Superkrise bei Superfund

Der Hedge-Fonds-Anbieter Superfund macht die schlimmste Krise seit Bestehen durch: Die Kurse der Fonds brechen ein, Einnahmen bleiben aus, und das Restrukturierungsprogramm verläuft chaotisch.

Wenn Christian Baha sich ungerecht behandelt fühlt, lässt er seine Mitarbeiter Briefe schreiben. An Politiker, an die Finanzmarktaufsicht – und an kritische Medien. Der Gründer des Hedge-Fonds-Anbieters fühlt sich oft ungerecht behandelt, vor allem von kritischen Medien. Ende vergangener Woche erreichte die Chefredaktion dieses Magazins ein Brief von Christian Baha, in dem er sich bitterlich über einen profil-Artikel beklagt, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht geschrieben, geschweige denn veröffentlicht war. Bahas Brief ist die Reaktion auf ein E-Mail seitens profil mit Fragen zum Geschäftsgang und zu Restrukturierungsmaßnahmen bei Superfund. Der Grund, warum die Anfrage unbeantwortet blieb: „Bereits die erste Frage ist mit einem sehr tendenziösen Unterton verfasst“, so Baha in dem Schreiben vom 28. Mai 2010. Und weiter: „Der Prophet im eigenen Land ist wohl wirklich nichts wert!“ Im „eigenen Land“ ist in diesem Zusammenhang relativ. Ein großer Teil der Unternehmensgruppe residiert seit Jahren auf der steuerbegünstigten Antilleninsel Grenada, wo auch die Fonds-Gewinne realisiert werden. Und die erste Frage lautete sehr unschuldig: „Wie viel Kapital verwaltet Superfund derzeit?“

Kein Wunder, dass man bei Superfund derzeit etwas nervös ist: Der Fondsanbieter, der über viele Jahre hinweg mit glänzenden Renditen lockte, steckt in der Krise. Die Kurse der aufgelegten Fonds rasseln in die Tiefe, Einnahmen bleiben aus, langjährige Mitarbeiter verlassen im Streit das Unternehmen. Es scheint, als wäre das Management nur schlecht auf die Talfahrt vorbereitet gewesen. Bei Superfund findet zwar seit rund einem halben Jahr das größte Restrukturierungsprogramm in der Unternehmensgeschichte statt. Die Umsetzung verläuft ­allerdings eher chaotisch, eine Strategie ist nicht zu erkennen.

Ladenschluss.
Wien, Monaco, Zürich, New York – Christian Baha pflegt seinen Wohnort regelmäßig zu verlegen. Seit Kurzem hat der 41-jährige Gründer des Hedge-Fonds-Anbieters Superfund den Lebensmittelpunkt in London. Er kann es sich leisten, sein Vermögen wird auf mehrere hundert Millionen Euro taxiert. Das Unternehmen Superfund steht dem Gründer in seiner Weltläufigkeit um nichts nach. Wie für die Kurse der Superfund-Fonds gilt allerdings auch hier: Tendenz stark fallend. Innerhalb kürzester Zeit wurde die Zahl der Auslandsniederlassungen klammheimlich drastisch reduziert: Die Standorte Liechtenstein, Monaco, Berlin, Paris, Kopenhagen, Stockholm, São Paulo, Sydney, Singapur wurden geschlossen. Mit der Niederlassung in Dubai wurde quasi der gesamte arabische Raum aufgegeben. Schon zuvor wurden die Superfund-Investment-Center in Graz und Linz aufgelassen. Das Büro in der Finanzmetropole Hongkong wird verkleinert, Asien-Drehscheibe soll nun Tokio werden. Nachdem auch die Filiale in São Paulo schließt, wird der gesamte Südamerika-Markt laut einem Unternehmenskenner „von einem Schmalspurbüro“ in Montevideo bearbeitet. Langfristige Planung dürfte hinter dem Kahlschlag keine stecken: Noch im Sommer des Vorjahres wurde bei einer Pressekonferenz das eigene Wachstum propagiert. „Superfund auch 2009 auf Expansionskurs“ hieß es da mit Hinweis auf die Eröffnung einer Zweigstelle in Kopenhagen. Das Gegenteil ist wahr. Die Niederlassung in Dänemark wurde in aller Stille wieder geschlossen. Damit die Filiale überhaupt operativ tätig werden konnte, musste zunächst ein Bankpartner gesucht werden. Just in dem Moment, als der zuständige Country-Manager endlich fündig geworden war, befahl Baha schon wieder die Schließung. Im Unternehmen wird überdies gefeixt, der Standort Zürich würde nur ­behalten, weil Baha dort in der Nähe ein Schloss besitzt.

Christian Baha trifft seine Entscheidungen einsam.
Die Struktur der gesamten Superfund-Gruppe räumt dem Gründer dafür ausreichend Möglichkeiten ein: Superfund besteht aus unabhängigen Einzelgesellschaften, an denen zumeist nur Christian Baha und sein Partner Christian Halper beteiligt sind. Eine kontrollierende Holding gibt es nicht. Auch keine fixen Budgets für die einzelnen Unternehmensteile. Die Landesgesellschaften finanzieren sich beispielsweise nur über die Provisionseinnahmen. Aus diesen müssen alle laufenden Kosten bestritten werden. Verdient eine Landesgesellschaft schlecht, schießt Baha Insidern zufolge freihändig Geld zu.

Unter Wasser.
Das funktioniert, solange genug Geld eingenommen wird. Das Geschäft von Superfund ist in den letzten eineinhalb Jahren allerdings katastrophal gelaufen. Nachdem bereits im Jahr 2009 beinahe alle Fonds Verluste zwischen 25 und 50 Prozent verzeichneten, setzt sich dieser Abwärtstrend auch im Jahr 2010 nahtlos fort. Die vergleichsweise weniger riskanten Fonds der Kategorie A haben alleine in den ersten fünf Monaten des Jahres 2010 rund sieben Prozent an Wert eingebüßt, in den Kategorien B und C sind es zwischen zehn und 17 Prozent (siehe Kasten).
Viele Superfund-Kunden haben innerhalb von kaum mehr als einem Jahr über die Hälfte ihres Anlagevermögens verloren. Ein Investment in die vollautomatisch von einem Computerprogramm gemanagten Superfund-Fonds ist ohnehin nicht gerade billig. Neben einer Zeichnungsgebühr müssen die Kunden in guten Zeiten eine Gewinnbeteiligung an das Unternehmen abgeben, dazu noch jedes Jahr – egal ob Gewinn oder Verlust – eine Management Fee zwischen 4,8 und sechs Prozent der veranlagten Summe entrichten. Dass darüber hinaus noch jede Transaktion einzeln mit rund 30 US-Dollar zu Buche schlägt, versteht sich beinahe von selbst.

Bei einer Investorentagung kündigten Christian Baha und Christian Halper kürzlich eine Senkung der Gebühren an. Wenigstens eine gute Nachricht für die Anleger. Die Botschaft ist klar: Angesichts der schlechten Performance sollen die verbliebenen Anleger mit kleinen Geschenken zufrieden gestellt werden.

Die Akquisition von neuen Kunden wird dagegen nicht nur wegen der abgewürgten geografischen Expansion schwierig. Der bisher für sein breit angelegtes Sponsoring bekannte Finanzdienstleister hat auch die Mittel für Werbung und Sponsoring kurzerhand heruntergefahren. Die Verträge mit den schwimmenden Geschwistern Mirna und Dinko Jukic wurden nicht verlängert, auch Skistar Bode Miller muss sich einen neuen Unterstützer suchen. Dabei hatte sich Olympiasieger Miller eben noch in einem auf der Superfund-Homepage veröffentlichten Brief für die „großartige Unterstützung“ bedankt. Sein schriftlich geäußerter Wunsch nach einer „weiteren gemeinsamen Zukunft“ blieb ungehört. Die Budgets für die lange Zeit so beliebten Sportler-Testimonials dürften so bald auch nicht mehr erhöht werden. Ein Indiz: Die beiden hauptverantwortlichen Leiter der Sponsoringabteilung wurden in andere Stabsstellen versetzt.

Personalfragen.
Die schlechte Ertragslage soll dem Vernehmen nach außerdem zu internen Spannungen geführt haben. Der als beratungsresistent geltende Baha soll den für die Konzernfinanzen zuständigen Roman Gregorig mehrfach persönlich zur Rede gestellt haben. Dabei gehen viele der Probleme des auf Christian Baha zugeschnittenen Unternehmens – abgesehen von der Entwicklung der automatisierten Fonds – wohl auf die persönliche Entscheidungsgewalt des Gründers zurück.

Widerspruch – zumal in schwierigen Zeiten – verträgt Baha schwer. Der ehemalige Polizist hegt sogar gegen sein engstes Umfeld ein ausgeprägtes Misstrauen. Wer das Vertrauen Bahas genießt und wer nicht, ist jeden Freitagnachmittag festzustellen. Wöchentlich zur selben Zeit muss der gesamte Führungsstab inklusive der Niederlassungsleiter von Tokio bis New York zum „Conference Call“ genannten Rapport antreten. Mehr als drei Stunden lang müssen die Manager berichten. Das bindet Zeit und Energie. Zuletzt soll Bahas Tonfall analog zum schwierigen Geschäftsgang zunehmend rauer geworden sein. In den vergangenen Monaten sollen Insidern zufolge zudem zahlreiche Mitarbeiter, einige davon aus den oberen Managementebenen, Superfund verlassen haben. Nicht alle freiwillig, manche im Unfrieden. Im Herbst des Vorjahres trennte sich Baha im Streit von seinem langjährigen PR-Berater und World-Awards-Organisator Georg Kindel. Die beiden kommunizieren nur noch über Anwälte.

Öffentlichkeitsarbeit.
Auch wenn der Mitte vergangener Woche von profil an Superfund gesandte Fragenkatalog zu Geschäftsgang und Restrukturierungsmaßnahmen unbeantwortet blieb, bestätigt das Unternehmen indirekt einen Großteil der profil-Recherchen. In einer eilig zusammengestellten und Freitag zu ­Mittag ausgeschickten Presseaussendung mit dem Titel ­„Superfund stellt strategische Weichen für die Zukunft“ werden unter anderem die Schließung von Niederlassungen, der Abbau von Mitarbeitern und die Reduktion des Sportsponsorings eingeräumt.

Als Kontakt für Presseanfragen ist am Schluss der Aussendung übrigens nicht der erst zum Jahreswechsel als Unternehmenssprecher engagierte Rudolf Fußi angeführt. Fußi verließ Superfund – unbemerkt von der Öffentlichkeit – nach nur vier Monaten.