<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Öster reich?

Nobelpreisträger Paul Krugman löste mit seiner Aussage, Österreich sei ein Kandidat für einen Staatsbankrott, empörte Reaktionen aus. Und selbst wenn er Recht hat – Österreich wird sich auch in schweren Zeiten treu bleiben!

Schwer verärgert zeigte sich heute Finanzminister Josef Pröll nach dem Ministerrat. Der Grund: die, wie er meinte, „den Finanzplatz Österreich schädigende“ Vorhaltung des Grünen Peter Pilz, Pröll habe in seinem wöchentlichen Krisen-Bulletin statt „Ich kann euch kein Glas zum Einschneiden geben“ irrtümlich gesagt: „Ich kann euch kein Glas zum Einschenken geben“.

Er habe nämlich sehr wohl „Einschenken“ gemeint. Pilz wolle wohl insinuieren, Österreich stünde trotz seiner exzellenten Bonität (und des letzten Notkredites des IWF in der Höhe von 46 Milliarden Euro) so schlecht da, dass sich die Bürger Kartoffelsäcke vor die Löcher in ihren Wänden hängen müssten – und das sei schlicht unverantwortlich. Abgesehen davon, dass es derzeit wegen der weitsichtigen Einlagerungstätigkeit der Bevölkerung – Pröll betonte in diesem Zusammenhang ausdrücklich, von Hamsterkäufen könne keine Rede sein, schließlich seien Hamster Nagetiere und fräßen gar keine Erdäpfel – einen kleinen sacktechnischen Engpass gebe, sei es schließlich durchaus sinnvoll, sich die Erzeugnisse der immer noch hervorragend aufgestellten österreichischen Weinwirtschaft nicht glasweise, sondern gleich direkt aus dem Doppler zu geben. Auf diese Weise würde Wirtschaft und Individuum in der zugegebenermaßen etwas angespannten Situation nämlich gleichermaßen geholfen werden.

Beamtengewerkschafter Fritz Neugebauer erklärte indes am Rande des Symposiums „Zukunftsmodell Pragmatisierung“, er sehe überhaupt keinen Grund, nur wegen eines Budgetdefizits von 63 Prozent an wohlerworbenen Rechten wie der Mehrleistungszulage für entgangene Feiertage, die auf einen Sonntag fallen, oder der Bekleidungszulage für Bademeister in öffentlichen FKK-Bädern zu rütteln. Neugebauer gab zu bedenken, dass die politischen Entscheidungsträger, so sie nicht rasch zur Vernunft kämen, dann auch die Folgen von gewerkschaftlichen Notwehrmaßnahmen – wie zum Beispiel dem Boykott der Lebensmittelmarkenausgabe – zu verantworten hätten.

Bei der kurzfristig aus der Säulenhalle des Parlaments in ein Eichenwäldchen in der Kampfhundezone des Arthaberparks in Wien-Favoriten verlegten Präsentation des Buches „Cogito ergo nolens volens igitur – Bekenntnisse eines Intellektuellen“ von Andreas Mölzer – die Verlegung hatte weniger damit zu tun, dass rechtsextreme Gastredner im Parlament ÖVP und SPÖ plötzlich irgendwie störten, sondern dass in der Säulenhalle im Moment die Notschlafstelle für unverschuldet verschuldete Bundesräte untergebracht ist – erklärte der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf, er habe zwar überhaupt keine Ahnung, wie es so weit kommen habe können, wisse sich aber mit dem gesunden Volksempfinden dahingehend einig, dass es nicht passiert wäre, wenn man Kredite nicht an den verschlagenen Slawen, sondern nur an ehrenwerte Deutsche vergeben hätte.

Eine gestärkte FPÖ werde aber nach der nächsten Nationalratswahl mit ihrer geballten Wirtschaftskompetenz dafür sorgen, dass es wieder aufwärts gehe. Man denke daran, in einem ersten Schritt Autobahnen zu bauen und 100.000 Panzer zu produzieren. Der zweite Schritt müsse aus taktischen Gründen leider noch geheim bleiben. Graf deutete aber an, dass er mit einer grundlegenden Erneuerung der europäischen Strukturen zu tun habe.

Die Umfragewerte der FPÖ stiegen nach dieser Aussage Grafs übrigens um weitere zwei Prozentpunkte an. In einem Interview mit der „ZiB2“ stellte Bundeskanzler Werner Faymann klar, dass es zwischen Österreich und dem von der Finanzkrise schwer getroffenen Island überhaupt keine Parallelen gebe. Nahezu sämtliche in Österreich aufhältigen Isländer seien Pferde – das könne man von den Isländern in Island schwerlich behaupten. Und demjenigen, der ihm auch nur einen einzigen Geysir in Österreich zeigen könne, spendiere er ohne mit der Wimper zu zucken ein „Krone“-Abo.

Die Wirtschaftskammer geht übrigens in ihrer letzten Aussendung davon aus, dass es in Bälde auch wieder unbedrucktes Klopapier geben könnte. Der Rollenpreis werde sich wohl zwischen zwei 1,5-Volt-Batterien, vier Eiern und einer nicht länger als einen Monat gebrauchten Zahnbürste bewegen. Die Arbeiterkammer ortet in diesem Zusammenhang große regionale Preisunterschiede und rät den Verbrauchern dazu, am Schwarzmarkt genau zu vergleichen. Außerdem könne man, so die AK-Experten, mit einer zweiseitigen Verwendung bis zu 50 Prozent Einsparpotenzial erzielen.

Die wichtigste Meldung des Tages kommt zum Schluss: Hermann Maier belegte im Abschlusstraining für die Abfahrt von Lake Louise den hervorragenden 18. Platz – obwohl er bereits 50 Meter vor dem Ziel aus der Hocke aufstand. Das lässt für morgen doch einiges erwarten. Maier selbst hofft, dass ihn seine Verkühlung, die er seit zwölf Jahren mit sich herumschleppt, nicht allzu sehr behindert. Also: Daumen drücken!

rainer.nikowitz@profil.at