Sabine Schindler: „Vielleicht werden wir einmal den Planeten retten“

Astronomen-Präsidentin Sabine Schindler über den angestrebten Beitritt Österreichs zur Südsternwarte (ESO) und den Nutzen ihres Fachs. Sabine Schindler, 43, ist Vorstand des Instituts für Astrophysik der Universität Innsbruck und Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Astronomie und Astrophysik.

profil: Österreichs Astrophysiker streben die Mitgliedschaft bei der Europäischen Südsternwarte ESO an. Warum ist Ihnen das so wichtig?
Schindler: Weil wir ohne diese Mitgliedschaft von der zentralen Infrastruktur abgeschnitten sind und in die Marginalität abrutschen.
profil: Die Regierung sieht diese Mitgliedschaft nicht als vordringlich an. Immerhin nutzen Sie ja auch so die Teleskope der ESO.
Schindler: Weil die ESO so kulant ist, unsere Nutzungsanträge als Anträge eines Mitglieds zu betrachten, wenn mehr als 50 Prozent der beteiligten Forscher aus einem Mitgliedsland kommen.
profil: Sie hängen sich bei anderen an?
Schindler: Wir müssen uns bei anderen mit unserer Arbeitskraft und Bereitstellung anderer Ressourcen einkaufen. Das kommt uns teilweise teuer zu stehen.
profil: Aber immer noch billiger als die Mitgliedschaft.
Schindler: Aufgrund der Neubeitritte müssen wir damit rechnen, dass der Zugang für uns „Trittbrettfahrer“ weiter eingeschränkt wird. Wir haben jetzt schon keinen Zugang zum ESO-Archiv.
profil: Die Regierung will alle bisherigen Mitgliedschaften in europäischen Forschungsorganisationen evaluieren und erst dann entscheiden.
Schindler: Das ist sicher sinnvoll. Jedenfalls sagt der Forschungsrat, ein Beitritt zur ESO sei aus Gründen der Erhaltung von Qualität und internationaler Konkurrenzfähigkeit unerlässlich.
profil: Wo steht Österreichs traditionsreiche Astronomie heute?
Schindler: Österreich ist traditionell stark in der Sternenphysik. Weil man jetzt so weit ins Weltall schauen kann, ist auch international die Extragalaktik, also der Bereich außerhalb unserer Galaxie, ein wachsender Forschungsbereich, was ja auch durch meine Berufung als Institutsvorstand in Innsbruck und die von Kollegen Gerhard Hensler in Wien unterstrichen wird.
profil: Wie würden Sie das Niveau der Forschung in Ihren Fachbereichen in Österreich einstufen?
Schindler: Wir veröffentlichen Forschungsarbeiten in allen Spitzenjournalen des Fachs und werden überallhin eingeladen. Wir versuchen, Weltspitze zu bleiben, aber es wird immer schwerer für uns, und wenn wir einmal weg vom Fenster sind, können wir von der EU und anderen internationalen Ressourcen kein Geld mehr einwerben, verlieren internationale Reputation und Kontakte.
profil: Wie erklären Sie einem Durchschnittsösterreicher, warum astronomische Forschung wichtig ist?
Schindler: Wie bei jeder Grundlagenforschung kann man nicht sofort sagen: Das wird am Ende diese oder jene Anwendung haben, obwohl es sehr wohl konkrete Anwendungen gibt. Denken Sie an die CCD (Aufnahmechips) in Digitalkameras und modernen Röntgengeräten oder an die Ceran-Kochplatte. Für beide Entwicklungen war die Astronomie ein maßgeblicher Auslöser. Aber möglicherweise werden Astronomen einmal dazu beitragen, den Planeten Erde zu retten, wenn wir zehn Jahre im Voraus sagen können, dass ein Riesenasteroid auf die Erde zusteuert.