Scheitert der OMV Deal mit MOL?

Das Dossier ließ an Deutlichkeit nicht zu wünschen übrig. Vor einigen Wochen stellte die EU-Kommission der OMV ein „statement of objections“ zu, das dem Mineralölkonzern kräftig zusetzen könnte. Die OMV hat es auf ihren ungarischen Konkurrenten MOL abgesehen.

Das Unternehmen wehrt sich mit Händen und Füßen und spricht von „feind­licher Übernahme“. Ende des Vorjahres weihte die OMV Brüssel ein. Seither beschäftigt sich die Wettbewerbsbehörde mit dem OMV-MOL-Deal. In dem erwähnten – streng vertraulichen – Papier, wird die Position der OMV zerpflückt.

Der heimische Mineralölkonzern hatte zunächst mit einem überregionalen Markt ­argumentiert. Vergeblich. Die Kommission hegte ernsthafte Zweifel, dass der Markt nach einem OMV-MOL-Deal noch so funktioniert, wie er soll – und läutete Phase II ein. Montag dieser Woche bekräftigen OMV-Vertreter und MOL-Abgesandte in Brüssel hinter verschlossenen Türen ihre Positionen. Viel Zeit bleibt nicht mehr, die Wettbewerbshüter zu überzeugen. Am 18. September wird die Kommission prinzipiell entscheiden, ob die OMV die Ungarn schlucken darf – unabhängig davon, ob ihr das gelingt. Der Übernahmekandidat hat schließlich einiges unternommen, um einen österreichischen Mehrheitseigentümer abzuwehren.

Bedenken zerstreuen. Auch in Brüssel waren die Karten für die OMV schon einmal besser, heißt es in Insiderkreisen. Die Kommission analysierte die Märkte Österreich, Ungarn und Slowakei und befand, die angemeldete Konzentration sei wettbewerbswidrig. Betroffen seien vor allem der Großhandel mit Raffinerieprodukten und Tankstellen.
Die OMV muss etwas anbieten, das die Bedenken zerstreut: vor allem bei den Raffinerien. Die Standorte Schwechat, Bratislava (Slowakei, in MOL-Besitz) und Százhalombatta (Ungarn, ebenfalls MOL) liegen nah beieinander. Noch sind die Kunden frei in der Wahl ihrer Lieferanten. Fallen alle in eine Hand, ist der Wettbewerb behindert. Aus dem MOL-Umfeld ist zu hören, das sei ein Hilfsausdruck: In Ungarn käme ein geeinter Moloch – wenn man die Markt­anteile von OMV und MOL zusammenzählt – auf 95 Prozent, in der Slowakei auf 85 Prozent, in Österreich auf 70 Prozent.

Zwar schlägt das EU-Papier den Verkauf einer Anlage nicht ausdrücklich vor. Doch zwischen den Zeilen ist herauszu­lesen, dass eine MOL-Übernahme notfalls nur um diesen Preis zu haben sein könnte. Weil MOL in den Jahren 1997 bis 2000 in den Ausbau ihrer Raffinieriestandorte investiert hat, stünde vor allem Schwechat infrage. Das sagt die MOL-Seite. Reine Propaganda, kontert die OMV-Seite. Auch Schwechat sei auf der Höhe der Zeit. Eine Drosselung der Produktion in Schwechat scheidet aus. Raffinerien sind nur wirtschaftlich, wenn sie rund um die Uhr arbeiten. Bleibt, vom Verkauf abgesehen, noch eine Lösung, die OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer vergangenen Frei-tag gegenüber dem „Kurier“ umriss: Ein „mögliches Modell bei einem Zusammengehen wäre, einen Teil der Raffineriekapazitäten Dritten zur Ver­fügung zu stellen und einige Tankstellen abzugeben.“ Allerdings wollte sich Ruttenstorfer nicht auf Schwechat festlegen. So ein Modell gab es hier bereits. Bis 2001 waren Teile der Kapazität der Raffinerie für Shell und BP reserviert.

MOL will sich derzeit nicht zur Causa äußern. Wie hoch der Preis für MOL klettert – sprich: ob es reicht, Raffineriekapazi­täten für Dritte freizumachen, oder ob eine Anlage abgestoßen werden muss –, werde in Brüssel entschieden. Auch in der OMV will man nicht spekulieren. Nur so viel ist zu erfahren: Schwechat zu verkaufen komme nicht infrage. Also auf MOL verzichten? Ein Konzernsprecher: „Die MOL-Übernahme ist eine wichtige Strategie, aber nicht die einzige.“ Schließlich gehe es darum, „an Wert zuzulegen, nicht zu vernichten“.

Von Edith Meinhart