Sisi zuckerfrei

Sisi - Sisi zuckerfrei

Rabenmutter oder Opfer der Umstände? Anorektisch oder Ernährungs-Avantgardistin? Narzisstisch gestört oder einfach nur schwer depressiv? Politische Visionärin oder Rebellin in eigener Sache? Volksverbunden oder pathologisch exzentrisch? Miles & More-Pionierin oder Getriebene? Wie Historiker im 175. Jubiläumsjahr die Sisi-Klischees zertrümmern und den Popstar der Habsburger ungeschönt zeichnen. Wie die Elisabeth-Industrie boomt.

„Nein, wie süß Sisi ist, sie ist frisch wie eine eine aufspringende Mandel und welch herrliche Haarkrone umrahmt ihr Gesicht! Was hat sie für liebe, sanfte Augen und Lippen wie Erdbeeren …“ Dem ansonsten so spröden und phantasiearmen 23-jährigen Kaiser Franz Joseph gingen im August 1853 angesichts seiner Cousine metaphorisch die Pferde durch, wie seine ehrgeizige Mutter, Erzherzogin Sophie, durchaus wohlwollend in ihren Tagebüchern feststellte. Doch ansonsten besitzt die historische Wahrheit wenig Kitschtauglichkeit. Dennoch hält die Faszination für Österreichs vorletzte Kaiserin wie für kein anderes Mitglied der über sechshundert Jahre herrschenden Dynastie an und damit eine ganze Industrie am Rotieren. Die Kombination Schönheit, Leid und früher Tod scheint unschlagbar, um es zur Celebrity von Dauerinteresse zu bringen.

Ab 5. September wird im Wiener Raimund-Theater der todessehnsüchtigen Elisabeth bei der Wiederaufnahme des vor zwanzig Jahren uraufgeführten Musicals gehuldigt. Michael Kunze, der Texter des erfolgreichsten deutschsprachigen Musicals, erinnert sich im profil-Interview an seine Anfangsschwierigkeiten bei dem Stoff: „Ich wollte mich eigentlich nie an die Figur der Elisabeth heranwagen, weil sie so klischeebeladen ist.“

Lesen Sie die Titelgeschichte von Angelika Hager, Salomea Krobath und Denise Roithmair in der aktuellen Printausgabe oder in der profil-iPad-App.