Übernahmen: Elefanten unter sich

Eine neue Fusionswelle wogt durch die Weltwirtschaft. Für die Aktionäre der beteiligten Unternehmen bedeutet das meist nichts Gutes.

Das Comcast-Gebot für Disney ist nicht das höchste, das heuer für ein Unternehmen abgegeben wurde: Der französische Pharmakonzern Sanofi-Synthélabo bietet den Gegenwert von 68,7 Milliarden Dollar, um seinen deutsch-französischen Konkurrenten Aventis zu kaufen. Weitere Elefantenhochzeiten sind in Planung, insgesamt wurden in den ersten sechs Wochen 2004 bereits Übernahmeangebote in der Höhe von 279 Milliarden Dollar platziert. „Das ist der höchste Wert seit dem Frühjahr 2001“, so Monika Rosen, Chefanalystin bei der Bank Austria Creditanstalt. Damals verebbte die letzte weltweite Fusionswelle.

Die größten aktuellen Fälle:

  • Sanofi gegen Aventis: Aventis-Vorstandschef Igor Landau, dessen Unternehmen selbst erst 1999 aus einer Fusion der deutschen Hoechst und der französischen Rhone-Poulenc entstanden ist, wehrt sich mit Händen und Füßen gegen die feindliche Übernahme durch Sanofi. Der Zwist war sogar Thema zwischen Deutschlands Bundeskanzler Gerhard Schröder und Frankreichs Präsident Jacques Chirac.
  • Oracle gegen Peoplesoft: Das US-Softwareunternehmen Peoplesoft ließ seinen größeren Konkurrenten Oracle heuer schon mit mehreren Übernahmeangeboten abblitzen. Die US-Wettbewerbsbehörde steht auf der Seite des Kleineren: Sie dürfte die Übernahme verbieten.
  • Etwas zivilisierter geht es bei den US-amerikanischen Mobilfunkbetreibern zu: Der drittgrößte Marktteilnehmer AT&T Wireless versteigert sich selbst um mehr als 30 Millionen Dollar an einen seiner Konkurrenten: Interesse haben unter anderem Cingular Wireless, Vodafone aus Großbritannien und NTT DoCoMo aus Japan angemeldet.
  • Noch drei Monate lang will die EU-Kommission die freiwillige Verschmelzung der Musiksparten des Bertelsmann- und des Sony-Konzerns prüfen. Grünes Licht gab sie hingegen vergangene Woche für den Zusammenschluss der Flugunternehmen KLM und Air France.
  • Auch im Bankensektor wird fusioniert: Die amerikanische Bank One wurde soeben um 58 Milliarden Dollar von JP Morgan erworben. Dadurch entsteht das zweitgrößte Finanzinstitut der USA. In der deutschen Bankenlandschaft halten sich hartnäckige Gerüchte um Übernahmen aus dem Ausland, vor allem der Name der Bank-Austria-Mutter HypoVereinsbank (HVB) fällt immer wieder.

Dass Übernahmen nicht nur vorteilhaft für den Aktienkurs sind, haben Bank-Austria-Aktionäre nach der Übernahme durch die HVB am eigenen Depot erfahren. Für Klaus Gugler, Industrieökonom an der Uni Wien, war diese sogar ein „klassisches Beispiel für eine schlechte Fusion“. Gugler hat in einer Studie 1500 Fusionen aus den neunziger Jahren untersucht. Das Resultat: „Mehr als 50 Prozent der Fusionen bringen nicht die versprochenen Effizienzsteigerungen.“ Zwei Jahre nach einer Fusion liegt der Börsewert der betreffenden Unternehmen durchschnittlich zwölf Prozent unter jenem vergleichbarer Konkurrenten. „Das spricht dafür, dass es bei Fusionen oft nicht um die Wirtschaftlichkeit geht“, so Gugler. Während die Manager in der Regel von einer Ausdehnung ihrer Machtbereiche profitieren, stehen Aktionäre oft als Verlierer da. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Feindliche Übernahmen sind für Aktionäre im Endeffekt besser als ausverhandelte Fusionen.