Verdauung: Die „guten“ Darmbakterien

Welche Stoffe in probiotischen Joghurts enthalten sind und wie sie wirken.

In Fernsehspots optimieren glückliche Erwachsene ihre Verdauung mit dem Joghurt Activia, strahlende Kinder bekommen keinen Schnupfen, weil sie regelmäßig den probiotischen Joghurtdrink Actimel schlucken. Bei einer vom Hersteller Danone abgehaltenen Pressekonferenz bestätigten Karl Zwiauer, Primarius an der Kinderklinik St. Pölten, und Peter Fasching, Primarius am Geriatriezentrum Baumgarten in Wien, Ende September die positive Wirkung probiotischer Joghurts. Als Anwendungsgebiete nannte Zwiauer unter anderem Vorbeugung und Therapie von infektiösen Durchfällen, Prävention von antibiotikainduzierten Durchfällen sowie lindernde Effekte bei chronischem Reizdarm. Möglicherweise führe der Kontakt mit probiotischen Keimen auch zu einem verminderten Auftreten von Allergien. Die Mediziner berufen sich dabei auf seriöse Studien, die an Kindern und alten Menschen durchgeführt und in Fachzeitschriften publiziert wurden. Probiotische Joghurts enthalten spezielle Mikroorganismen, die im Gegensatz zu Milchsäurebakterien aus normalen Sauermilchprodukten die Magen-Darm-Passage überleben, daher großteils lebendig den Darm erreichen und dort krankmachende Keime verdrängen. Für Menschen unverdauliche probiotische Ballaststoffe wie Inulin dienen diesen „guten“ Darmbakterien als Nahrung. Um die Darmflora günstig zu beeinflussen, muss man täglich 100 bis 1000 Millionen Bakterien aufnehmen. Der auf den Joghurts gegebene Rat zur täglichen Einnahme dient also nicht nur der Verkaufssteigerung, sondern ist Voraussetzung für eine gesundheitliche Wirkung. Da die Mikroorganismen wärmeempfindlich sind, sollten probiotische Joghurts gut gekühlt und rasch verbraucht werden.

Laut bayrischem Gesundheitsministerium sind folgende Effekte probiotischer Joghurts durch Studien abgesichert: geringere Durchfallhäufigkeit, Senkung der Konzentration schädlicher Stoffe im Dickdarm sowie Förderung der Laktoseverdauung. Vermutet, aber nicht belegt: Förderung einer optimalen Darmflora, Schutz vor Harnwegsinfekten, Stärkung des Immunsystems, Senkung des Cholesterinspiegels, Steigerung der Mineralstoffresorption sowie vermindertes Krebsrisiko. „Allerdings gelten die Ergebnisse einer Studie immer nur für die jeweilige Bakterienart, da sich diese probiotischen Mikroorganismen in ihren Eigenschaften durchaus voneinander unterscheiden“, sagt Petra Lehner, Ernährungsexpertin der Arbeiterkammer. Für die Wiener Ernährungswissenschafterin Hanni Rützler sind probiotische Joghurts „spannende Produkte, die allerdings wie der Zaubertrank des Miraculix beworben werden“. Und probiotische Joghurts und Joghurtdrinks sind nicht billig. Pro 100 Gramm kosten Actimel (Danone) 0,45, LC1-Joghurt (Nestlé) 0,37 und Fidus natur (Schärdinger) 0,30 Euro. Großunternehmen wie Nestlé oder Danone begründen den hohen Preis mit hohem Forschungsaufwand. Laut AK-Konsumentenschützerin Lehner könnte es aber genauso gut sein, dass die Anbieter ähnlich wie bei „Bio“-Produkten einfach den Preis in die Höhe treiben, weil erfahrungsgemäß Produkte mit gesundheitlichem Zusatznutzen sowieso kaum von einkommensschwachen Gruppen gekauft werden.