Speisekartenspiele: Plage Nahrungsmittelunverträglichkeit

Immer mehr Menschen berichten von heftigen Beschwerden, wenn sie Milch oder Wein trinken, Obst, Brot und Käse konsumieren. Nahrungsintoleranzen scheinen die ganze westliche Welt zu plagen. Warum vertragen wir gesunde Lebensmittel nicht mehr?

Von Brigitte Stellner

Helga Binder wählt im Theater sicherheitshalber einen Sitzplatz in Gang- und Türnähe – für den Fall, dass sie plötzlich die Toilette aufsuchen muss. Josef Bauer dagegen mag die Einschränkungen, denen sein Alltag
unterliegt, lieber nicht im Detail erörtern. „Wer will schon von Form, Farbe und Konsistenz seines Stuhles erzählen“, sagt Bauer. „Es muss ja nicht alle Welt von meinen Blähungen wissen“, meint auch Ilse Reiter. Gemeinsam ist den drei Personen aus Wien, dass sie an äußerst unangenehmen Symptomen laborieren, die typisch für so genannte Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind: an Bauchgrimmen und Bauchkrämpfen, Durchfällen oder Verstopfung. Manche Patienten sind gar von drastischem Gewichtsverlust, von schuppender Haut und Haarausfall betroffen.

Die Beschwerden rühren just von Lebensmitteln her, die gemeinhin als besonders gesund gelten: Milch, Obst und Gemüse, Brot oder Käse. Übeltäter sind verschiedene Substanzen, die in eben diesen als vorteilhaft gepriesenen Speisen enthalten sind: Fruktose (Fruchtzucker), Laktose (Milchzucker) sowie Gluten (Klebereiweiß in Getreidesorten). Hinzu kommen Reaktionen auf Histamine, körpereigene Stoffe, die etwa in Zusammenhang mit dem Genuss von Rotwein stehen.

Glaubt man den zuletzt mannigfaltigen Publikationen über Unverträglichkeiten, im Fachjargon Intoleranzen genannt, wird die Menschheit gerade von einer wahren Welle solcher Leiden überrollt. Tatsächlich ist die Datenlage jedoch recht dünn und zudem teils widersprüchlich. Aktuelle Zahlen der deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten gehen davon aus, dass jeder Fünfte in Deutschland empfindlich auf den Genuss bestimmter Nahrungsmittel reagiert. In Österreich dürfte sich die Situation ähnlich darstellen …

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„Ein ausgezeichneter Hilfsstoff“. Pharmazie-Experte Helmut Viernstein erklärt im Interview, warum ausgerechnet in Medikamenten oft Laktose enthalten ist.

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