Wahlkampf. Jö.

Endlich wieder, worauf wir gleich monatelang warten mussten. Endlich wieder klare Worte und hochstehende Debatten. Endlich wieder einmal Wahlkampf.

Willi Molterer wies heute erneut und mit wachsender Empörung Vorwürfe zurück, seine Abgrenzung zur FPÖ sei nicht klar genug – und es könne sehr wohl zu einer Neuauflage von Schwarz-Blau kommen. Die ÖVP, ­führte Molterer aus, habe noch nie Grundsätze einfach über Bord geworfen – außer natürlich, wenn es ihr in irgendeiner Art nützte.
Josef Cap, das ewige Licht der SPÖ, attackierte unterdessen den ehemaligen Koalitionspartner wegen dessen Wahl­slogan „Wir versprechen nur, was wir auch halten können“ scharf: „Auch diesbezüglich ist die SPÖ wieder einmal wesentlich ambitionierter.“ Zu seiner eigenen Zukunft, insbesondere zu Gerüchten, er könnte als auch nicht eben rasend erfolgreicher Klubchef Alfred Gusenbauer in die Polit-Pension nachfolgen, meinte Cap süffisant: „Glauben Sie wirklich, die SPÖ stünde ohne mich besser da?“ – wartete aber leider die Antwort nicht ab, weil er dringend zum Lauftraining musste.

Karl-Heinz Hackl, Spitzenkandidat der Liste Soziale Kultur Österreichs, gab heute, unter einem Kirschbaum in Reichenau an der Rax sitzend, eine Pressekonferenz, in der es darum ging, dass er unter einem Kirschbaum in Reichenau an der Rax sitze – und was Tschechow dazu eingefallen wäre. Hackl revidierte dabei auch sein Wahlziel: Er möchte nun nicht mehr stärker als Strache werden, sondern grüner als der unglaubliche Hulk. Diese Ankündigung nahm die grüne Vizechefin Eva Glawischnig „doch ziemlich persönlich, irgendwie“ und stellte klar, man müsse die Grünen wählen, damit die FPÖ nicht den dritten Platz erobere. Auf Nachfrage führte Glawischnig als weiteren Grund, ihrer Partei den Vorzug zu geben, an: „Und damit die FPÖ Vierter bleibt.“

Darauf reagierte die FPÖ in Person des stellvertretenden Parteichefs Karlheinz Klement, der einen, wie er fand, „humorvollen“ Autoaufkleber präsentierte, auf dem steht: „Ich bremse auch für Grüne“. Klement meinte dazu, es müsse selbst in der härtesten Wahlauseinandersetzung Platz für ein wenig Augenzwinkern bleiben, und kündigte nach den bereits affichierten, zum Nachdenken, aber eben auch zum Schmunzeln anregenden Plakatslogans „Plemplem statt Moslem“ (islamkritisch), „Uropa statt Europa“ (europakritisch), „Stinker statt Linker“ (gesellschaftskritisch) sowie „Wotan statt Waten“ (hochwasserkritisch) weitere intellektuell hochstehende Schenkelklopfer an. Josef Bucher, angeblich Spitzenkandidat der Kärntner Splittergruppe BZÖ, legte heute eine von Jörg Haider beglaubigte Kopie seiner Geburtsurkunde und seinen letzten Gehaltszettel als Abgeordneter vor. Damit, so Bucher, seien wohl alle Zweifel an seiner tatsächlichen Existenz ein für alle Mal ausgeräumt. Buchers Pressekonferenz wurde übrigens empfindlich gestört, als ein – möglicherweise ob seiner Nichtberücksichtigung als Spitzenkandidat – sichtlich erregter Peter Westenthaler in Begleitung von Gerald Grosz versuchte, in das ohnehin bereits überfüllte Empire State Building in Minimundus einzudringen.
Ohrenzeugen berichten übereinstimmend, er habe dabei gerufen: „Lassts de Oaschlecha eine!“ Das LIF wiederum scheint auf seiner Suche nach einem Überraschungs-Spitzenkandidaten in der Zwischenzeit einen entscheidenden Schritt weitergekommen zu sein. Parteichef Alexander Zach kündigte eine veritable Sensation an, eine Person, mit der niemand in Österreich gerechnet habe und die dafür sorgen werde, dass die Karten völlig neu gemischt würden. Er müsse nach Heide nur noch Schmidt rumkriegen – und dann aber.

Indessen legte Dinkhauser von der Liste Fritz heute auf einer Kundgebung, die kurzfristig von Wien nach Wattens verlegt worden war, weil Dinkhauser seine Chancen auf ein Tiroler Grundmandat nicht durch unnötiges Anstreifen am Wasserkopf im Osten beschädigen wollte („I woa mei ­Lebtag no nia in Wien. I bin nämlich ein anschtändiger Bursch!“), seine Bedingungen für einen eventuellen Koalitionseintritt nach der Wahl offen. Erstens: Herwig van Staa dürfe keinesfalls dabei sein. Zweitens: Der potenzielle Partner müsse Dinkhausers Mitstreiter Hans-Peter Martin total sympathisch finden. Die erste Bedingung sollten zwar alle wahlwerbenden Parteien erfüllen können. Dennoch scheint Dinkhausers Gang in die Opposition zementiert zu sein. Kanzlerkandidat Werner Faymann zeigte sich diese Woche weiter um Abgrenzung zur „Kronen Zeitung“ bemüht. Damit man ihm sein gutes Verhältnis zu Hans Dichand nicht ständig vorhalte, habe er nunmehr beschlossen, Äquidistanz zum Boulevard zu wahren und in Zukunft Wolfgang Fellner noch ähnlicher zu sehen. Weiters kündigte Faymann an, die Studiengebühren zwar nicht abzuschaffen („Ich werde den Fehler meines Vorgängers nicht wiederholen“), gab jedoch sein Ehrenwort, dass diese künftig nur von Studenten eingehoben werden.
Einig zeigten sich alle Kandidaten zum wiederholten Male darin, dass die Wahlbeteiligung hoffentlich recht hoch sein werde.