Tour d’amour

Zurück zum Normalfall: Zwei neue Liebesfilme aus Österreich – „Zweisitzrakete“ und „Nägel mit Köpfen“.

Nabelschau ist gar kein Ausdruck für das, was der Filmemacher Marko Doringer seit ein paar Jahren öffentlich praktiziert. In „Mein halbes Leben“ (2008) stilisierte er sich zum Loser, der mit 30 in die erste Lebenskrise schlitterte, sich auf filmische Therapiereise begab und nebenbei die Lebensstile von Freunden und Familie dokumentierte. Fünf Jahre später legt Doringer nun ein Nachfolgewerk vor: „Nägel mit Köpfen“ erforscht, dem Titel entsprechend, die gefühlte Notwendigkeit, das späte Jugenddasein mit 35 plus zu beenden und endlich auch innerlich den Schritt ins mittlere Alter zu wagen: sich beruflich festzulegen, zusammenzuziehen, Kinder in die Welt zu setzen. Die Liebe treibt als Generalthema eben auch die Sub-Haneke-Filmszene um.

Kaum Fragen, keine Antwoerten
Unter Oscar-Verdacht steht Doringers Film jedoch so wenig wie die Komödie „Zweisitzrakete“, das vehementer noch im Feelgood-Fach sich einnistende Kinodebüt des knapp 30-jährigen Südtirolers Hans Hofer. Doringer setzt erneut auf streng subjektive Weltsicht: Das beschauliche Berliner Beziehungsleben des etwas lethargischen Filmemachers wird da mit den improvisierten Lebensentwürfen dreier weiterer Paare parallel geführt. Das Kokettieren mit Selbstkritik und Amateurhaftigkeit hat einen sanften Charme, aber „Nägel mit Köpfen“ (Kinostart: 8. März) führt nicht weit – auch weil die scheinbar so drollige Form des Films, deutlicher als „Mein halbes Leben“, den Dramaturgien und Indiskretionen des Privatfernsehens nahesteht: in einem Generationenpor­trät, das schon große Mühe hat, seine allzu gewichtigen existenziellen Fragen überhaupt zu stellen; von Antworten keine Rede.

Gegen Hofers „Zweisitzrakete“ allerdings erscheint selbst „Nägel mit Köpfen“ wie ein Meilenstein: In diesem Versuch einer lokalen romantic comedy hat ein zögerlicher junger Mann nur 14 Tage Zeit, seine beste Freundin, die er heimlich liebt, durch eine spektakulär-romantische Aktion für sich zu gewinnen, sie aus den Händen eines aalglatten Piloten zu eisen. „Zweisitzrakete“ buhlt mit zartem Indie-Pop und zuckersüßer Angebeteter (Alissa Jung) verzweifelt um Zuneigung, bietet aber bloß Karikaturen, soweit das Auge reicht – eine Männerselbsthilfegruppe, die eher wie ein Grundkurs für unzulässiges Filmschauspiel wirkt, sowie zwei Witzblatt-Politessen leisten Hilfe, und ein von Michael Niavarani und Gerti Drassl synchronisiertes Trickfilmturteltaubenpaar kommentiert die Handlung. Der gnadenlos sympathische Manuel Rubey ist das einzige Guthaben am Konto dieses Films. Es reicht nicht. Ab ins All.