Mensdorff-Pouilly kassierte von der Telekom Austria 1,1 Millionen Euro

Waffenlobbyist Mensdorff-Pouilly kassierte von der Telekom Austria 1,1 Millionen Euro.

Eigentlich machen Seine ­Erlaucht ja in Rüstung. Aber wenn die Telekom Austria ruft, darf‘s schon ein bisserl ziviler zugehen – wenn auch nicht notwendigerweise zivilisierter. Wie profil im Februar dieses Jahres berichtete, stand Waffenlobbyist Alfons Mensdorff-Pouilly, Ehemann der früheren ÖVP-Spitzenpolitikerin Maria Rauch-Kallat, 2008 auf der Payroll der Telekom. Über seine Wiener „Beratungsgesellschaft“ MPA kassierte er ein Honorar in Höhe von 1,1 Millionen Euro (profil 6/11).

Nur: Wofür? Das war – und ist – unklar. Der Telekom-Revisions­bericht widmet auch diesem unschönen Kapitel breiten Raum: „Im Juni 2008 wurde die Bestellung für eine mit 11. März 2008 datierte Vereinbarung mit MPA in Höhe von MEUR 1,1 im System angelegt. Im Leistungszeitraum April bis November 2008 sollte MPA als exklusiver Berater und Vermittler für die Akquisition von Unternehmen im CEE-Raum für das Projekt Alpha tätig sein (…) Der Vertrag mit MPA wurde von den Vorständen Fischer und Schieszler genehmigt (…) Diese Beauftragung wurde nicht in den Vorstandssitzungen der TATA (Anm.: die frühere Telekom-Festnetzsparte) behandelt.“

Unter „Projekt Alpha“ wurde der Erwerb des slowenischen Anbieters Smart Com durch die ­Telekom-Konzernbeteiligung Infotech Holding ­geplant. Intern hatte Schieszler offenbar allen Ernstes behauptet, Mensdorff-Pouilly elaboriere einen „Masterplan“ zur weiteren Entwicklung ­dieser Infotech. „Für die Infotech Holding GmbH existiert ein Masterplan. Gemäß der uns erteilten Auskunft durch Herrn Mathias M. wurde dieser Masterplan durch ihn selbst erstellt (…) Gemäß der Auskunft durch Herrn Mathias M.
war MPA in die Erstellung dieses Masterplans nie involviert.“ Überhaupt seien „keine Unterlagen wie Präsentationen oder Studien oder andere Leistungsnachweise identifiziert“ worden und „befragten Mitarbeitern der TA keine Leistungen der MPA im Zusammenhang mit der Akquisition von Beteiligungen bekannt“.

Obwohl Mensdorff-Pouilly keine „feststellbaren Leistungen“ ­erbrachte, bekam er neben dem ­eigentlichen Honorar auch noch eine „Erfolgs­prämie“ – und das zu einem Zeitpunkt, da seine Auftrag­geber das Interesse an der Infotech längst verloren hatten. „Im Oktober 2008 wurde der Rückzug aus dem Beteiligungsverhältnis mit der Infotech beschlossen (…) Nach Beschluss zur Deinvestition wurden noch die restlichen zwei Monatsraten in Höhe von gesamt TEUR 200,00 sowie die Erfolgsprämie in Höhe von TEUR 300,00 ausbezahlt. Aus welchen Gründen es zur Auszahlung der Erfolgsprämie trotz fehlenden Erfolgs kam, konnte nicht nachvollzogen werden.“

Die Prüfer wollen im Lichte der Indizien explizit „nicht ausschließen“, dass die Vereinbarung zwischen Mensdorff-Pouilly und der Telekom „rück­datiert“ worden sein könnte.

Mensdorff? Schweigt. Sein Anwalt retourniert inzwischen keine Anrufe mehr.