
Petrikovics: Wir haben fakturiert, was uns zustand. Niemandem ist daraus ein Nachteil entstanden.

profil: Bleibt immer noch die Frage, warum Sie diese Rechnungen so aufgesetzt haben.
Petrikovics: Wir wollten im Rahmen unserer Gesellschaften verrechnen und nicht als natürliche Personen.

profil: Sie wollten sich die Spekulationssteuer sparen, weil Sie vor Ablauf der damals noch geltenden Frist von einem Jahr verkauft hatten.
Petrikovics: Ja. Die Gesellschaften haben die Gewinne aber sehr wohl versteuert. Wir haben der Constantia Privatbank in einer Phase geholfen, wo sie die Papiere gebraucht hat, um eigenen Verpflichtungen gegenüber dem Markt nachzukommen (so genannte Short-Positionen, Anm.). Wir haben der Bank unsere Aktien geborgt, um sie dann wieder zurückzubekommen. Und wir hätten die Papiere auch nicht hergegeben, wenn die Bank sie nicht gebraucht hätte.

profil: Im Jahr 2004 haben Sie namens des Immofinanz-Konsortiums die notorischen Bundeswohnungsgesellschaften, besser bekannt unter dem Akronym Buwog, erworben. Ihr Berater und Lobbyist war damals ein gewisser Peter Hochegger, dem Sie anschließend eine Erfolgsprovision von 9,6 Millionen Euro überwiesen. Hochegger legte dafür Scheinrechnungen.
Petrikovics: Das Thema Buwog ist natürlich nicht Teil der Anklage, aber kurz dazu. Es war der ausdrückliche Wunsch des Herrn Hochegger, diese Rechnungen derart zu fakturieren, um so den Hinweis auf die Buwog zu vermeiden. Der Geschäftsfall ist aber sehr klar nachvollziehbar.

profil: Wie sind Sie mit Peter Hochegger überhaupt ins Geschäft gekommen?
Petrikovics: Herr Hochegger ist im Herbst 2003 an mich herangetreten. Er meinte, dass man sich im Hinblick auf die damals anlaufende erste große Immobilienprivatisierung Österreichs entsprechend vorbereiten müsse.

profil: Hat er Sie da erst groß überzeugen müssen?
Petrikovics: Wozu überzeugen?

Profil: In den Bieterprozess einzusteigen. Sie führten damals eine der bedeutendsten Immobiliengruppen Zentral- und Osteuropas. Da brauchte es einen Peter Hochegger, um Sie auf die erste große Immobilienprivatisierung Österreichs vorzubereiten?
Petrikovics: Wer sich mit dieser Zeit beschäftigt, wird feststellen, dass die Immofinanz sich ausschließlich die Gesellschaft Buwog hätte leisten können. Es wird ja fälschlicherweise immer vom Buwog-Deal gesprochen, genau genommen ging es bei dieser Privatisierung ja um vier Bundeswohnungsgesellschaften. Hochegger hat damals gemeint, dass, wenn wir nur die eine Gesellschaft Buwog wollten, wir dies nur im Rahmen eines Österreich-Konsortiums stemmen könnten. So ist das Konsortium aus Immofinanz auf der einen Seite, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich und Wiener Städtische auf der anderen entstanden. Unser Interesse war ausschließlich die Gesellschaft Buwog. Wir hätten ohne das Konsortium gar nicht an dem Prozess teilgenommen.

profil: Sie haben nicht nur daran teilgenommen, sondern vom damaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser schließlich auch den Zuschlag erhalten. Sie sollen in diesem Zusammenhang immer wieder vom „besten Geschäft“ Ihres Lebens gesprochen haben …
Petrikovics: Das war auch das beste Geschäft für die Immofinanz. Der Buwog-Quadratmeter wird von der Immofinanz momentan mit 1000 Euro bewertet, der Einkaufspreis lag bei 500 Euro. Der von der Immofinanz übernommene Teil umfasste etwa 2,5 Millionen Quadratmeter. Wir reden also von einem Vermögenseffekt für die Immofinanz in der Höhe von 1,25 Milliarden Euro.

profil: Also hat Minister Grasser die Buwog zu billig verkauft?
Petrikovics: Eingedenk der Umstände hat er sie bestmöglich verkauft. Das Angebot des Österreich-Konsortiums war evidentermaßen das höchste. Sie können sich aber vorstellen, dass der Bund als Eigentümer nicht der ideale Immobilien-Assetmanager ist.

profil: Das Immofinanz-Konsortium hat das gesamte Buwog-Paket 2004 für 961 Millionen Euro übernommen. Ihr Angebot lag um gerade einmal eine Million Euro über jenem der unterlegenen CA Immo. Hochegger hat zwischenzeitlich zugegeben, dass ihm Walter Meischberger zuvor beschieden hatte, die Immofinanz möge „nicht unter 960 Millionen Euro“ gehen. Diese Information hat Hochegger Ihnen nach eigener Aussage auch übermittelt. War das so?
Petrikovics: Sollte ich damals zur Buwog Informationen erhalten haben, dann immer nur über Herrn Hochegger.

profil: Walter Meischberger sind Sie nicht begegnet?
Petrikovics: Nein. Von ihm habe ich erst aus den Medien erfahren.

profil: Wie steht es um den damaligen ­Buwog-Aufsichtsratsvorsitzenden Ernst Karl Plech?
Petrikovics: Herrn Plech kannte ich bestenfalls flüchtig von der einen oder anderen Immobilienveranstaltung.

profil: Und hatten Sie vorab Kontakt zu Karl-Heinz Grasser?
Petrikovics: Nein.

profil: Wenn bei der Buwog-Privatisierung, wie ja ausnahmslos alle Beteiligten beteuern, wirklich alles mit rechten Dingen zugegangen sein soll – was genau war Ihnen dann annähernd zehn Millionen Euro Provision wert?
Petrikovics: Es ging uns zum Beispiel darum, Informationen vom Markt zu bekommen.

profil: Was meinen Sie mit Markt?
Petrikovics: In einer Stadt wie Wien wird auf Festen, in Lokalen und bei sonstigen Gelegenheiten viel geplaudert, wodurch Informationen in Umlauf geraten. Idealerweise sollte man davon erfahren.

profil: Fast zehn Millionen Euro für das Einsammeln von Tratsch? Das soll Hocheggers Leistung gewesen sein?
Petrikovics: Sie dürfen nicht vergessen, dass Hochegger ausschließlich erfolgsabhängig gearbeitet hat. Hätten wir für das Buwog-Paket zu wenig geboten, hätte auch er nichts bekommen. Was in diesem Zusammenhang übrigens untergeht, ist, dass die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich der eigentliche Konsortialführer war. Das finale Gebot wurde in einer Sitzung unter deren Leitung beschlossen.

profil: Sie haben gegenüber der Staatsanwaltschaft Wien ausgesagt, dass die RLB Oberösterreich die Hälfte der Hochegger-Provision geschultert hätte. Trifft das zu?
Petrikovics: Wirtschaftlich ja.

profil: Heißt was genau?
Petrikovics: Wir haben die vier Bundeswohnungsgesellschaften folgendermaßen gekauft: Raiffeisen Oberösterreich hat die beiden oberösterreichischen Gesellschaften gekauft plus 44 Prozent der ESG Villach. Die Immofinanz hat 100 Prozent der Gesellschaft Buwog gekauft plus 56 Prozent der ESG. Nach einem halben, Dreivierteljahr hat die Immofinanz von Raiffeisen die 44 Prozent der ESG gekauft. Und Teil des Kaufpreises war eine anteilige Zahlung für Hochegger.

profil: Raiffeisen Oberösterreich wusste also von der Hochegger-Provision?
Petrikovics: Selbstverständlich. Hochegger hatte ja auch direkten Kontakt mit Linz.

profil: Hatten Sie nach dem Buwog-Deal noch Kontakt zu Hochegger?
Petrikovics: Nein, nie mehr.

profil: Sie galten stets als engagierter Netzwerker mit ausgesuchten Kontakten in die Wirtschaft, vor allem aber auch in die Medien. Sie sollen den Brüdern Wolfgang und Helmuth Fellner zumindest ein Objekt in Wien zu sehr interessanten Konditionen verkauft haben.
Petrikovics: Was Sie da ansprechen, kenne ich nur aus den Zeitungen.

profil: Sie werden sich doch wohl an den Geschäftsfall erinnern.
Petrikovics: Ja. Aber dabei handelt es sich um einen Geschäftsfall vor über zehn Jahren. An Details kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich bin dazu auch noch nie befragt worden.

profil: Dann gestatten Sie nur eine Frage dazu: Was haben Sie sich davon erwartet, den Brüdern Fellner eine Immobilie zu verkaufen?
Petrikovics: Die Constantia Privatbank hat den Fellners eine Immobilie verkauft, weil die Fellners in Immobilien investieren.

profil: Sie haben aber auch dem stellvertretenden Chefredakteur der „Kronen Zeitung“ und Herausgeber des Wirtschaftsmagazins „Gewinn“, Georg Wailand, zumindest ein Zinshaus verkauft.
Petrikovics: Herr Wailand hat Objekte der Constantia Privatbank gekauft oder sich daran beteiligt.

profil: Es fällt auf, dass Sie seinerzeit gern gesehener Referent auf der „Gewinn“-Messe waren. Daneben hat Ihnen auch die „Kronen Zeitung“ immer wieder schöne Storys gewidmet. Besonders angetan hat es mir ein von Georg Wailand selbst verfasster Artikel vom September 2006 mit dem Titel: „Tempomacher Dr. Karl Petrikovics: schneller, härter, rentabler“. Besteht da ein Zusammenhang?
Petrikovics: Dass Dr. Wailand in Immobilien investiert, ist für die Medienbranche nicht ehrenrührig, glaube ich.

profil: Haben Sie sich wohlmeinende Berichterstattung erkaufen wollen?
Petrikovics: Die Herren Fellner und Wailand waren Kunden der Constantia Privatbank, die Produkte bei der Constantia Privatbank gekauft haben. Nicht mehr und nicht weniger.

profil: Wer hat diese Deals denn abgewickelt? Oder anders gefragt: Ab welcher Gewichtsklasse konnte man mit Karl Petrikovics direkt ins Geschäft kommen?
Petrikovics: Mit Kundenbetreuung hatte ich in all den Jahren nichts zu tun, für Kunden waren meine Kollegen Norbert Gertner und Karl Arco zuständig.

profil: Laut der vorliegenden Anklageschrift soll der gesamte Konzern sehr stark auf Sie ausgerichtet gewesen sein. Da heißt es etwa: „Petrikovics wird von ehemaligen Mitarbeitern als Diktator, als Alleinherrscher beschrieben. Er verlangte unbedingten Gehorsam, größtmöglichen Einsatz, wobei er als Maßstab sich selbst heranzog.“
Petrikovics: Und das glauben Sie?

profil: Die Staatsanwaltschaft Wien glaubt das.
Petrikovics: Ich habe dazu im Akt keine einzige Aussage gefunden. Das wird einfach als Tatsache hingestellt, um eine insgesamt tönerne Anklage zu untermauern. Ich war verantwortlich für die damals größte Privatbank Österreichs und zwei riesige Immobiliengesellschaften, die zusammen 15 Milliarden Vermögen hatten. Das entspricht etwa dem Wohnraum der Städte Linz, Klagenfurt und St. Pölten zusammen. Glauben Sie allen Ernstes, dass da einer alleine alles entscheiden kann? Und Tatsache ist, dass es in den letzten zehn Jahren unter meinen engen Mitarbeitern null Fluktuation gab. Wenn ich dieser Diktator gewesen wäre, hätte das wohl anders ausgesehen.

profil: Wie würden Sie Ihren Führungsstil denn dann beschreiben?
Petrikovics: Effizient. Wir haben aus dem Nichts heraus, und hier zitiere ich meinen Nachnachfolger bei der jetzigen Immofinanz, eine der fünf führenden börsennotierten Immobiliengesellschaften Europas geschaffen. Das war nicht der Karl Petrikovics allein. Wir hatten ein exzellentes Team, das Tag und Nacht daran gearbeitet hat, diese Gesellschaften groß zu machen, und das ist uns am Ende auch gelungen.

profil: Ihr Nachnachfolger Eduard Zehetner hat in einer ersten Reaktion auf die Anklageschrift aber auch gemeint: „Wir sind davon überzeugt, dass der Strafprozess den Selbstbedienungsladen Petrikovics offenlegen wird. Die Immofinanz sowie die mittlerweile in der Immofinanz Group aufgegangene Immoeast waren genauso Opfer dieses Systems wie die Aktionäre.“
Petrikovics: Im Interesse des Unternehmens, das ich groß gemacht habe, werde ich jetzt sicher keine Aussage zu den Aussagen vom Herrn Zehetner machen. Das ist nicht mein Stil.

profil: Sie lassen das also unkommentiert im Raum stehen?
Petrikovics: Zehetners Stellungnahme disqualifiziert sich doch von selbst.

profil: Tut sie das? Der amtierende Immofinanz-Chef gibt in letzter Konsequenz nur wieder, was die Staatsanwaltschaft Wien in ihrer Anklage aufwirft: dass Sie private Geschäfte zulasten der Unternehmensgruppe und ihrer Aktionäre getätigt hätten.
Petrikovics: Wie schon eingangs gesagt, bin ich davon überzeugt, dass nichts von diesen Vorwürfen übrig bleiben wird.

profil: Sie haben einst nach eigenem Bekunden 80 Stunden in der Woche gearbeitet …
Petrikovics: Eher mehr.

profil: Das müssen Sie jetzt nicht mehr, nehme ich an.
Petrikovics: Ich habe diesbezüglich jetzt beträchtlich mehr Lebensqualität.

profil: Wie organisiert Karl Petrikovics sein Leben nach der Immofinanz?
Petrikovics: Momentan beschäftigt er sich mit dieser Anklage.

profil: Sie beschäftigen jetzt anstelle von ­Installateuren, Elektrikern und sonstigen Gewerken hauptsächlich Rechtsanwälte.
Petrikovics: Wenn man es so pointiert formulieren möchte, ja.

profil: Und wenn Sie nicht gerade mit Ihren Anwälten konferieren …
Petrikovics: … berate ich international tätige Immobilieninvestoren.

profil: Ein einträgliches Geschäft. Da winken schöne Gagen bei vergleichsweise weniger Arbeit. 80 Wochenstunden und mehr müssen Sie jedenfalls nicht mehr ableisten.
Petrikovics: Das könnte ich derzeit auch gar nicht. Die Anklage und die Ermittlungen limitieren einen im Handeln, und das ist eine beträchtliche Belastung.

profil: Macht es überhaupt Spaß, 80 Stunden die Woche zu arbeiten?
Petrikovics: Ja, mir hat das Spaß gemacht. Ich habe im Konzern Aufgaben übernommen und glaube, dass ich sie bestmöglich erfüllt habe. Diese Arbeit bedeutete auch, 200 Tage im Jahr im Ausland zu sein. Wir haben, hier zitiere ich wieder meinen Nachnachfolger, eine der fünf führenden börsennotierten Immobiliengesellschaften Europas geschaffen.

profil: Hat nichts daran geändert, dass Sie im Oktober 2008 abtreten mussten. Und jetzt könnten Sie für die Ihnen angelasteten Taten theoretisch auch ins Gefängnis gehen …
Petrikovics: Ich bin überzeugt davon, dass diese Sache in einem Freispruch münden wird. Ich habe vollstes Vertrauen in die österreichische Justiz.

profil: Das hatte Helmut Elsner zunächst auch. Sie verwenden keinen Gedanken an eine Haftstrafe?
Petrikovics: Nein. Ich habe nichts verbrochen. Ich habe Gewinne auf Aktien lukriert, auf die ich Anspruch hatte. Dem ­Unternehmen wurde kein Schaden zugefügt.

profil: Was es vor Gericht zu beweisen gilt.
Petrikovics: Und das werde ich. Ich habe der Staatsanwaltschaft Wien den Sachverhalt ohnehin zweimal dargestellt, im Juli 2009 und im Juni 2011. Doch das wurde in wesentlichen Teilen gar nicht untersucht. Selbstverständlich werde ich zeitgerecht Einspruch gegen die Anklage erheben. Sollte es auf Grundlage dieser Anklageschrift dennoch zu einem Prozess kommen, wird das Gericht meine Einwände untersuchen müssen. Und dann wird sich zeigen, dass meine Einschätzung der Situation die richtige war und ist.