Technoinferno: „The Congress” von Ari Folman mit Robin Wright

Neu im Kino: In Ari Folmans „The Congress” taucht US-Schauspielerin Robin Wright im digitalen Kino ab.

Der Tod des Kinos, wie wir es kennen, steht unmittelbar bevor. Davon geht "The Congress“ aus. Das erste Bild dieses Films: Die tränenüberströmte Hauptdarstellerin, Robin Wright, muss sich von ihrem Agenten (Harvey Keitel) die Leviten lesen lassen. Sie habe üble Entscheidungen getroffen, ihren guten Ruf verspielt. Ein finales, undefiniertes Filmangebot liege vor, sie nehme es besser an, denn es werde kein weiteres geben. Ihr letzter Vertrag sieht vor, dass sie alle Bildrechte an ihrer Person zu verkaufen, sich dreidimensional (und multi-emotional) einscannen zu lassen und ihren Beruf zu quittieren habe. Sie sieht sich gezwungen, auf den bösen Deal einzusteigen. 20 Jahre später besucht sie einen Zukunftskongress, der in einer "vollanimierten Zone“ liegt - und erneuert als Trickfilmfigur ihre Kritik an der Unmenschlichkeit eines Kinos ohne Persönlichkeitsrechte.

Zwischen Real- und Trickfilm
Ari Folman, Schöpfer des Welterfolgs "Waltz with Bashir“, benützt in "The Congress“ die reale Bio- und Filmografie seines Stars und stellt eine nicht unspannende Frage: Wenn die Körper und Gesichter der Schauspieler im Zugriff einer immer raffinierteren digitalen Technologie in jedes denkbare Filmszenario zu blenden, universal einsetzbar wären - wie schützte man deren Identität? Und was wäre dann noch "real“? Stanislaw Lems Roman "Der futurologische Kongress“ stand für diese Story Pate. Ari Folmans Kritik an der Amoral Hollywoods ist allerdings etwas dünn, der Kitsch liegt gefährlich nah, und einige exaltierte Nebendarsteller agieren nicht auf Wrights Niveau. Aber "The Congress“ schlägt Profit aus seinen Vexierbildern, den thematisch-stilistischen Irritationen, sogar aus der seltsam naiven Psychedelia-Animation des zweiten Teils. Und Folman hat keine guten Nachrichten für Schauspieler: Im Kino der Zukunft, das im Techno-Faschismus enden wird, werden sie nur noch Substanzen sein.

Stefan Grissemann