US-Wahl: Möge der Größere gewinnen

USA. Wer Präsident wird, hängt auch von einer Reihe nicht beeinflussbarer Faktoren ab. profil analysiert die wichtigsten davon.

So sieht der durchschnittliche US-Präsident seit 1945 beim Amtsantritt aus: männlich, weiß, 56 1/2 Jahre alt, 1,82 Meter groß. Stammt aus einer Oberschichtfamilie im Osten des Landes, in Harvard, Yale oder an einer Militärakademie ausgebildet. Baptist oder Presbyterianer. Verheiratet, 2,2 Kinder. Diente den Streitkräften der Vereinigten Staaten als Frontsoldat.
Diesmal ist scheinbar alles komplett anders: Zur Wahl stehen erstmals nicht nur zwei weiße Männer, sondern – je nachdem, wer sich bei den Demokraten als Kandidat durchsetzt – auch eine Frau oder ein Afroamerikaner.
Spätestens wenn Anfang März die Vorwahlen in Texas stattfinden, dürfte die endgültige Entscheidung zwischen Hillary Clinton und Barack Obama fallen. Bei den Republikanern steht John McCain inzwischen als Anwärter für das Amt des 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten fest.

So unterschiedlich die drei potenziellen Präsidenten auch sind: Vergleiche diverser, teilweise auch unpolitischer Parameter aus den 15 US-Wahlen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs lassen durchaus Rückschlüsse auf ihre Chancen zu. Zum Beispiel: Von den zwei Kandidaten, die schlussendlich zum Showdown vor dem Weißen Haus antreten, gewinnt meist – der größere; der ältere; der besser ausgebildete; derjenige, dessen Partei zuvor zweimal verloren hat; der Ost-Amerikaner in Kriegszeiten und weltwirtschaftlich schwierigen Phasen der Republikaner und so weiter. Beim aktuellen Stand der Dinge ergibt sich daraus: Wenn Obama für die Demokraten antritt, läge er gegen McCain leicht vorne. Clintons Chancen stünden hingegen nicht so gut. Aktuelle Umfragen wie etwa eine Erhebung von Gallup und „USA Today“ spiegeln diese Einschätzung wider – demnach bekäme Obama 47 Prozent und McCain 43 Prozent. Clinton würde einer Umfrage der „New York Times“ gegen McCain mit 46 zu 49 Prozent verlieren.

Von Gunther Müller und Martin Staudinger