Weingut Kaiser

Der Kaiser von Kleinhöflein.

Die Geschichte mit dem Kaiser von Japan ist einfach zu gut, um nicht erzählt zu werden. Vor 75 Jahren ging Kurt Kaisers Großvater Stefan nach Japan – eigentlich als christlicher Missionar, aber, da das Burgenland einen Menschen halt nicht so einfach loslässt, auch als Weinbauer. Bald belieferte Kaiser auch den japanischen Tenno. Das heißt „himmlischer Herrscher“ beziehungsweise, auf Burgenländisch: Kaiser.

Seit dem großväterlichen Abenteuer in Fernost hat sich einiges getan in Japan und Kleinhöflein; unter anderem hat Kurt Kaiser in vierter Generation das Weingut übernommen, nachdem sein Vater Rudolf den einstigen Drei-Hektar-Betrieb zu einem der größten Weingüter der Gegend gemacht hatte. Heute bewirtschaftet er 29 Hektar, die er von der Aussichtsterrasse seines Hofs recht vollständig überblickt. Und natürlich sieht Kurt Kaiser von hier oben auch auf die Rieden des Leithaberg-Weiß-Siegers Michael Kirchknopf hinüber. Dass Kleinhöflein in der DAC-Wertung heuer so prominent vertreten ist, freut Kaiser als Obmann des lokalen Winzerverbands selbstverständlich sehr, wundert ihn aber auch nicht sonderlich, denn „die Gegend hat schon etwas sehr Einzigartiges. Außerdem sind unsere DAC-Winzer eine verschworene Gemeinschaft, wir kommunizieren intensiv, besuchen gemeinsam Schulungen und sprechen über die Zukunft.“

Kaiser selbst ist in dieser Hinsicht schon einen halben Schritt voraus, als einer der ersten Winzer in der Region arbeitet er unter Bio-Zertifikat. „Ursprünglich hatte das gesundheitliche Gründe. Aber die Auswirkungen auf die Weine sind noch viel entscheidender: Sie sind seit der Umstellung viel klarer, feiner strukturiert geworden. Man merkt auch viel stärker, dass die Region an sich schon genug hergibt, um fruchtbetonte Weine hervorzubringen, die trotzdem viel Körper haben.“ Sprich: Es braucht keine großen Kellertricks mehr, um hier schöne Weine zu keltern. Apropos Kellertrick: Im Untergeschoss des Kaiserschen Winzerschlössels, einem alten Zehentkeller der Fürsten Esterházy, befindet sich ein vermauerter Durchgang. „Da konnte ein Reiter mit Pferd durch einen Tunnel direkt in Richtung Burg Forchtenstein verschwinden.“ Aber, ganz ehrlich: Wer würde von hier abhauen wollen?