Verpackungskünstler: „Einvernehmen erzielt“

Wochenlang wurde über die Zukunft des österreichischen Alu-Konzerns gerätselt. Jetzt steht fest: Amag-Aktionär Klaus Hammerer verkauft das Unternehmen an den Miteigentümer Constantia, mit dem er jahrelang im erbitterten Clinch lag. 1500 Mitarbeiter werden so zu Schilling-Millionären.

profil: Uns liegen Informationen vor, wonach Sie unmittelbar davor stünden, Ihre Amag-Anteile an den Mitaktionär Constantia zu verkaufen.
Hammerer: Ja, im Grundsatz haben wir darüber Einvernehmen erzielt. Jetzt heißt es, das Besprochene in Vertragsform zu gießen.
profil: Sie und Constantia waren als Aktionäre jahrelang gleich stark. Weil Sie aber auch über die Stimmenrechte der beteiligten Mitarbeiter verfügen, waren Sie bisher praktisch Alleinregent im Unternehmen. Und zwischen Ihnen und Constantia gab es ständig Krach. Mehrfach zogen Sie gegeneinander vor Gericht.
Hammerer: Wenn man es mit einer Ehe vergleicht, so war unsere Partnerschaft tatsächlich nicht gut. Umso mehr hoffe ich, dass die Scheidung jetzt im Einvernehmen erfolgt. Die Amag ist ein hervorragendes Unternehmen. Ich bin sicher, dass sie auch in der neuen Konstellation reüssiert.
profil: Jahrelang haben Sie Ihrerseits versucht, die Constantia-Gruppe aus der Amag auszukaufen. Warum drehen Sie den Spieß jetzt um?
Hammerer: Ich sage offen, dass ich mit meinen Bemühungen, die Anteile des Mitaktionärs zu übernehmen, nicht durchgekommen bin. Die gegenwärtige Eigentümerkonstellation ist schwierig. Ich bin 65 und möchte weder selbst in alle Ewigkeit operativ tätig sein, noch möchte ich meinen Sohn, er ist einer der Geschäftsführer im Unternehmen, durch Eigentümerquerelen belastet sehen. Nachdem eine Bereinigung der Situation in der einen Richtung nicht möglich war, habe ich mich entschlossen, in die andere zu gehen.
profil: Hinter diesem Schritt stecken also private Motive?
Hammerer: Zum Teil. Die Konkurrenz- und Kundenstruktur der Amag hat sich in den letzten Jahren verändert. Die Konzentration am Markt schreitet voran. Unternehmen wie Alusuisse, VAW oder Pechiney gibt es nicht mehr. Die Aluminiumsparte von Corus wird ebenfalls gerade zum Verkauf vorbereitet. Alle diese Unternehmen landen in den Händen einiger weniger großer Konzerne, im Wesentlichen Alcan, Alcoa oder, in Europa, Norsk Hydro. In China entsteht eine relativ potente Aluminiumindustrie. Jetzt beginnen die großen Alu-Produzenten gerade, sich in der Wertschöpfungskette Richtung Endprodukt zu bewegen: Der eine oder andere Großkunde der Amag befindet sich mit ihnen bereits in Verkaufsgesprächen. Es stellt sich die Frage, ob in diesem neuen Umfeld die besten Zukunftsaussichten für die Amag wirklich in völliger Eigenständigkeit liegen. Die Verlängerung der Wertschöpfungskette, die durch eine Eingliederung der Amag in den Verpackungskonzern der Constantia entsteht, halte ich da für eine absolute Chance.
profil: Ist es dennoch richtig, dass Sie zumindest das Amag-Presswerk in der Familie halten werden und dem Standort auf diese Art verbunden bleiben?
Hammerer: Ja, das stimmt.
profil: Wie viel sind Ihre 40 Prozent an der Amag der Constantia-Gruppe wert?
Hammerer: Es wird Sie kaum wundern, dass ich diese Frage nicht beantworte.