Unterdrückung: Menschen zweiter Klasse?
Islam & Frauen: eine kritische profil-Analyse

Das dunkle Frauenbild des Islam. Wie Allahs Töchter zwischen religiösem Traditionalismus und westlicher Lebensweise um ihre Identität kämpfen.

Vergangene Woche tauchte eine 18-jährige Türkin im obersteirischen Liezen unter. Vier Monate lang hatte ihr Vater sie drangsaliert, zuletzt drohte der 49-jährige gläubige Moslem, das Mädchen in die Türkei abschieben und erschießen zu lassen. Seine abtrünnige Tochter hatte sich mit einem 38-jährigen Steirer eingelassen. Dafür sollte sie büßen.

Als das Mädchen, unter dem Vorwand, den Mist rauszutragen, das Haus verlassen wollte, fesselte sie die Mutter mit einem Kabel, das im Stiegenhaus lag. Die Nachbarn alarmierten die Polizei.

Alles eine Frage der Ehre. Tragödien dieses Genres gehören zum Fixinventar in den Lokalteilen der Zeitungen.

„Oh Allah, Barmherziger. Du sagst, Männer sind die Beschützer der Frauen, weil du ihnen mehr Kraft gegeben hast“, betete eine junge Frau im schwarzen Tschador im Film des holländischen Regisseurs Theo van Gogh, „Die Unterwerfung“. Die Szenen kosteten den Filmemacher das Leben. Im November 2004 schoss der marokkanische Einwanderer Mohamed Bouyeri van Gogh mit mehreren Kugeln vom Fahrrad, schnitt ihm wie einem Tier die Kehle durch und heftete ihm mit dem Messer ein Blatt Papier auf die Brust: „Im Namen Gottes, des barmherzigen Erbarmers“. Eine Todesdrohung richtete sich gegen die Autorin von „Unterwerfung“ – die Politikerin somalischer Abstammung Ayaan Hirsi Ali, die seit Langem gegen die Männervorherrschaft in moslemischen Familien kämpft.

Scharia-Exzesse. Vergewaltigungen, Prügel, psychische Demütigungen gehören zu den größten Problemen aller islamischen Gesellschaften, schreibt Hans-Peter Raddatz in seinem Buch „Allahs Frauen“. In Pakistan oder Ägypten gilt eine unbegleitete Frau in der Öffentlichkeit als für Männer „freigegeben“. Einmal zum Opfer geworden, sind sie entehrt und werden zu Unzüchtigen oder Prostituierten. In Nigeria wurde 2002 Amina Lawal zum Tod durch Steinigen verurteilt, weil sie ein außereheliches Kind geboren hatte. Die Strafandrohung wurde 18 Monate später, nach internationalen Protesten, aufgehoben. Scharia-Exzesse fanatischer Sittenwächter, verschleierte Frauen, Zwangsehen und Ehrenmorde schien es nur in Pakistan, in Ägypten oder im Iran zu geben. Jedenfalls weit weg.

Im Februar 2006 schoss ein 18-jähriger Türke seiner 23-jährigen Schwester dreimal ins Gesicht. Mitten in Berlin. Es war kein Einzelfall. Gewaltverbrechen im Namen der Ehre und unter dem Vorwand der Wahrung der weiblichen Würde passieren im moslemischen Europa jede Woche.

„Solche Vorkommnisse haben nichts mit unserer Religion zu tun“, sagt die selbstbewusste Kopftuchträgerin und Ärztin Melek Can, „so was passiert nur in der Unterschicht, wo Bildung und Aufklärung fehlen.“ Sie schüren die Angst vor Parallelgesellschaften, in denen Koran, Überlieferung, Scharia und Kultur den Boden für Gewalt aufbereiten. 15 Millionen Moslems leben in Europa. 400.000 sind es in Österreich. In Ländern wie Deutschland, Frankreich oder Großbritannien haben sie mit jeweils mehreren Millionen einen erheblichen Anteil an der Bevölkerung. Lange Zeit hatte man nebeneinander gelebt. Multikulti-Politiker forderten Toleranz, ohne sich der Mühe wirklicher Tiefenforschung zu unterziehen.

Das änderte sich, nicht zuletzt durch harsche Kritik aus den eigenen Reihen. Kürzlich forderte die deutsch-türkische Frauenrechtlerin und Buchautorin Seyran Ates einen vehementen Kampf gegen die Abwertungen: „Ich verstehe auch die Christen und Juden nicht, dass sie nicht aufschreien und sagen: Es kränkt uns, wie die Moslems unsere Frauen sehen.“ Ates, die als Anwältin Opfer patriarchaler Gewalt vertreten hatte, wurde 1984 vom Mann einer Klientin angeschossen. Frauen wie ihr und Buchautorinnen wie der somalischen Islam-Kritikerin Ali ist es zu verdanken, dass das Frauenbild des Islam zum ideologischen Krisenherd wurde.

Vor zwanzig Jahren interessierte es weder Politiker noch Medien, wie Zuwanderer ihre Frauen behandelten. Ein Teil der Gastarbeiter ebenso wie das Gros der Einheimischen waren der fixen Überzeugung, die türkischen Familien wären ausschließlich aus finanzieller Motivation hier. Irgendwann würden sie in ihre Heimat zurückkehren. Mitte der achtziger Jahre begann es sich innerhalb der Bevölkerung zur Gewissheit zu verdichten, dass die billigen Hilfsarbeiter und Putzfrauen gekommen waren, um zu bleiben. Sie hatten sich niedergelassen, die Hälfte besaß bereits einen österreichischen Pass; hier brachten sie ihre Kinder zur Welt. Nur in feministischen Zirkeln redete man über Ehre, Gewalt an Frauen, Genitalverstümmelung. Die öffentliche Debatte drehte sich um Staatsbürgerschaft und Aufenthalt. In den Herkunftsländern – vom Sudan über Teile des Maghreb bis zum gesamten Nahen Osten – legte der politische Islam stetig zu. Nach den Terroranschlägen 2001 gerieten die in Europa sesshaft gewordenen Moslems unter Verdacht, hinter der Fassade der Angepasstheit Attacken zu planen. Die verschleierte Frau – in den achtziger Jahren das perfekte Klischeebild für die ungebildete Frau vom Land – wurde zu einem Symbol für die vielfältigen Bedrohungen, die aus den Parallelgesellschaften heraufdräuen.

Widersprüchlichkeiten. Darauf reagierten zunächst die Rechten. Trotzig fragten sie, ob es noch erlaubt sei zu sagen, dass man Österreicher ist. Konservative Politiker, die nie als Frauenrechtler aufgefallen waren, forderten freie Frauen statt Kopftuch. Sie fanden sich plötzlich Seite an Seite mit feministischen Ikonen der siebziger Jahre wie Alice Schwarzer, die den Kampf wieder aufgenommen hatten. Nur ging es dieses Mal gegen die rückständigen, patriarchalen Moslems. An den realen Verhältnissen änderte sich nichts. „An Maßnahmen, um die Position der Frauen zu stärken, etwa gesichertem Aufenthalt oder besserem Zugang zu Bildung, fehlt es nach wie vor“, sagt Migrationsforscherin Sabine Strasser.

Wer über die Religion redet, landet unweigerlich bei den Frauenrechten. Und wer dazu im Koran nachschlägt, findet – so wie übrigens in allen Offenbarungsschriften – höchst Widersprüchliches. Vor Gott sind Mann und Frau gleich, aber nicht im Sinne westlicher Gleichberechtigung: „Die Männer stehen über den Frauen, weil Gott sie vor diesen ausgezeichnet hat und wegen der Ausgaben, die sie von ihrem Vermögen gemacht haben“ (4,34). Und: „Die Männer stehen eine Stufe höher“ (2,228). Vor Gericht wiegt die Zeugenaussage zweier Frauen so viel wie die eines Mannes; wenn eine Frau eine Erbschaft macht, bekommt sie die Hälfte. Auch in den eigenen vier Wänden hat der Gatte in wichtigen Belangen wie Schulbesuch und Berufsausbildung das Sagen; Brüder spielen sich als die „Herren“ ihrer Schwestern auf, deren oberste Pflicht es sei, sich auf ein Leben als treusorgende Hausfrau vorzubereiten. Denn so heißt es in der Sure 33,33 an die Ehefrauen des Propheten gerichtet: „Und bleibt in eurem Haus.“ Verweigert die Frau den Gehorsam, darf der Ehemann sie zur Räson bringen: „Und wenn ihr befürchtet, dass eure Ehefrauen widerspenstig sind, dann ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie“ (Vers 4,34).

Traditionelle Moslems nehmen Suren wie diese als Freibrief für Unterdrückung und Gewalt. In dem Buch „Erlaubtes und Verbotenes im Islam“, einer Art Lebensfibel für Moslems, heißt es, Frauen müssten „als besten Ausdruck des Schamgefühls“ in der Öffentlichkeit den „Blick senken“ und den Körper mit Ausnahme von Gesicht und Händen verhüllen. Eine Ehefrau, die sich ungebührlich benimmt, solle der Mann zunächst durch „gute Worte und Argumente“ besänftigen. Hilft das nichts, dürfe er sie „leicht mit den Händen schlagen, wobei er das Gesicht und andere empfindliche Stellen zu meiden hat. Auf keinen Fall darf er einen Stock oder sonstigen Gegenstand benutzen, der Schmerzen und Verletzungen verursacht.“

Bis zum Jahr 2005 diente dieses 1960 vom islamischen Rechtsgelehrten Jusuf al-Qaradawi verfasste Werk in Österreich als offizielles Schulbuch für den islamischen Religionsunterricht. Jedes Jahr bestellte die Islamische Glaubensgemeinschaft davon hunderte Exemplare im Rahmen der Schulbuchaktion für die Oberstufen der Gymnasien. Das mit Steuermitteln angekaufte Buch eines ausgewiesenen fundamentalistischen Islam-Gelehrten verletzt nicht nur Frauenrechte, sondern stellt auch die islamische Gesetzgebung Scharia über nationale Gesetze. Da wird die Todesstrafe für drei Delikte gefordert: Mord, öffentlich begangener Ehebruch und Abkehr vom Islam. Homosexualität wird als Kapitalverbrechen bewertet: „Sollten beide, der aktive und der passive Teil getötet werden? Zwar scheinen solche Strafen grausam, doch wurden sie empfohlen, um die Reinheit der islamischen Gesellschaft zu erhalten und sie von abartigen Elementen rein zu halten.“

Fuat Sanac, Fachinspektor für den Religionsunterricht, legt den Koran liberal aus: Aus dem Koran eine Anleitung zum Schlagen herauszulesen sei eine „patriarchale Vorstellung“. Wenn überhaupt, sei mit „darab“, Arabisch für „Schlagen“, höchstens leichtes Malträtieren mit einem Taschentuch gemeint. Der Koran habe der Frau in Wirklichkeit „zahlreiche Rechte eingeräumt“ – etwa ein Recht auf Bildung, eigenen Namen und Besitz – doch würden viele Mosleminnen das nicht wissen. Das stimmt zwar, doch es ist lange her. Im 6. Jahrhundert war es auf der arabischen Halbinsel grausame Sitte, weibliche Säuglinge umzubringen; der Koran verurteilte diesen Brauch. „Darauf beziehen sich noch heute jene Theologen, die den Koran fortschrittlich deuten wollen“, so Schmidinger. Das Problem: Für Moslems – von der Beduinin in Nordafrika bis zur Anwältin aus Ankara – ist der Koran unveränderliches Wort Gottes. Und „Gleichberechtigung in unserem Sinne ist nicht vorgesehen“, so der Islamforscher Schmidinger.

Das nähre den Zweifel, ob der Islam und europäische Grundwerte sich auf Dauer vertragen. „Das Image des Islam hängt mit dem Frauenbild zusammen“, sagt Carla Amina Baghajati, Sprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich. Viele Mosleminnen fühlen sich inzwischen notorisch verunglimpft. „Ihre Frauen schlagen scheinbar immer nur die anderen“, sagt Rossalina Latcheva, Mitautorin einer von der Stadt Wien beauftragten Studie zu Zwangsehen. „Dabei sind Zwangsehen nur eine Form von Gewalt gegen Frauen. Und Gewalt erfährt auch jede fünfte österreichische Frau.“

Freizügigkeit. In diesem Spannungsfeld zwischen religiösen-patriarchalen Weltbildern aus ihren Ursprungsländern und der westlichen Lebensweise versuchen sich die in Österreich lebenden Mosleminnen zu arrangieren. Laut einer deutschen Studie aus dem Jahr 2004 gab jede zweite befragte türkische Frau an, ihre Ehe sei arrangiert worden, 23 Prozent davon hätten sich ihren Partner lieber selbst ausgesucht. Zahlen für Österreich gibt es nicht. Doch auch hierzulande hätten türkische Eltern Angst, „dass die Freizügigkeit der modernen Gesellschaft die Kinder verdirbt“, sagt Sozialforscherin Rossalina Latcheva.

Die Tabus brechen langsam auf. Fortschrittliche Imame predigen gegen Genitalverstümmelung und Zwangsehen. Türkischsprachige Gratiszeitungen berichten über Jugendliche, die sich das Leben nehmen, weil sie mit dem Partner, den ihre Sippe ausgesucht hat, nicht einverstanden sind. Lehrer mischen sich ein, wenn familiäre Fehden eskalieren. So setze sich allmählich die Einsicht durch, „dass es nichts bringt, Kinder zu ihrem Glück zu zwingen“, sagt Fachinspektor Sanac. Doch die Angst der Konservativen vor der sexuell aktiven Frau ist ungebrochen. Nicht nur im Iran wird Mädchen die westliche Frau zur Abschreckung als Hure vorgeführt.

Laut Koran müssen sowohl Männer als auch Frauen mit dem Sex bis nach der Hochzeit warten. Doch die patriarchale Kultur erlaubt es den Männern, sich vor der Ehe auszutoben, während die Mädchen ihre Jungfräulichkeit zu wahren haben. Sie gilt nach wie vor als Voraussetzung für den Heiratsmarkt. Der Jungfernkult basiert auf dem im Koran festgehaltenen Paradies-Konzept. In einem Garten liegen dort „die Geretteten“ bei „Strömen von Wasser, Milch, Wein und Honig“. Neben ausreichend Verpflegung stehen „vollbrüstige und großäugige Houris“ in Bereitschaft, die „in den Zelten abgesperrt … vor ihnen weder Mensch noch Dschinn entjungfert hat“.

Die Hymen-Rekonstruktion, im Nahen Osten ein weit verbreitetes Business sowohl unter Moslems als auch unter koptischen Christen, gehört auch in Österreich zum Spitalsalltag. „Natürlich wird das nicht ausgesprochen“, so die Wiener Gynäkologin Bibiana Kalmar, die früher an der Semmelweis-Klinik tätig war, „da kommen die Mädchen mit ihren Müttern und klagen einmal über Bauchweh. Und ganz beiläufig kommt die Frage, ob diese Art von Eingriff auch möglich wäre.

Die Männer sind da meistens nicht involviert, das wird unter den Frauen geregelt.“

Der Wunsch nach Wiederherstellung des Häutchens, das unter Lokalanästhesie, aber auch Vollnarkose durchgeführt wird, ziehe sich quer durch alle Schichten: „Wichtig ist im Traditionsverständnis, dass in der Hochzeitsnacht Blut fließt.“ Auch ein kalkweißer, dem Kreislaufkollaps naher Bräutigam im Klüngel einer zwanzigköpfigen Großfamilie musste schon einmal auf der Station versorgt werden. „Seltsamerweise empfand er es als die viel größere Schande als die Braut, dass kein Tropfen Blut floß. Wir haben ihn beruhigt und ihm erklärt, dass seine Frau trotzdem als Jungfrau in die Ehe gegangen war.“ Ein Mann von Ehre ist wehrhaft, stark und hart; die ehrenhafte Frau keusch bis zur Ehe und dann für immer treu. Die unterschiedliche Bedeutung des Ehrbegriffs für Männer und Frauen verkehrt sogar die Rollen von Opfer und Täter: Ein Vergewaltiger fügt seiner Familie Schande zu; noch größer ist die Schande für die Familie des vergewaltigten Opfers. „Diesen Begriff von Ehre müssen wir Moslems hinterfragen“, sagt Carla Amina Baghajati von der Islamischen Glaubensgemeinschaft.

Kopftuch-Debatte. In Europa werden solche Fragen gerne im Zusammenhang mit dem Kopftuch erörtert. Das Stück Stoff steht für Rückständigkeit, Unterdrückung, seit den Terroranschlägen für Fundamentalismus und Integrationsunwilligkeit. Melek Can, Ärztin, 30, „gebürtige Favoritnerin“, deren türkische Familie in dritter Generation in Österreich lebt, setzte sich das Kopftuch erst vor sechs Jahren auf, freiwillig. Ihr ist „unbegreiflich, dass an einem Stück Stoff so viel Angst festgemacht werden kann“. Nurhan Aktas, 37, bedeckte ihre Haare im zarten Alter von elf. Ihre Schulkollegen verspotteten sie: „Du schaust aus wie eine Oma!“ Sie nahm das Tuch wieder ab. Beim Elternsprechtag fragte ihr Lehrer ihren Vater, ob er denn wisse, dass seine Tochter kein Kopftuch mehr trage. Darauf antwortete er: „Ich wusste nicht, dass sie eins trägt.“

Laut einer Studie der Wiener Soziologin Hildegard Weiss sagen 39 Prozent der türkischen Jugendlichen, die Frau gehöre an den Herd; bei den Mädchen stimmen dieser Aussage nur acht Prozent zu. Fazit: „Die Mädchen sind am Aufbrechen.“ Aus den patriarchalen Zwängen befreien sie sich durch Bildung. Tatsächlich kommen immer mehr Mosleminnen bis zur Matura und an die Uni. Es könnten mehr sein, glaubt Zeynep Elibol, Direktorin der islamischen Fachschule in Wien. Viele Mädchen werden dazu verdonnert, Gästen Tee zu servieren. Elibol: „Wenn der Vater Leute einlädt und diese lange bleiben, kommt das Mädchen nicht zum Lernen.“

Sanfte Revolution. Die Nachricht, dass die Frauen sanft, aber zunehmend an den Festen des Patriarchats rütteln, hat sich im Café Csafak im Wiener Brunnenmarkt-Viertel noch nicht herumgesprochen. Wie jeden Abend sitzen rund siebzig Männer, rauchend, kartenspielend, um das Lagerfeuer der Testosteronfraktion – einen Bildschirm, auf dem eine Fußballübertragung ausgestrahlt wird. Männer, die ihren Frauen bei der Hausarbeit helfen, gelten als „Hanimköylö“ (aus dem Dorf der Ehefrau) oder „Kilibik“ (Pantoffelheld). „Frauen?“ Der Wirt lacht. „Nein, Frauen kommen nie hierher. Das ist ein Lokal für die Herren.“ Natürlich trägt seine Frau Kopftuch, erzählt ein Speditionsarbeiter: „Ich will nicht, dass mein Chef oder ein anderer Fahrer meine Frau sieht.“ Es wäre wie mit einem Brief und einer Postkarte: „Bei der Postkarte kann man gleich alles lesen, der Brief ist viel geheimnisvoller und schöner.“ „Ihr habt auch die Maria“, wirft ein Schneider ein, und auch sie sei „schöne zu“.

„Meinetwegen muss die Frau kein Kopftuch haben“, wirft ein Lebensmittelhändler die Hände in die Luft, „es bin ja nicht ich, es ist die Religion, die das will.“

Text: Angelika Hager und Edith Meinhart
Mitarbeit: Otmar Lahodynsky