Phantomkrankheit „Burn-out“

Psyche. Als Krankheit ist das „Burn-out“-Syndrom wissenschaftlich nicht anerkannt. Dennoch boomt das Geschäft mit der Modediagnose wie nie zuvor. Hinter dem inflationär gebrauchten Begriff stehen häufig klinische Störungen, deren Fehltherapien gefährliche Konsequenzen haben können.

Der erste dokumentierte „Burn-out“-Zustand bei einem Prominenten stammt aus dem 13. Jahrhundert vor Christus. Moses brachte seine Führungsposition bei der Volkswanderung in derartige seelische Bedrängnis, dass sein Schwiegervater ihn streng abmahnte: „Die Sache ist nicht gut, die du tust. Du reibst dich auf!“ Im ­vierten Buch wird dem Top-Manager der Israeliten der Stress dann doch zu viel. Er richtet einen verzweifelten Hilfsappell an Gott und wünscht sich zu sterben.

Die klinisch korrekte Diagnose für den ausgebrannten Volksführer wäre in diesem Fall eine Erschöpfungsdepression; medial würde Moses heute mit Sicherheit als „Burn-out-Opfer“ ausgeschlachtet werden. Denn die schwammige Diagnose „Burn-out“ wird heute über nahezu jedes seelische Leiden gestülpt. 15 Millionen Einträge finden sich allein im Internet zum Begriff; ständig werden in den Boulevardmedien Prominente mit ihren „Burn-out“-Tragödien vorgeführt: Robbie Williams, der eine Welttournee mit den Worten „Ich fühlte mich, als ob ich auf der Titanic einchecken würde“ abbrach. Der einst weltbeste Skispringer Sven Hannawald, der 2004 wegen totaler Erschöpfung über Monate in einer Klinik stationiert war und ein Jahr später seinen Rücktritt bekannt gab. Der weltbeste Koch, der Spanier Ferran ­Adrià, der die Pforten seiner Gourmet-Pilgerstätte „El Bulli“ schloss, weil er „den bestialischen Rhythmus mit täglich 15 bis 17 Stunden Arbeit“ nicht länger ertrug. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadine-
jad, der sich 2008 eine Auszeit wegen totaler Überarbeitung nehmen musste. Der Rapper Eminem, die Pop-Sängerin Maria Carey, der deutsche Fernsehkoch Tim Mälzer, der deutsche SPD-Vorsitzende Matthias Platzeck, dessen Rücktrittsbegründung lautete: „Ich habe meine Kräfte überschätzt.“

Sie alle wurden von den Medien mit einer Krankheit etikettiert, die eigentlich gar nicht existiert. Einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Marketagent.com zufolge fühlt sich auch jeder vierte Österreicher von „Burn-out“ bedroht; zwei Drittel der Befragten berichteten von zumindest einem „Burn-out“-Fall in ihrem Freundes- oder Bekanntenkreis. „,Burn-out‘ ist keine Krankheit, sondern eine Geisteshaltung“, konstatiert der Ex-Skispringer und heutige Sportmanager Hubert Neuper, der sich aus seinen Depressionen im Alleingang langsam befreite.

Schickes Leiden. Auch auf der von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) erstellten ICD-10-Klassifikation, einer Liste der medizinisch erfassten Krankheiten, ist „das schicke Leiden“, so das deutsche „Managermagazin“, nicht registriert. Lediglich als Zusatzkodierung: Da wird „Burn-out“ als begriffliche Ergänzung zum Erschöpfungssyndrom angeführt. „Wie schaffen es die Therapeuten eigentlich, mit dem Begriff „Burn-out“ zu arbeiten, ohne dabei rot anzulaufen“, kritisierte der deutsche Psychiater und Psychotherapeut Andreas Hillert, Co-Autor des Buchs „Die Burnout-Epidemie“, bei einem Vortrag in Zürich den inflationären Umgang mit der Definition in der Fachwelt. „,Burn-out‘ ist ein Etikettenschwindel“, ergänzte sein Autorenkollege Michael Marwitz, „es ist weder möglich, ,Burn-out‘ sicher zu diagnostizieren, noch einem Menschen, der sich ausgebrannt fühlt, zu beweisen, dass er nicht an diesem Syndrom leidet.“ Dass „Burn-out“ nicht mehr als eine diffuse Zustandsbeschreibung und weder eine Krankheit noch eine therapeutisch relevante Diagnose darstellt, ist wissenschaftlicher Konsens.

„Um ein Phänomen klinisch anzuerkennen“, erklärt Rotraud Perner, Psychotherapeutin und Betreiberin des Instituts für Stressprophylaxe und Salutogenese in Niederösterreich, „braucht es eine Vielfalt von Fällen mit eindeutigen, objektiv feststellbaren Symptomen, die weitgehend unabhängig von äußeren Umständen sind.“ Das sei bei „Burn-out“ nicht gegeben, da dieser Zustand nicht mehr als „eine subjektive Bewertung eigener Gefühle und Empfindungen darstellt, mit denen auf soziale Einflüsse reagiert wird“. Bevor der Terminus, der vom US-Psychoanalytiker Herbert Freudenberger 1974 erstmals in einer wissenschaftlichen Publikation benutzt wurde, um seinen eigenen Erschöpfungszustand metaphorisch zu beschreiben, sich zu einem medialen Flächenbrand auswuchs, hätte man, so Perner, dafür den Ausdruck „am Rande des Nervenzusammenbruchs“ benutzt. Paradoxon ist, dass selbst als „Burn-out“-Experten definierte Psychiater und Psychotherapeuten das Phänomen in Zweifel stellen. Unter der ­Etikette „Burn-out“ fänden sich inzwischen „mindestens 130 Symptome“, so Matthias ­Burisch, Autor von „Das Burnout-Syndrom: Theorie der inneren Erschöpfung“, auch die herkömmlichen „Burn-out“-Fragebögen wären das Papier, auf dem sie gedruckt sind, kaum wert. Wer dort viele Punkte erzielt, würde das gleiche Ergebnis auch bei einem Depressionstest erlangen.

„Als diagnostischer Terminus ist der Begriff ‚Burn-out‘ gänzlich unbrauchbar“, wehrt sich auch der deutsche Arzt und Leiter einer psychosomatischen Klinik am Chiemsee, Andreas Hillert, gegen die mediale Vereinnahmung des Symptoms, „es lässt sich schlicht nicht definieren, wo ‚Burn-out‘ anfängt, aufhört und wie sich dieses Symptom zu anderen Diagnosen verhält.“ Denn im Gegensatz zu Depressionen gäbe es keine Kriterien, nach denen entschieden werden kann, ob jemand an „Burn-out“ leidet oder nicht. Das heißt aber nicht, dass jene Menschen, die an Kraft- oder Antriebslosigkeit, Sinnkrisen, Schlafstörungen und permanenter Erschöpfung leiden, um die häufigsten Begleitsymptome zu nennen, die mit dem Schlagwort in Verbindung gebracht werden, allesamt eingebildete Kranke sind. „Hinter dem Modebegriff verbirgt sich in der Regel eine psychische Störung“, erklärt der Wiener Psychiater Gerhard Lenz, Leiter des „Zentrums für seelische Gesundheit“ in der Wiener Leopoldau – einer Tagesklinik, wo Patienten, denen wegen ihres Berufs und der Familie keine mehrwöchige Rehabilitation fernab ihres Wohnorts möglich ist, nach stationären Aufenthalten nachbehandelt werden können. Die häufigste Symptomüberschneidung fände sich, so auch Lenz, mit Depressionen, gefolgt von Angststörungen, Panikattacken, aber auch Schizophrenie, einer Krankheit, die im gemilderten Ausmaß mit einem starken Realitätsverlust einhergeht und in schweren Fällen Wahnvorstellungen zur Folge hat. Auch Barbara Hochstrasser, Chefärztin einer auf ­affektive Störungen spezialisierten Klinik im Berner Oberland, sieht „klare klinische Depressionen“ als Hauptauslöser für vordergründige „Burn-out“-Symptome.

Unter ihren Patienten würden „50 bis 80 Prozent“ an Depressionen, vor allem Erschöpfungsdepressionen, leiden. Der Etikettenschwindel lässt sich leicht mit der sozialen Akzeptanz von psychischen Erkrankungen erklären: Im Gegensatz zu Angststörungen und Depressionen, die noch immer gesellschaftlich stigmatisiert sind und die Betroffenen mit dem Odeur des Losers und Versagers umgeben, ist die vergleichsweise harmlos anmutende Diagnose „Burn-out“ innerhalb der Leistungsgesellschaft weitaus salonfähiger. Denn wer einmal brannte, hat zumindest so den Nachweis erbracht, als funktionierendes Rädchen in der Arbeitsmaschinerie gerattert zu sein. Der Begriff „Burn-out“ impliziert, dass die Betroffenen sich besonders verausgabt und überdurchschnittliches Engagement im Job gezeigt hätten. „Dieses Etikett ist ein attraktives Konzept“, erklärt Beate Schulze, die an der Züricher Universität ein Programm für Stressmanagement und „Burn-out“-Prävention aufgebaut hat, „und fungiert auch für manchen wie ein Rettungsanker in einer Gesellschaft, die zunehmend von sozialen Abstiegsängsten bestimmt wird.“ Die Verschleppung und Wahrnehmungsnegation von beginnenden Erschöpfungszuständen kann sich in chronifizierten Angststörungen und Depressionen niederschlagen. Je weiter die psychische Krankheit fortgeschritten ist, desto langwieriger und schwieriger gestaltet sich ein therapeutischer Heilungsprozess. In akuten Fällen ist ein stationärer Aufenthalt von sechs Wochen die Regel, der nachfolgende Regenerationsprozess wird von der Depressionsexpertin Barbara Hochstrasser mit sechs Monaten anberaumt.

Seelenalarm.
Der volkswirtschaftliche Schaden, den die Chronifizierung psychischer Erkrankungen nach sich zieht, ist enorm. Laut dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger stiegen die Erwerbsunfähigkeitspensionen aufgrund psychiatrischer Krankheiten seit 1995 um 116,7 Prozent – von knapp 43.000 auf über 93.000 Fälle im Jahr 2009. Die jährlichen Neuzugänge im gleichen Zeitraum eskalierten um 153,9 Prozent. Die Spitalsaufenthalte mit psychiatrischem Hintergrund wuchsen seit Mitte der neunziger Jahre um 96,6 Prozent. Insgesamt verursachten seelische Beschwerden 2009 mehr als 2,4 Millionen Krankenstandstage, deutlich mehr als die Hälfte betrafen Arbeitnehmerinnen: Frauen waren im Jahr 2009 knapp über 1,5 Millionen Tage aus psychiatrischen Gründen im Krankenstand – um 155,4 Prozent mehr als vor 15 Jahren. Für Psychopharmaka wendeten österreichische Sozialversicherungsanstalten im Jahr 2009 262 Millionen Euro auf, um 89,5 Millionen mehr als noch im Jahr 2003. Wobei die tatsächlichen Ausgaben für Psychopharmaka noch wesentlich höher liegen: In der Statistik der Sozialversicherungen werden Medikamente, deren Kosten unter der Rezeptgebühr liegen, nicht erfasst – was laut Hauptverband gerade bei Psychopharmaka einen wesentlichen Faktor ausmache. Aber auch bei Arbeitern liegen psychiatrische Gründe mit zuletzt 29,9 Prozent nur noch knapp hinter dem „traditionellen“ Arbeiter-Frühpensionierungsgrund „Krankheiten des Bewegungs- und Stützapparats“ (sprich Rücken- und Gelenksprobleme). Wobei „Rückenleiden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht und Alkoholismus häufig im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen stehen“, so die Suchtexpertin am Wiener AKH, Gabriele Fischer. Auch Hörsturz, Tinnitus und Migräne gelten als psychosomatische Reaktionen auf Stress, Überforderung und Erschöpfung. Das Ausmaß des Notzustands der österreichischen Seele begründet Fischer damit, dass „Psychiatrie in diesem Land noch immer ein Mangelfach ist“. Besonders die Entwicklung der Kinderpsychiatrie wurde „gesundheitspolitisch ignoriert, um nicht zu sagen völlig verschlafen.“

Keine gerichtliche Anerkennung.
„Des Burn-out gibt’s ja heutzutage schon auf Krankenschein“, konstatiert der Kabarettist Roland Düringer flapsig in seinem aktuellen Programm. Doch auch für die Kran­kenkassen existiert die Phantomkrankheit nicht. „Für eine vorzeitige Pensionierung sind permanente psychiatrische Leiden wie Depressionen oder Persönlichkeitsstörungen ausschlaggebend, die mindestens sechs Monate andauern müssen“, erklärt Klaus Pirich, stellvertretender Chefarzt der PVA.

Auch vor Gericht gilt „Burn-out“ nicht als Ursache für Unzurechnungsfähigkeit bei Straftaten. Ein wegen Untreue angeklagter Spitzenmanager der Hypo Steiermark Leasing versuchte im vergangenen Dezember seine Verantwortung für Millionenverluste mit einem „Burn-out“ zu begründen, das sich in den Symptomen Schlafstörungen, Magenschmerzen und „depressionsartigen geistigen Zuständen“ niederschlug. Die Verteidigungsstrategie wurde vom psychiatrischen Gutachter Friedrich Rous mit der Erklärung abgeschmettert, dass „Burn-out“ keine Krankheit, sondern ein Vorgang sei, der allenfalls in eine Depression münden kann. Dass der Angeklagte im fraglichen Zeitraum aber kaum Krankenstandstage angehäuft hatte, spreche gegen seine Behauptung: „Eine massive Depression und die gleichzeitige Ausübung einer Führungs­position ist unmöglich.“ Der Prozess läuft. Ungeachtet der fachlichen Negation des Phänomens als Krankheit entstand eine ­regelrechte „Burn-out“-Industrie, „die wie geschmiert läuft“, so die Schweizer „Weltwoche“. Und bisweilen skurrile Blüten treibt. Im niederösterreichischen Neunkirchen lud unlängst die Bezirksbauernkammer „Burn-out-gefährdete Bäuerinnen“ zu Prävention mittels Qigong-Übungen ein.

Auch kirchliche Institutionen haben erkannt, dass mit der Erschöpfung der gestressten Schafe Gewinn zu machen ist. In der „Schule des Daseins“ des Stifts St. Lambrecht werden klösterliche „Aus-Zeiten“ angeboten, das „Haus der Stille“ in Heiligenkreuz am Waasen bietet gleich eine ganze Palette an Einkehrvarianten vom kompletten „Orientierungsjahr“ bis zum geruhsamen Kurzaufenthalt an. Für die Wellness-Industrie hat sich „Burn-out“ schon seit ­Jahren zu einer regelrechten Cashcow entwickelt. Um 1340 Euro die Woche kann man zur „Stresskur“ in das Weinviertler Kurhotel Pirawarth einchecken. Im Rahmen einer hauseigenen Methode könne man dort gleich zwei Geißeln der Moderne bekämpfen: „Burnout und Übergewicht – die Pirafit-Methode ist die Antwort auf diese Herausforderungen“. Im lukrativen Buch­segment der Lebensratgeber werden im Wochentakt Werke wie „Kosmisch-energetische Heilung von Burn-out“ oder „Das 30-Minuten-Programm gegen Burn-out“ auf den Markt geschwemmt. Dass eine ganze Industrie munter ein Phantomphänomen besetzt, findet Stressexpertin Rotraud Perner per se nicht gefährlich: „Das Angebot diverser Erholungsarten stellt auch die Möglichkeit eines präventiven Gegensteuerns dar, und das ist auch schon salutogen.“ Im Falle einer bereits beginnenden Erschöpfungsdepression, Angststörung oder Panik­erkrankung können solche selbst gebastelten Placebo-Therapien jedoch die psychischen Störungen verschlimmern und dauerhaft werden lassen. „Der Markt ist überschwemmt mit teils dubiosen Behandlungsangeboten“, warnt die Schweizer Expertin Beate Schulze, „wenn die eigentliche Problematik nicht behandelt wird, kommt es zu hohen Rückfallquoten.“ Oder auch zu kompletten Zusammenbrüchen, von denen sich die Betroffenen im schlimmsten Fall aus eigener Kraft nicht mehr erholen können. „In diesen Zuständen sind Patienten nicht mehr psychotherapierbar, da hilft nur noch Medikation“, so die Suchtexpertin Gabriele Fischer. Erste Regel in der Prävention ist laut Beate Schulze die Anerkennung der eigenen Erschöpfung: „Man muss dem Körper zugestehen, sich regenerieren zu dürfen. Auch Spitzensportler wissen, dass sie nur Top-Leistungen erbringen können, wenn sie zwischendurch bewusst Phasen der Erholung durchleben. Nur ist es in der heutigen, auf ständige Erreichbarkeit ausgerichteten Arbeitswelt leider nicht mehr angesagt, gezielt und regelmäßig Pausen zu machen.“ Die Gefahr der Selbstausbeutung und damit eines Erschöpfungscrashs hängt vor allem mit der charakterlichen Disposition zusammen. Menschen, die vom Perfektionismus getrieben sind, sich nicht erlauben, nicht zu funktionieren, Rückschläge als persönliche Kränkungen empfinden, verlernt haben, sich abzugrenzen, indem sie zum Beispiel ständig erreichbar sind, und generell an einem geringen Selbstwertgefühl leiden, kippen leichter in Erschöpfungsdepressionen als solche, die über ein internes Kontrollsystem verfügen und sich regelmäßige Auszeiten verordnen. „Dieser Beruf fordert einen 24 Stunden täglich“, erzählt der ehemalige Bundeskanzler Franz Vranitzky über seine Politikerzeit, „man kann aber nicht umdrehen. Genauso wie ein Marathonläufer bei Kilometer 23 nicht umdrehen kann. Ich selbst habe mich durch körperlichen Ausgleich wie Basketball und Bergsteigen auch seelisch fit gehalten.“ Der Begriff „Burn-out“ existierte während seiner aktiven Zeit noch nicht. „Da sind Politiker offiziell nur wegen Grippe oder etwas Ähnlichem, aber sicher nicht wegen Stressbelastung ausgefallen.“ Der Deckmantel „Burn-out“ sei, so die deutsche Stressforscherin Isabella Heuser, „besonders Männern“ willkommen: „Das ist etwas, was sich die Männer gerade noch eingestehen können, wenn sie an einer Depression erkrankt sind.“ Womit sich zeigt, dass die nahezu begeisterte gesellschaftliche Auseinandersetzung mit einem Krankheitsphantom auch seine Vorteile hat. Denn irgendwann werden die seelischen Erkrankungen, die sich hinter dem gefälligen Terminus verstecken und deren größten Anteil Depressionen stellen, aus der Tabuzone befreit werden.

„Natürlich wird unser Begriff ,Burn-out‘ meist völlig falsch verwendet“, kommentierte die US- Psychotherapeutin Christina Maslach, die nach Freudenberger als „Entdeckerin“ des Phänomens gilt, den Flächenbrand bereits im profil-Interview (Nr. 28/2006), „aber das Echo zeigt uns doch, dass wir offensichtlich das Wundzentrum einer Gesellschaft offengelegt haben. Plötzlich entdeckt die Menschheit, dass sie eine Seele hat.“

Mitarbeit: Tina Goebel, Sebastian Hofer

Experten-Interviews und mehr zum Thema „Burn-out“ finden Sie im aktuellen profil 11/08!