Porträt: Grüner Finger

Karl Ploberger, Biogärtner der Nation, landete mit seinem Gartenbuch für „intelligente Faule“ einen Bestseller. Ab 22. April moderiert er die erste österreichische TV-Gartensendung.

Karl Ploberger wohnt dort, wo andere Urlaub machen: in Seewalchen am Attersee in einem schönbrunngelben Haus am Ende einer Wohnstraße. Gleich dahinter beginnt der Wald. Das Haus steht inmitten eines weitläufigen Gartens. Es ist im Stil der Salzkammergutvillen der Jahrhundertwende gebaut; mit grün gestrichenen Holzveranden und einem Giebel, an dem ein Schild mit der Aufschrift „Waldvilla Karulli“ angebracht ist. „Karulli“ steht für Karl und Ulli, erklärt Karl Ploberger. Ulli ist seine Frau. Sie ist Lehrerin in Vöcklabruck. Dort haben die beiden sich auch kennen gelernt, vor 28 Jahren, in der dritten Klasse Handelsakademie. „Ja, ich weiß, so was gibt’s heute fast nicht mehr“, sagt Karl Ploberger heiter. Die gemeinsame Tochter Karoline ist elf.

Immer wieder pilgern fremde Leute an Haus und Garten vorbei und schauen mit neugierigem Blick über den Zaun. „Das ist der Garten vom Ploberger“, hört Karl Ploberger sie dann zueinander sagen. Oder: „Da wohnt der Biogärtner Ploberger.“ Mit dem erfreuten Ausruf „He, der faule Gärtner!“ begrüßte ihn kürzlich ein Gendarm, der ihn in Sankt Florian bei einer Verkehrskontrolle aufhielt. Auf der Gartenmesse Wels, die jedes Jahr Anfang April stattfindet, kann Karl Ploberger „keine zwei Schritte gehen, ohne dass mich irgendwer anspricht und eine Frage stellt“. Und wenn er in der Sendung von Radio-Wien-Moderatorin Ines Schwandner Gartenfragen beantwortet, sind die Telefonleitungen regelmäßig überlastet.

Grün-Karriere. Karl Ploberger ist so etwas wie der Gärtner der Nation – genauer: der Biogärtner der Nation. Ab 22. April geht seine Grün-Karriere in die nächste Runde. Er wird Österreichs erste TV-Gartensendung moderieren – jeden Samstagnachmittag in ORF 2. Da wird man ihn dann sehen, wie man ihn schon aus seiner Zeit als „Willkommen Österreich“-Moderator kennt: vorzugsweise in einem blau gestreiften Hemd – ein großer, schlanker Mann Mitte vierzig, der zehn Jahre jünger aussieht, glatt rasiert, mit schmalrandiger Brille und akkuratem Kurzhaarschnitt mit Seitenscheitel. Typ: jedermanns liebster Schwiegersohn. Oberösterreichisch gefärbter Tonfall, Strahlerlächeln. Unprätentiös, redselig und freundlich. Ein Sympathieträger nach ORF-Nachmittags- und Vorabendprogrammgeschmack; allerdings einer, dessen telegene Familientauglichkeit nicht erst angelernt werden musste, sondern mit seinem jovialen Naturell übereinstimmt. Einer, der glaubwürdig erklären kann, dass es ihm beim Gärtnern auch darum geht, seiner Tochter beizubringen, „dass die Himbeeren nicht aus der Tiefkühlpackung, sondern vom Strauch kommen“.

Dass er immer wieder „der faule Gärtner“ genannt wird, hat mit einem Buch zu tun, das ihn im gesamten deutschsprachigen Raum bekannt gemacht hat: Es heißt „Der Garten für intelligente Faule“ und hat sich bisher – mitsamt seinen Spinoffs wie „7 Schritte zum Garten für intelligente Faule“, „Die schönsten Balkone & Terrassen für intelligente Faule“ oder „Willkommen in meinem Garten“ – 150.000-mal verkauft. Karl Ploberger hat damit einen Nerv getroffen. Jungfamilien mit Reihenhausgarten, Thirtysomethings mit erster Dachterrasse, ratlose Wochenendhäusler und leidenschaftliche Hobbygärtner fühlten sich gleichermaßen angesprochen, ein Buch zu kaufen, das reiche Ernte und üppige Blütenpracht bei geringem Aufwand versprach. Intelligent und faul: Der Titel war genial gewählt. Ploberger erzählt, er habe nach einem Weg gesucht, das Thema Naturgarten all jenen schmackhaft zu machen, die auf die Schlagworte „Bio“ und „Öko“ ablehnend reagieren. In einem Buch fand er schließlich den Satz, dass ein Garten mit vielen Stauden ein „Garten für intelligente Faule“ sei. „Ich habe diese Idee aufgegriffen und das Drumherum ergänzt“, sagt er.

Einklang mit der Natur. „Intelligente Faule“ gärtnern mit einem reinen ökologischen Gewissen. Denn Ploberger vertritt die Idee, dass man weniger Arbeit hat, wenn man seinen Garten im Einklang mit der Natur anlegt. Geschrieben hat er sein Buch innerhalb von 14 Tagen. Er hat alles im Kopf. Er gärtnert, experimentiert und sammelt, seit er als Sechsjähriger das Gewächshaus des Hueber-Gärtners in Vöcklabruck mit seinen über 15.000 blühenden Zyklamen gesehen hat. „Wenn ich daran denk, krieg ich heut noch eine Ganslhaut“, sagt Ploberger. Die Floskel „Ich sag immer so …“, mit der er ab und zu einen Satz einleitet, verrät, dass er schon sehr viele Male nach der Geschichte seines Werdegangs gefragt worden ist.

Auch auf die Gartentipps, die er in „Oberösterreich heute“, in „Willkommen Österreich“, in Radio Salzburg oder Radio Wien gibt, braucht er sich kaum mehr vorzubereiten: „Es gibt wenige Gartenfragen, zu denen ich nicht sofort etwas sagen kann, weil ich fast alles ausprobiert habe.“ Zu seinen Vorträgen, Frage- und Autogrammstunden erscheinen hunderte Menschen: Bildungszentrum Maximilianhaus Attnang-Puchheim, Buchhandlung Thalia Gmunden, Volkshaus Keferfeld Linz, Wohnbautag Oberbank Wels, Volkshochschule Korneuburg, Stift Altenburg. Wer ihn als Vortragenden buchen will, muss auf nächstes Jahr warten. Heuer geht nichts mehr.

Dabei ist Gärtnern durchaus nicht Plobergers Beruf. Offiziell ist er Marketingleiter des ORF Oberösterreich. Davor war er Journalist und Pressefotograf – erst als Chronikredakteur beim „Kurier“ in Wien, dann als „Kurier“-Redaktionsleiter in Linz und schließlich als Nachrichtenredakteur beim ORF Oberösterreich. Eineinhalb Jahre lang, bis Sommer 2005, war er außerdem „Willkommen Österreich“-Moderator. Auf Dieter Chmelar – seinen Vorgänger als Co von Martina Rupp – angesprochen, meinte der von Intendantin Monika Lindner bei einem Linzer ORF-Fest als Moderator Entdeckte damals: „Ich habe Gartenstiefel an, und er hat Ballschuhe angehabt.“ Land versus Stadt: Ploberger weiß, wo seine Stärken liegen. Darum kehrte er auch nicht ungern von seinem Pendlerleben zwischen Wien und Oberösterreich nach Hause zurück: „Frau, Kind und Garten sind mir zu sehr abgegangen.“

Plobergers Erfolg hat mit authentischer gärtnerischer Besessenheit zu tun – und mit Jugendlichkeit: Als er vor 15 Jahren zum ersten Mal in „Oberösterreich heute“ seine Gartentipps gab, waren die Leute, die ihn aus dem Radio kannten, überrascht, keinen „Greis mit Strohhut“ zu sehen. Mit der landläufigen Überzeugung, dass es sich beim Gärtnern um eine Beschäftigung für Menschen ab 60 handelt, hat Ploberger aufgeräumt. Und auch damit, dass sich nur in Jute gehüllte, durchgeknallte, langhaarige Ökofritzen für Umweltfragen und biologisches Gemüse interessieren. Ploberger hat das Thema Naturgarten in die mehrheitsfähige, bodenständige Heimwerker-Sparte überführt. Dort wird jetzt kraft seiner Empfehlungen die Bodenqualität mit selbst gemachtem Kompost verbessert, durch das Mulchen von Beeten mit Rasenschnitt die lästige Unkrautjätpflicht reduziert und die Zahl der Insekten und Schmetterlinge durch das Anlegen von Ökoteichen erhöht. Nebenher führt Ploberger auch noch jährlich eine 150-köpfige Reisegruppe auf Gartenreise nach England und öffnet an fünf Samstagen im Frühjahr und Sommer seinen eigenen Garten für Interessierte: Seit sich einmal bei einem solchen „Offene Gartentür“-Anlass 1500 Menschen durch seinen Garten wälzten, muss er die Besucherzahlen limitieren – auf 90 am Vormittag und 90 am Nachmittag.

Bei der eigenen Gartenarbeit hilft ihm seit zwei Jahren seine Schwägerin. Karl Ploberger hat es selbst so gar nicht mit der Faulheit, die er predigt, dass ihm einfach nicht immer genug Zeit für seinen Garten bleibt.

Von Julia Kospach