Rückblick: Kampf um "Alcazar"

Vor fast genau zehn Jahren streikte das AUA-Personal vier Tage lang.

Kaum ein Jahr vergeht, in dem die Belegschaftsvertreter bei der AUA ihrem Vorstand nicht mit Streik drohen. 1993 machten Piloten und Flugbegleiter aus ihrer Drohung erstmals Ernst. Am 29. Oktober traten 1200 Mitarbeiter des AUA-Bordpersonals (damals noch ohne die später übernommene Lauda Air) in den Streik. Vier Tage hindurch mussten die Passagiere Verspätungen und mühsame Umbuchungen auf andere Airlines über sich ergehen lassen. Auslöser waren auch damals die Einsparungsabsichten des Managements. Die Pläne zum Gegensteuern stellten sich jedoch ungleich gravierender dar. Unter dem Codenamen "Alcazar" war ein Konzept ausgearbeitet worden, die AUA mit KLM, Swissair und SAS zu fusionieren. Mit seiner Arbeitsverweigerung wollte das Bordpersonal die Fusionspläne kippen und das damalige Vorstandsduo Herbert Bammer und Mario Rehulka zum Rücktritt zwingen.

Um in den folgenden vier Tagen den Flugbetrieb wenigstens einigermaßen aufrechterhalten zu können, musste die AUA-Führung die Passagiere auf andere Fluglinien umbuchen und charterte zudem einige Maschinen samt Crew bei Mitbewerbern, damit zumindest die Urlauber ihre geplante Reise antreten konnten. Kosten der Aktion: 90 Millionen Schilling, umgerechnet 6,5 Millionen Euro.

Schließlich wurde ein Arbeitsausschuss eingesetzt, in dem auch Belegschaftsvertreter in die künftige strategische Planung und Organisation eingebunden werden sollten. Bammer und Rehulka blieben, die geplante Fusion wurde jedoch abgesagt.

Um dem Sparwunsch des Vorstandes entgegenzukommen, schlugen die Belegschaftsvertreter damals von sich aus einen zehnprozentigen Gehaltsverzicht für die Dauer von einem Jahr vor. Eine Größenordnung, mit der es diesmal wohl nicht getan sein dürfte.