Simbabwe: Ein weißer Farmer gegen Robert Mugabe

Heinrich von Pezold war einer der ersten weißen Farmer, die von den Schergen des simbabwischen Diktators Robert Mugabe überfallen wurden. Er ist einer der letzten, die im heruntergewirtschafteten Land geblieben sind.

Von Philipp Hedemann, Harare

Heinrich von Pezold kniet gefesselt auf dem trockenen Boden. Neben ihm steht ein Mann und hält ihm eine Axt über den Kopf. Zuvor haben mit Knüppeln, Äxten und Macheten bewaffnete Männer den 27-Jährigen überwältigt und von dem Feld, auf dem er stand, in ein Auto gezerrt. Jetzt wird er im Staub sitzend gezwungen, zu singen. Der Farmer gehorchte: "Vorwärts mit der Zanu-PF, nieder mit den weißen Farmern.“ Es ist eines der Revolutionslieder der Partei des simbabwischen Präsidenten Robert Mugabe. Heinrich von Pezold, Spross europäischer Hocharistokratie mit deutschem Pass - seine Mutter ist eine Prinzessin von Schwarzenberg-, ist einer der ersten weißen Farmer in Simbabwe, die von den Schergen des simbabwischen Diktators Robert Mugabe überfallen wurden. Plötzlich braust ein Jeep auf den Entführten zu, zwei Männer, Mitarbeiter des jungen Farmers, schnappen von Pezold und rasen mit ihm davon.


Größere Kartenansicht

Enteignung von Farmern
Das war 1999, zu jenem Zeitpunkt, als der politisch angeschlagene Mugabe angefangen hatte, weiße Farmer zu enteignen, um seine Position zu stärken. Bei den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen diesen Mittwoch stellt sich der 89-Jährige wieder zur Wahl. Um sich die siebte Amtszeit zu sichern, verteufelt Mugabe die weißen Farmer heute noch. Heinrich von Pezold ist einer der letzten von ihnen, die in dem vom greisen Gewaltherrscher heruntergewirtschafteten Land geblieben sind.

Ausländische Investoren
Von Pezold hat in London Philosophie und Wirtschaft studiert und in Oxford mit dem Doktorat in Geschichte begonnen, bevor er sich vor 15 Jahren entschied, die von seinen Eltern erworbene Farm zu leiten. Damals, Simbabwe war seit gerade mal acht Jahren unabhängig, lockte Mugabe noch ausländische Investoren ins Land. Doch kurz darauf kippte das Umwerben in Repression. "Meine Eltern hatten zunächst gedacht, dass Mugabe vernünftig genug sei, um die ausländischen Investoren nicht zu vergraulen. Sie haben sich getäuscht“, sagt von Pezold.

Meisten weißen Farmer haben das Land verlassen
Um seine Macht zu erhalten und davon abzulenken, dass er das Land in den wirtschaftlichen Ruin führte, änderte Mugabe die Verfassung, schickte seine Kriegsveteranen auf die großen Farmen und ließ die weißen Besitzer zwangsenteignen. Viele Farmer wurden verletzt, neun von ihnen getötet. Rund 500 weiße Farmer leben heute noch in Simbabwe. Die meisten haben längst aufgegeben und das Land verlassen. Die verfallenden Farmen, ausgebrannten Scheunen und brachliegenden Felder im ganzen Land zeugen davon.

Von Pezold hatte nie vor, zu gehen. Der Großgrundbesitzer empfängt seine Gäste barfuß, in kurzen Hosen und im perfekt gebügelten Designer-Hemd. Er steht auf der Terrasse seiner 700-Quadratmeter-Villa, umgeben von Feldern, Wäldern, Felskuppen und einem Stausee. 20.000 Hek-tar groß ist seine Farm "Forrester Estate“, anderthalb Autostunden nördlich der Hauptstadt Harare. Von Pezold baut Tabak, Gemüse, Soja, Weizen und Zitrusfrüchte an und er züchtet Rinder. Im vergangenen Jahr machte die Farm 11,4 Millionen Euro Umsatz.

Ein Drittel der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche von Forrester Estate ist seit zehn Jahren von Mugabe-Getreuen besetzt. Von Pezold verklagte Simbabwe wegen der Enteignung auf der Grundlage simbabwischer Gesetze und eines Investitionsschutzabkommens zwischen Deutschland und Simbabwe vor einem Schiedsgericht der Weltbank. Im Oktober will das Gericht entscheiden. Vor einigen Monaten, von Pezold war gerade geschäftlich in Tansania, trug ein Vertrauter ihm zu, dass der Geheimdienst ihn zum Schweigen bringen wolle. Es sollte aussehen wie ein Autounfall. Von Pezold ließ seine Familie kurzfristig außer Landes bringen und den Geheimdienst wissen, dass er von dem möglichen Mordkomplott Wind bekommen habe.

Offizielles Ziel von Mugabes gewaltsamer Landreform war es, sogenannten Landlosen Felder zur eigenen Bewirtschaftung zur Verfügung zu stellen. Tatsächlich jedoch wurden riesige Latifundien Mugabes raffgieriger Frau Grace - Spitzname "Zimbabwe’s First Shopper“ - und loyalen Parteibonzen zugeteilt. Da die neuen Landbesitzer zunächst einmal keine Ahnung hatten, wie man eine große Farm bewirtschaftet, waren die wirtschaftlichen Folgen katastrophal. "Vor den Enteignungen trug die Landwirtschaft 40 Prozent zum Bruttosozialprodukt bei, heute sind es nicht mehr als 15 Prozent. In der Landwirtschaft kann nur noch ein Zehntel der Arbeitskräfte beschäftigt werden“, sagt Charles Taffs, Chef des Verbandes der kommerziellen Farmer in Simbabwe.

Der einstige Lebensmittelexporteur Simbabwe war bald auf Hilfslieferungen aus dem Ausland angewiesen, rund drei Millionen Simbabwer verließen das Land, ausländische Investoren ebenso. Dass das Land in Simbabwe vor der Reform ungerecht verteilt war, das gibt auch Heinrich von Pezold zu. Seine Eltern kauften die Farm 1988, also nach der Unabhängigkeit Simbabwes, mit den Verbrechen der Briten in der ehemaligen Kolonie Rhodesien hatten sie nichts zu tun. Trotzdem sagt er: "Wir weißen Farmer haben Fehler gemacht. Wir hätten mehr für die Kleinbauern und die Arbeiter auf den Farmen tun müssen. Weil es moralisch und wirtschaftlich richtig gewesen wäre. Man hätte eine vernünftige Landreform durchführen müssen. Aber mit der gewaltsamen Enteignung hat Mugabe den Rechtsstaat aufgegeben. Das war nichts anderes als Raub“, schimpft von Pezold.

Rund 70 Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche wurden vor der Machtergreifung Mugabes von rund 4800 weißen Farmern bewirtschaftet. Von Pezold hat aus den Fehlern, die es Mugabe leicht machten, die in bitterer Armut lebenden Landlosen gegen die weißen Großgrundbesitzer aufzuhetzen, gelernt. Er weiß, dass zufriedene Arbeiter im Ernstfall seine Lebensversicherung sein können.

„Ich fürchte mich nicht”
Bescheidene Häuser für seine Arbeiter, vier Schulen und eine Krankenstation baute er auf dem Gelände seiner Farm auf. Der Schulbesuch ist umsonst, ein Mal pro Woche schaut eine Ärztin vorbei, ansonsten kümmern sich zwei Krankenschwestern um die 2000 Angestellten und deren Familien. Die Arbeiter, von denen rund 15 Prozent HIV-positiv sind, werden kostenlos behandelt, Angehörige zahlen einen US-Dollar pro Arztbesuch. Von Pezolds Angestellte verdienen zweieinhalb Dollar pro Tag - nicht viel, aber auch nicht wenig. Die meisten arbeiten gerne hier. "Zumindest gibt es hier Arbeit und der Lohn kommt pünktlich und zuverlässig. Auf den Farmen, die jetzt von Mugabe-Leuten runtergewirtschaftet werden, gibt es kaum noch Arbeit und nur selten Lohn“, sagt ein Angestellter, während er auf Forrester Estate Tabakblätter erntet.

Zwei Wachmänner bewachen das Tor, das zur Villa des Farmers führt. Von Pezold ist unbewaffnet. "Ich fürchte mich nicht“, sagt er. "Die sogenannte Revolution wird nicht vom Volk getragen. Mugabe hat sie von oben angezettelt. Nur eine kleine, korrupte Elite steht dahinter. Den Krieg zwischen armen Schwarzen und reichen Weißen, den sehe ich nicht.“