Psychologie: Bitte reparieren Sie unsere Ehe!

Beziehungen als Stressfaktor: Das zusehends krisenanfällige Verhältnis zwischen Mann und Frau wird zum Hoffnungsgebiet einer ganzen Branche. Wie Paartherapie die Liebe wieder in Schwung bringen kann, wo sie nicht mehr hilft und wie man Konfliktkultur lernt.

Rauchende Beziehungstrümmer im Therapeutenzimmer. Das als Interview über die Erfahrungen eines Paares geplante Gespräch verselbstständigt sich. „Wie würdest du denn unser aktuelles Verhältnis definieren?“, faucht sie. „Warum brauchst du immer für alles einen Namen?“, schießt er zurück. „Das hat einen Namen, nämlich Ehe. Aber eigentlich brauche ich keinen Ehemann, der nie da ist. Dann nehm ich mir lieber einen Liebhaber. Kein Stress, kein Alltag … ich bin durchaus in der Lage, allein zu leben.“ – „Ich halte deine Hysterie nicht mehr aus. Du gehst überhaupt nicht auf meine Bedürfnisse ein.“ – „Hast du mich je schon nach meinen Bedürfnissen gefragt, ha? Die interessieren dich doch überhaupt nicht.“ – „Das verletzt mich, was du da sagst …“ – „Gut so, du verletzt mich nämlich auch.“

Krisenalltag. Ein Paar, das nach dreieinhalb Ehejahren seine Endlosrunden im Karussell der gegenseitigen Abwertungen und Verletzungen dreht. Das Ende der Symbiose, die Sigmund Freud launig als „Sexualüberschätzung eines Partners“ definierte, setzte in diesem Fall ein, als der Patchwork-Familienalltag durch Kinder aus früheren Partnerschaften die noch so frische Beziehung unter Dauerstress setzte.

Für die Medizinerin und Psychotherapeutin Claudia Karolinsky, die in ihrer Praxis in Wien zuletzt eine um 40 Prozent gesteigerte Nachfrage nach paartherapeutischen Behandlungen registrierte, gehört diese Situation zum Berufsalltag, ist aber nicht aussichtslos: „Aus therapeutischer Sicht ist nur dann nichts mehr zu retten“, erklärt sie, „wenn ein Partner sich bereits innerlich von der Beziehung verabschiedet, aber noch nicht den Mut gefunden hat, die Trennung auch auszusprechen. Das findet man allerdings als Therapeut recht schnell heraus. Wird nicht einmal mehr gestritten, sehe ich schwarz für einen konstruktiven Neuanfang.“

Statistische Daten für den verstärkten Bedarf nach psychotherapeutischem Beziehungsbeistand existieren in Österreich nicht, da Paartherapien, im Gegensatz zu Einzelbehandlungen, von den Krankenkassen nicht partiell refundiert und deswegen nicht erfasst werden. Die Tatsache, dass die österreichische Scheidungsstatistik von 2002 nach dem historischen Höchststand von 2001 (46 Prozent) neuerlich satte 44,4 Prozent erreichte, demonstriert jedoch sehr deutlich, dass die Talentlosigkeit für das Glück zu zweit Bestand hat. Das so krisenanfällige Mann-Frau-Verhältnis wird dadurch zum Hoffnungsgebiet einer ganzen Branche. Denn aus den im Durchschnitt 9,5 Jahre dauernden gescheiterten Ehen stammen rund 19.000 Kinder, die häufig, auch das ist statistisch erwiesen, die Beziehungsfehler ihrer Eltern in ihre späteren Partnerschaften schleppen.

Therapiekonjunktur. In den USA und England gilt der Gang zum Psychotherapeuten längst nicht mehr als narzisstischer Luxus, der in den öffentlichen Tabubereich fällt. Nach dem Lewinsky-Desaster bekannte das damalige US-„First Couple“ Hillary und Bill Clinton freimütig, ihre Crashtest-Ehe nur mithilfe eines Paartherapeuten wieder auf Schiene gebracht zu haben. In Hollywood-Kreisen gehört das gemischte Doppel im Therapeutensessel längst so selbstverständlich zum Star-Alltag wie die Yogastunde oder die Botoxauffrischung. Der depressive Medienmogul Ted Turner und die Schauspielerin Jane Fonda, Demi Moore und Bruce Willis oder auch Meg Ryan und Dennis Quaid sind allesamt wenig glorreiche Beispiele für therapeutische Effizienz, da ihre Beziehungen trotz seelischen Beistands gescheitert sind. „Doch auch für einen geordneten Rückzug ohne allzu große Verletzungen kann so ein Therapeut sehr hilfreich sein“, bekennt Meg Ryan, die in ihrem nächsten Film „Wedlock“ eine Scheidungsanwältin in paartherapeutischer Behandlung gibt.

Entwicklungsgebiet. In US-Serien wie „Ally McBeal“, „Sopranos“ und „Sex and the City“ wird die Paartherapie inklusive psychotherapeutischer Überinterpretationswut bereits regelmäßig parodistisch überhöht. Am Ende einer solchen Sitzung mit einem potenziellen Lebensabschnittsgefährten haucht Samantha, die „Sex and the City“-Nymphomanin vom Dienst, einmal nur den Satz: „Er geht wahnsinnig auf mich ein, aber sein Penis ist einfach zu klein.“

Österreich, das Geburtsland der Psychoanalyse, erweist sich jedoch im internationalen Vergleich noch immer als therapeutisches Entwicklungsgebiet. Nur 0,71 Prozent der Gesamtbevölkerung (60.000 Menschen) konsultieren heute in Österreich einen Psychotherapeuten.

Dennoch dürften der mediale Befindlichkeitsausverkauf durch TV-Talkshows und Reality-Formate sowie der Lebenshilfeboom im Sachbuchsektor ihren Beitrag zur Psychologisierung des kollektiven Bewusstseins geleistet haben. Auch in Österreich ist das Herumschleudern von Begriffen wie Übertragung, katathymes Bilderleben und systemische Familienaufstellung längst kein Privileg einer neurotisch-akademischen Oberschicht à la Woody Allen mehr. Seit 1997 haben sich die Investitionen in Österreich sowohl für psychotherapeutische Behandlungen (36 Millionen Euro) als auch für Psychopharmaka (87 Millionen Euro) verdoppelt. Dennoch ist Alfred Pritz, Psychoanalytiker und Initiator des Weltkongresses für Psychotherapie, der Meinung, dass eigentlich „für rund fünf Prozent der Bevölkerung in den Industrienationen, wie Studien belegen, psychotherapeutische Behandlung überlebensnotwendig wäre“.

Der Job als Kriegsschauplatz und die damit verbundene Verunsicherung sind, so Pritz, Hauptursachen für die seelische Bedrängnis im 21. Jahrhundert. Mindestens ebenso schwer wiegen das Schwinden des Patriarchats, die wachsende Mobilität sowie die schrumpfende Kompromissbereitschaft der Frauen und das damit sukzessive aus den Fugen geratende Verhältnis zwischen den Geschlechtern.

„Frauen“, so die Paarspezialistin Claudia Karolinsky, „definieren sich trotz ihrer wachsenden finanziellen Unabhängigkeit noch immer mehr durch ihre Beziehungen als Männer. Sie initiieren auch noch immer zu zwei Dritteln den Gang zur Paartherapie. Allerdings verfügen sie auch über eine viel höhere und schnellere Bereitschaft, sich aus einer Beziehung, die nicht ihren Wünschen und Bedürfnissen entspricht, wieder zu lösen.“ In 80 Prozent der österreichischen Scheidungsfälle sind die Frauen die Trennungsbetreibenden.

Männer raffen sich vor allem dann zum professionellen Beziehungsconsulting auf, wenn das Sexualleben zum Problem geworden ist; für Frauen, die weit häufiger mit einem Früherkennungssensorium ausgestattet sind, reicht meist schon das Erlahmen der männlichen Kommunikationsbereitschaft. „Nie hörst du mir zu“ ist der häufigste weibliche Vorwurf beim therapeutischen Beziehungsservice. „Immer nörgelst du nur an mir herum“ führt die Bemängelungsskala der Männer an. „Was Menschen heute den größten Stress verursacht“, so die Jungianerin Rotraut Perner, „sind ihre Beziehungen.“

Störfaktoren. Der Schweizer Psychoanalytiker Jürg Willi, dessen Buch „Psychologie der Liebe“ als internationales Standardwerk gilt, spitzt nach 38-jähriger Erfahrung die Mann-Frau-Schieflage polemisch zu: „Männer reden mit Frauen, weil sie mit ihnen schlafen wollen; Frauen schlafen mit Männern, weil sie mit ihnen reden wollen. In der zweiten Lebenshälfte dreht sich das Prinzip jedoch wieder um.“ Ansonsten, so einfach ist es nun ja doch nicht, würden Frauen an ihren Männern am häufigsten „Unaufmerksamkeit, Egozentrik, verbale Verstocktheit und Faulheit im Haushalt“ bemängeln, während die Männer „Nörgelei, überbordende Emotionalität, Kontrollsucht und Vereinnahmung“ als irritierendste Störfaktoren bei der Partnerin angaben.

Dass die zwischenmenschlichen Konstrukte oft mehr Energie fressen als spenden, hängt aber nicht nur mit der Auflösung der tradierten Geschlechterrollen zusammen, sondern auch mit den erhöhten Anforderungen an das fragile Prinzip Liebe. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts galt die Ehe als Versorgungssystem für die Frau, die ihrerseits für die Versorgung der Familie verantwortlich war. Emotionale und sexuelle Erfüllung waren in diesem Arrangement nicht zwingend inbegriffen.

Ego-Gesellschaft. Erst die sexuelle Revolution bereitete den Boden für die Überzeugung, dass ein Partner das gesamte Bedürfnisspektrum abzudecken habe: Seelenverwandtschaft, Sex, emotionale wie soziale Geborgenheit sowie das Zugeständnis von Freiräumen zur Selbstverwirklichung, die auch das Monogamiekonzept auf den Kopf stellten. Im Zuge der wachsenden Individualisierungskultur steigerte sich auch die Verflüchtigungsgefahr von Gefühlen für das Gegenüber. „Die Menschen können sich heute nicht daran gewöhnen, dass gewisse Krisen zu einem Beziehungssystem gehören“, erklärt die systemische Familientherapeutin Billie Rauscher.

Eine funktionierende Beziehung gehört in der erfolgsobsessiven Ego-Gesellschaft zum statussymbolischen Repertoire, genauso wie eine florierende Karriere und das richtige Styling. Das Eingeständnis, dass es in den eigenen vier Wänden nicht mehr funktioniert, kommt für viele einem Bekenntnis zum eigenen Versagen gleich.

Wie heilsversprechend ist also Therapie im gemischten Doppel? Der Psychoanalytiker Jürg Willi konstatierte bei 400 Probanden eine Erfolgsrate von 40 Prozent. „Es wäre aber ein großer Denkfehler zu glauben, dass durch Therapie Ängste, Leiden und Probleme beseitigt werden können“, warnt die Münchner Psychotherapeutin und Autorin Gesa Wunderlich („Grenzen der Psychotherapie“). „Das kann die Therapie nicht leisten. Sie kann aber zeigen, wie man damit umgeht.“

Die wichtigste Voraussetzung von effizienter Paartherapie ist, dass beide Partner vom Willen zur Veränderung beseelt sind und nicht nur aus Höflichkeit und um des lieben Haussegens willen eine Therapie in Anspruch nehmen. Ebenso gut könnte man brennende Geldscheine aus dem Fenster werfen. Ins Leere führt auch der Glaube, „bei Paarsitzungen handle es sich um Sportveranstaltungen, wo der Therapeut in der Rolle des Schiedsrichters zur Punktevergabe schreitet“, so die Buchautorin und deutsche Paarspezialistin Julia Onken.

„Schuldzuweisungen bringen gar nichts“, bestätigt Wissenschaftsjournalist Wolfgang Wirtz die These aus der Sicht des Klienten. „Man darf den Partner nicht für das Nicht-Ausleben seiner eigenen Bedürfnisse verantwortlich machen, sondern muss dafür bei sich selbst beginnen.“

Als therapeutisches Eigentor entpuppt sich auch der vor allem unter Frauen verbreitete Irrglaube, dass der Psychotherapeut den störrischen Partner nach den weiblichen Vorstellungen schon zurechtbiegen werde. „Da kippen mir dann gefrustete Frauen, die ihren Mann eben nicht so hingekriegt hatten, wie sie sich das vorgenommen haben, den Typen in den Sessel und rufen: ‚Reparieren Sie mir bitte das da!‘ Das geht dann natürlich überhaupt nicht“, erzählt die Münchner Therapeutin Eleonore Höfner, die nach der provokativen Methode (siehe Kasten) arbeitet.

Fortschritte sind nur zu erzielen, wenn die krisengeschüttelten Parteien ihre Unterschiedlichkeiten auch akzeptieren und die Kränkungen, welche die Krise ins Rollen gebracht haben, auch beim Namen zu nennen lernen. Die Banalität der Verletzungen grenzt für den Außenstehenden oft ans Absurde. „Das kann oft wirklich so was wie das ständig offene Schlafzimmerfenster oder die schief zugeschraubte Zahnpastatube sein, die Paare, und das ist dann überhaupt keine Frage von Intelligenz, in die sich ewig wiederholenden Konfliktmuster bringen“, erklärt Julia Onken. Dass die Fetzen immerhin noch fliegen, erweist sich jedoch, trotz enervierender Nebenerscheinungen, als untrügliches Zeichen, dass die Schlacht noch zu gewinnen ist.

Beziehungswissenschaft. Um das Geheimnis glücklicher Ehen zu erforschen, untersuchte der US-Soziologe John Gottman über 20 Jahre lang tausende Paare in seinem „Love Lab“ in Seattle. Die wissenschaftliche Beobachtung der Probanden, die über Wochen hinweg auf Gestik, Mimik, Puls- und Atemfrequenz untersucht wurden, ergab, dass nur streitende Paare eine dauerhaft lebendige Beziehung praktizierten. „In den meisten Ehen gibt es zwar keine Flammen mehr“, so Gottman zu profil, „aber die Glut ist wenigstens noch warm. Ist die Asche einmal kalt, kann man aus therapeutischer Sicht für die Beziehung nur mehr wenig tun.“

Oft erwecken solch „mumifizierte Partnerseelen“ (Julia Onken) vordergründig den Anschein von Harmonie, künstlerisch dokumentiert zum Beispiel in Ingmar Bergmans cineastischem Paarseminar „Szenen einer Ehe“ (1973), in dem Liv Ullmann und Erland Josephson vor allem darunter leiden, „dass wir keine Probleme haben und dass das gänzliche Fehlen von Problemen das größte Problem sein kann“.

Paare, die unter der eisernen Prämisse der Harmonie jeden Streit vermeiden, infantilisieren sich oft, sodass die Verdrängung jeglicher Aggressionen und Triebhaftigkeit zu depressiven und psychosomatischen Störungen führen kann. Legendäres Beispiel für eine „Zeus-Hera-Konstellation“, wie die deutsche Tiefenpsychologin Verena Kast explosive Macht- und Demütigungsspieler in ihrem Buch „Paare“ bezeichnet, sind Elizabeth Taylor und Richard Burton, die ihrer privaten Beziehungshölle mit der Edward-Albee-Verfilmung „Wer hat Angst vor Virgina Woolf“ (1966) ein künstlerisches Denkmal setzten.

Alle Fachleute sind sich einig, dass in jedem Fall durch Früherkennung der Beziehungskrise der Behandlungszeitraum wesentlich kürzer und die Erfolgsaussichten um ein Vielfaches höher sind als dann, wenn erst nach dem Eintreten der Katastrophe ein Therapeut konsultiert wird. Präventivarbeit lohnt sich auch finanziell: Paartherapiestunden, zumindest 90 Minuten lang, kosten im Schnitt zwischen 150 und 240 Euro. Bei heftigen Turbulenzen sollten sie ein- bis zweimal wöchentlich durchgeführt werden; bei niederem Wellengang reicht eine Sitzung in sechswöchigen Abständen. Ob eine Beziehung nach abgeschlossener Therapie wieder „unbeaufsichtigt“ funktionieren kann, lässt sich nach den Erfahrungswerten des Eheforschers Gottman nach neun Monaten feststellen.

„Natürlich birgt so eine Paartherapie auch die Gefahr in sich, dass die Beziehung zum Selbsterfahrungsschuppen versauert und selbst die gemeinsame Mülltrennung auf ihr ödipales Konfliktpotenzial abgeklopft wird“, erzählt der Wissenschaftsjournalist Wolfgang Wirtz. Durch die ständige Beziehungspsychologisierung würde das eigene und das Verhalten des Partners ständig „unter Argusaugen stehen“, aber „manchmal, man glaubt es kaum“, zitiert Wirtz Freud, „ist eine Zigarre wirklich nur eine Zigarre“.

Das therapeutische Drama beginnt in der Regel schon mit der Wahl der Methode. Dem geistigen Fundament der 1900 von Sigmund Freud entwickelten Psychoanalyse sind inzwischen 600 verschiedene Therapiemethoden entsprungen, von denen 18 Verfahren (siehe Methoden-Kasten) in Österreich offiziell anerkannt sind. Im Zuge des Psychobooms entwickelten sich zahlreiche, oft esoterisch angehauchte Nebenschauplätze, wo von der Paartherapie in Kombination mit Tangoschritten bis zu Lachyoga und Buschtrommeln für gestresste Manager alles Denk- und Undenkbare angeboten wird. (Unter der Internet-Adresse www.psyonline.at findet sich eine vollständige Liste der eingetragenen Psychotherapeuten in Österreich mit Adressen und Methodenschwerpunkten.)

Totenschein. Dass die fehlende Chemie zwischen Klienten und Therapeuten ein hohes Frustrationspotenzial bergen kann, erzählt die Wiener Illustratorin Claudia Molitoris: „Mein Freund und ich haben von der Verhaltenstherapie bis zur Familienaufstellung einiges ausprobiert. Am Ende war ich nur mehr entnervt. Ich wollte einfach nicht mehr dafür bezahlen, dass mein Partner mich versteht. Ich empfand die Paartherapie als offiziellen Totenschein unserer Liebe. Wir haben unsere Beziehung dann im Alleingang wieder auf Schiene gebracht.“

Die Seminarteilnehmer einer systemischen Familienaufstellung unter der Ägide des NLP-geschulten Wiener Therapeutenduos Babak Kaweh und Manuela Mätzner wirken hingegen durchwegs aufgeräumt. „Ein faszinierendes Prinzip“, erklärt das Ehepaar Ingrid und Michael Schüller (der einzige Mann der Veranstaltung), „hoch energetisch und in kurzer Zeit sehr wirksam. Wir haben allerdings keine Krisensituation, sondern wollten uns und unsere Muster einfach nur besser kennen lernen.“

Der letzte Schrei auf dem Sektor der Paartherapie ist Imago, ein 1984 in Amerika entwickeltes Dialogsystem, in dem Elemente der Entwicklungs- und Tiefenpsychologie mit Gesprächs- und Verhaltenstherapie ineinander verschränkt werden. Für den TV-Moderator und Autor Dieter Chmelar entpuppte sich dieses Prinzip nicht als Kür-Programm zur Beziehungsadjustierung, sondern als der Rettungsanker seiner im Entfremdungsstadium befindlichen Ehe. „Ich wollte ihn nicht verlieren“, erzählt seine Frau, die Lehrerin Brigitte Chmelar, nach zwei Jahren Imago-Therapie, „und er hat mich zurückgewonnen.“

Chmelar selbst will sich auch in diesem delikaten Zusammenhang keine Pointe entgehen lassen: „Meine Frau ist Mathematikerin, ich bin unberechenbar. Jetzt kann sie wieder auf mich zählen.“ Nach zwei Gedankentakten fügt der Mann, der beim Fendrich-Interview Anfang Jänner auf ATV+ selbst therapeutische Fähigkeiten unter Beweis zu stellen versucht hatte, hinzu: „Wir wussten schon lange, dass wir einander lieben. Seit Imago wissen wir auch, warum, und verheimlichen es uns nicht mehr länger.“

Der kürzlich geschiedene Fendrich hatte übrigens in einem profil-Interview im Jahr 2001 auf die Frage, was er den aufgrund problematischer Beziehungen „weinenden Männern“, die er in seinem Bekanntenkreis regelmäßig antrifft, geraten habe, Folgendes geantwortet: „Sicher zu keiner Ehetherapie. Wenn zwei Leute nicht mehr aufeinander stehen, brauchen s’ doch bitte keine Gerti Senger, die ihnen erklärt: ‚Ihr müssts euch jetzt bitte lieben!‘“