Schurkenstaat Österreich

Seine Peinlichkeit, George W. Bush, ist nicht zufrieden mit unserem Land.

Vor Jahren wurde dem Präsidenten der Vereinigten Staaten auf dessen Frage, was dieses „Austria“ eigentlich sei, von seinen Beratern erklärt, es sei jenes kleine Land, das, als es noch einen Ostblock gab, Grenzland des Westens gewesen wäre. Nach einem lobenden „Hrm-Hrm“ George W. Bushs wandten seine Meinungsmacher aber schleunigst ein, dass sich Austria unglaublich an die osteuropäischen Staaten assimiliert habe und außerdem, obgleich es neutral sei, dem antiamerikanischen Kampfbund EU angehöre.

Das muss Eindruck hinterlassen haben. Denn in einer Toilette in Bushs Wohnung im Weißen Haus fanden sich, offenbar in der langen Wahlnacht entstandene, noch nicht gebrauchte, gerollte „Top Secret Papers about Austria“. In diesem perforierten Geheimpapier stehen etliche schwere Anschuldigungen gegen Österreich, das von nun an in die offensive Außenpolitik miteinzubeziehen sei.

Austria, begann der Verfasser, erwäge ernsthaft, in einem Teil seines Landes zweisprachige Ortstafeln zu montieren – wobei die zweite Sprache noch unverständlicher sei als Deutsch und für eine Minderheit gedacht, die im Aussterben liege. Was wirklich wichtig wäre, wären zweisprachige Ortstafeln: englisch-deutsch, damit sich jeder Amerikaner in diesem „damned tiny puzzle“ zurechtfinde. Er werde dies noch im kommenden Frühjahr im Rahmen der Befehlsausgabe für alle mitteleuropäischen Staaten im Weißen Haus schlicht fordern.

Überrascht sei er, dass von einer konservativen Regierung, die mit dem Volk unauffällig dasselbe mache wie er, noch kein Wunsch an ihn herangetragen wurde, ihm ein Denkmal auf dem Wiener Heldenplatz setzen zu dürfen. (Diese und weitere Spezialkenntnisse lassen vermuten, dass GWB nicht allein am Klo war.) Ebenfalls befremdet war er über die unerhörte Feindseligkeit, dank der McDonald’s noch keinerlei Haube verliehen bekommen habe; auch sei es antiamerikanisch, dass Starbucks nach wie vor heimische Konkurrenz besitze, obwohl deren aufputschender Kaffee keinesfalls nach Kentucky schmecke.

Als am elendsten beurteilte der Verfasser die Bevölkerungsstruktur unseres Landes. Getarnte Kommunisten und bekennende Türken liefen hier frei herum; jene, die noch Achtung vor Eltern und alten Soldaten haben, seien einem impertinenten Inferno fast aller Medien ausgesetzt – nur „Zur Zeit“ treffe unbeirrt die Wahrheit. Am schäbigsten sei nicht nur, dass schwarzafrikanische Drogendealer unbehelligt durch das ganze Territorium strichen, sondern auch, dass die beiden auflagenstärksten Tageszeitungen des Landes seit vielen Jahren von den erklärten Feinden der USA auf offener Straße verkauft würden!

Da sei freilich kein Wunder, dass sich plumper, undifferenzierter Antiamerikanismus breit mache, der weder der Großzügigkeit, dem Sophismus, der gründlichen Allgemeinbildung, dem tief verwurzelten historischen Wissen und dem so hoch entwickelten Sinn für Humor der Amerikaner gerecht werde. Außerdem müsse gefragt werden, warum es in Austria keinen viel näher liegenden Antiungarismus oder Antiitalienismus gebe? Es könne, ohne damit eine spezifische Drohung aussprechen zu wollen, keiner auf ewig ungestraft davonkommen, der den Bannerträger der Freiheit dieser Welt einseitig kritisch betrachte; solange noch US-Truppen in Europa stünden, sei diplomatisch unterwürfiges Einlenken Gebot der Stunde.

Die Einstellung der hier geborenen österreichischen Bevölkerung der EU gegenüber sei hingegen beispiellos nachahmenswert in seiner kompetenten Ignoranz. Allerdings fehle die Bereitschaft, sich nicht nur vom alten, absteigenden Europa abzuwenden, sondern sich offenen Hirns der unikaten Ultimative USA zu verschreiben.

Die Wirtschaftlichkeit Autrias sei verheerend, denn es habe ein miserables Marketing. Es sei nicht nur fremden-, sondern auch US-bürgerfeindlich: Die Berge seien nur in winzigen Bereichen mitunter mit ein paar Sennerinnen und Schuhplattlern bestückt, was jeden Ausflug dorthin zu einem „humbug“ degradiere; die White Horses träten im Sommer noch immer nicht zweimal täglich auf, was auf degenerierte Arroganz und kommerzielle Impotenz schließen lasse. Außerdem gebe es für US-Bürger noch immer keine abgegrenzten Gebiete an den großen Badeseen. Die provinziell streng nach einzelnen Güterkategorien ausgerichteten Geschäfte sollten sich bezüglich Öffnungszeiten und Warenangebot an den guten US-Drugstores orientieren, in denen von der Windel bis zur Pistole alles käuflich sei.
Schließlich müsse die Staatssprache, die wirr und hinterhältig sei, um Standards erweitert werden: „Ich tu es“, „Du sagst es“, „Eintritt verboten, except US-people“ und „Zu Befehl, Sir“. Leere Formeln wie „Ich denke“, „Meines Wissens“, „Ich bin der Meinung“ seien durch „Ich glaube“ zu ersetzen. Es werde auch erwogen, jeden Österreicher, der auf dem Visa-Antrag nicht an Eides statt erkläre, in den USA mindestens 10.000 Dollar auszugeben, auf die Watchlist zu setzen. Es sei denn, Austria rüste auf US-Waffen um.

Nach diesen kleinen Neuerungen seien wir wieder welcome.