Tourismus: Umwelt-Urlaub

Immer mehr österreichische Hoteliers gestalten ihre Betriebe nach äußerst strengen ökologischen Kriterien.

Erst vor wenigen Tagen hat eine chinesische Handelsdelegation dem vor der Eröffnung stehenden Hotel einen Besuch abgestattet. Und schon am Donnerstag dieser Woche wird „Das Gogers“, wie es die Investoren und Betreiber Kurt Goger und Alfred Hackl nennen, als das „erste ökologische Designhotel“ seinen Betrieb aufnehmen und damit potenziellen Gästen offen stehen.

Die Besucher aus China schienen von der ökologischen Konzeption des in Neudau in der südburgenländischen Thermenregion gelegenen Golf- und Wellness-Hotels durchaus angetan gewesen zu sein, berichtet Hackl. Bei dem Bau wurde – vor allem im Bereich der Haustechnik – jede Menge modernster Umwelttechnologie eingeplant und installiert.

Eine Solaranlage sorgt beispielsweise für die komplette Warmwasseraufbereitung. Das begrünte Dach wiederum ermöglicht eine angenehme Klimatisierung. Zudem basieren die Heizung und die Klimaanlage auf der Nutzung von Sonnen- und Erdwärme beziehungsweise auf Erdkühlung. „Eine Erdschleife in einer Tiefe von 80 Zentimetern unter der Oberfläche zieht die Wärme der Erde zum Beheizen unseres Hotels ab“, erklärt Alfred Hackl das Prinzip. „Eine weitere Schleife noch tiefer unten im Erdreich wird zur Klimatisierung genutzt.“

Hackl fungierte bis Ende des vergangenen Jahres als Chef der architektonisch einst noch vom Künstler Friedensreich Hundertwasser gestalteten Rogner Therme Blumau. Nunmehr leitet er den Betrieb des Viersternehotels „Das Gogers“. Kurt Goger, Hackls Partner und zugleich der Namensgeber des Hotels, kümmert sich um das Gebäude. Die vom Architekten Laszlo Krizmanics errichtete, rund 15.000 Quadratmeter große Anlage wurde in neun Monaten fertig gestellt.

Naturverbunden. Die 40 Zimmer sind jeweils etwas mehr als 40 Quadratmeter groß und bieten allesamt Ausblick auf die 45-Loch-„Golfschaukel“ Lafnitztal. Das Haus selbst fügt sich aufgrund der begrünten Dächer recht harmonisch in die Hügellandschaft.

Im Inneren des Gebäudes dominieren Licht und Wasser: Mitten durch den Hotelgang fließt ein Bach, den die Gäste mittels kleiner Brücken überqueren können. Franz Wirth, ehemaliger Haubenkoch aus der Rogner Therme Blumau, zeichnet für die Gastronomie in dem Haus verantwortlich. Beauty-, Massage- und Fitness-Räume, Sauna, Dampfbad und Solarien sowie ein mit Solarenergie beheizter Pool sollen ebenfalls für das Wohlgefühl der Besucher sorgen. „Die Natur haben wir nur geliehen und sollten sie an unsere Kinder möglichst unbeschadet weitergeben“, postuliert Hackl durchaus im Stile eines Werbetexters.

Aufgrund der auf ökologische Faktoren Rücksicht nehmenden Bauweise und Haustechnik erhofft sich Hackl reelle Chancen, für das Hotel demnächst das österreichische Umweltzeichen entgegennehmen zu können – eine unter Beherbergungsbetrieben inzwischen begehrte Zertifizierung, die als Gütesiegel für die ökologische Ausrichtung des jeweiligen Hauses gilt. „Die Kriterien dafür haben wir mehr als erfüllt“, meint Hackl. Er wäre der erste Hotelier im Burgenland, der die Auszeichnung des Lebensministeriums erhalten würde. Das einst von Friedensreich Hundertwasser gestaltete und 1990 vom Umweltministerium initiierte Umweltzeichen soll eine vorbildliche Haltung gegenüber der Umwelt kennzeichnen.

Strenge Kriterien. Die damit verbundenen Bestimmungen gelten grundsätzlich für sämtliche Varianten von Beherbergungsbetrieben: Von der einsamen Berghütte über die Privatpension bis zur Fünf-Sterne-Nobelherberge – Tourismusbetriebe, denen dieses Zeichen verliehen wird, müssen bezüglich Abfall- und Abwasservermeidung, Reinigung, Energieeinsatz und Speisenangebot festgelegte ökologische Kriterien erfüllen.

Und immer mehr Gäste, so zeigen Studien und Umfragen, scheinen auf derartige Gesichtspunkte auch Wert zu legen und diese bei ihrer Buchungsentscheidung zu berücksichtigen – was unter Tourismusanbietern eine kontinuierlich steigende Zahl an Angeboten für diese Klientel nach sich zieht.

Im gesamten Bundesgebiet steht ökologisch orientierten Feriengästen mittlerweile denn auch eine einigermaßen ansehnliche Zahl entsprechend ausgestatteter Betriebe zur Verfügung. 198 Hotels und Beherbergungsunternehmen mit insgesamt 14.268 Betten sind bundesweit derart nach ökologischen Gesichtspunkten gestaltet.

Mit 67 Betrieben und 5131 Betten verfügt Wien unter Österreichs Bundesländern über die meisten als umweltfreundlich zertifizierten Beherbergungsbetriebe.

Öko-Ranking. An zweiter Stelle in diesem Ranking folgt die Steiermark mit 36 Häusern und 2645 Betten, danach Niederösterreich mit 2318 Betten in 22 Betrieben. Oberösterreich kann zwar mit derselben Anzahl an umweltfreundlichen Herbergen wie Niederösterreich aufwarten, diese verfügen aber nur über 1040 Betten.

Auch Ilmar Tessmann setzt bei seinem Hotel Biolandhaus Arche im kärntnerischen St. Oswald-Eberstein auf ökologische und biologische Ausrichtung. Bereits 1992 wurde der Naturküche des Biolandhauses Arche die „Grüne Haube“ verliehen. 1995 erhielt der Hotelier außerdem den Umweltpreis des Landes Kärnten. 1997 wurde seine 30-Betten-Herberge mit dem Öko-Umweltzeichen ausgezeichnet, und zwei Jahre später folgte eine Prämierung als bestes Ökohotel Mitteleuropas.

Das Haus wurde unter Berücksichtigung baubiologischer Aspekte gestaltet, verfügt über Vollholzzimmer und neue Lehmbau-Appartements. Zudem steht den Gästen – wie inzwischen auch in vielen anderen Häusern – ein umfangreiches Wellness-Angebot zur Verfügung: Massagen, Biosauna, Wärmebank und ein Kneippbereich. Am 14. Juni 2004 wird Umweltminister Josef Pröll dem als Pionier des ökologischen Tourismus geltenden Unternehmer zudem das europäische Umweltzeichen überreichen.

Nichtraucherhotel. Ein solches bekam Florian Pointner bereits für sein „Gesundheits-, Bio- und Nichtraucherhotel Florian“ in Reith bei Kitzbühel. Als erstes österreichisches und europaweit drittes Hotel erhielt der Tiroler Betrieb die EU-Blume, eine europäische Auszeichnung für umweltfreundliche Hotels.

„Die meisten Hoteliers haben Existenzängste und tun oftmals nicht das, was sie eigentlich selber gerne möchten“, glaubt Pointner. „Stattdessen versuchen sie, es allen recht zu machen.“

1979 wandelte Pointner seine Frühstückspension in ein Gesundheitshotel mit Vollwert- und Naturkostküche um. Seit 1990 wird nur noch vegetarische Kost angeboten und das Haus rauchfrei geführt. Das 31-Betten-Hotel verfügt über zwei angeschlossene Seminarhäuser, im Umfeld der Anlage existiert eine autofreie Zone. Die Vollwert-Naturküche des „Florian“ wurde schon vor Jahren mit der „Grünen Haube“ bedacht.

Auch das niederösterreichische Hotel Steinschalerhof in Warth im Bezirk St. Pölten zählt zu jenen Herbergen, denen bereits ein Umweltzeichen sowie eine „Grüne Haube“ verliehen wurden.

Als Besonderheit des von der Hoteliersfamilie Weiß geführten Vier-Sterne-Seminarhotels mit 56 Zimmern gilt vor allem eine 3000 Quadratmeter große Anbaufläche, auf der neben Obstbäumen eine Vielzahl beinahe vergessener Wildkräuter wachsen – Guter Heinrich beispielsweise, Borretsch oder Wegerich. Schon seit Jahren kann der Hotelkoch seinen Gästen deshalb exquisite Gerichte aus der Wildkräuterküche kredenzen.