Physik: Albert und der Alte

Einstein träumte zeitlebens von der Entdeckung eines sinnvollen kosmischen Masterplans.

Letztlich biss er sich die Zähne daran aus: Fast sein halbes Leben lang suchte Albert Einstein nach einem einheitlichen Prinzip für die Beschaffenheit der Welt – einer vollendeten Theorie, die sämtliche Gesetzmäßigkeiten einschließen sollte. Dieses Vorhaben misslang, und so kam es, dass der größte aller Physiker von der Entdeckung der Allgemeinen Relativitätstheorie bis zu seinem Tod im Jahr 1955 kaum eine wirklich bedeutende Leistung mehr hervorbrachte.

Seine Suche nach einer allumfassenden „Weltformel“ – die bis heute nicht gefunden ist – hatte allerdings nicht direkt mit Religion zu tun. Schon als Kind entwickelte Einstein, kaum hatte er Humboldt und Darwin entdeckt, eine tiefe Skepsis gegenüber kirchlichen Lehren, weil vieles in der Bibel „nicht wahr“ sein konnte. Doch zugleich war er von der Philosophie einer klugen kosmischen Ordnung beseelt und träumte davon, das „Absolute, Allgemeingültige, Invariante herauszufinden“.

Einstein hielt die Gesetze der Natur dem Wesen nach für sinnvoll und schön, und wenn er nach Formeln rang, bemühte er einen zumindest symbolischen Gottesbegriff, eine Art ordnende Macht. Er wollte wissen, „welche Schräubchen der Herrgott anwendet“. Überzeugt von einem – grundsätzlich der Sprache der Mathematik zugänglichen – universellen Masterplan der Natur, lehnte Einstein vor allem die Phänomene der Quantenwelt vehement ab, in der tatsächlich teils purer Zufall regiert. Er bemäkelte am Zufalls-Postulat, „dass der eigentliche Witz, den uns der ewige Rätselgeber vorgelegt hat, absolut noch nicht begriffen ist“. Die Quantenmechanik sei zwar sehr „achtunggebietend“. Doch „dem Geheimnis des Alten bringt sie uns kaum näher. Jedenfalls bin ich überzeugt, dass der nicht würfelt.“

Über drei Jahrzehnte ersann Einstein Theorie um Theorie – und verwarf sie stets. Doch er gab nie auf, obwohl er in Fachkreisen zusehends als schrulliger Außenseiter belächelt wurde. Resigniert bemerkte er: „Es scheint hart, dem Herrgott in seine Karten zu gucken.“

Alwin Schönberger