Weingut Müller

Die zufälligen Hellseher.

Krustetten am Göttweiger Berg: Das Stift thront über dem Kremstal, eine zum Waldweg verkümmerte Bundesstraße windet sich den Hang hinauf, Wild wechselt über. Klassische Einöde mit Idyllencharakter, Ortsbild dazu passend: enge Straßen, alte Häuser, große Ruhe. Zwei, drei Steilkurven noch, dann: Ankunft am Weingut Müller. Erkenntnis: Das Ortsbild trügt. Im Hof stehen mehrere 50.000-Liter-Tanks, hier wird offenbar mit viel Volumen rangiert. Dass das nichts Schlechtes sein muss, beweisen die – ebenfalls unübersehbaren, in Plaketten und Urkunden an den Hofmauern verewigten – Auszeichnungen, die Müllers gesammelt haben. Sicherheitshalber händigt Leopold Müller – der Marketingchef und Kellermeister, Bruder Stefan fühlt sich eher im Weingarten zu Hause – eine Broschüre aus, in der das Gröbste zusammengefasst ist: elf Salonweine in sechs Jahren, zwei Bundeszweite, ein Bundesdritter; Austrian-Wine-Challenge-Goldmedaillen zum Saufüttern; Falstaffpunkte ebenfalls. Und, genau: profil-DAC-Sieger.

Ein gewisser Stolz ist Leopold Müller anzumerken. „Unser Credo lautet: Qualität ensteht im Weingarten. Das pflegen wir mit großer Leidenschaft und Intensität. Aber es liegt nicht nur daran, dass wir so gut sind. Wir haben auch wirklich Glück mit unseren Lagen.“ Leopold Müller führt durch das neue, dreistöckige Produktionsgebäude, ganz nach oben, auf die Aussichtsterrasse, und erläutert die Qualitäten des südlichen Kremstals, genauer: des Göttweiger Bergs, der in einer Donauschlinge liegt und sich mit markanten Temperaturunterschieden und charakteristisch schotterreichen Lehm- und Lössböden als hervorragender Weinberg qualifiziert. Schon 1270 wurde das Haus Krustetten Nummer 12 als Weingut erwähnt, seit 1936 sind Müllers hier am Werk, seit 25 Jahren verantwortet Leopold einen bemerkenswerten Aufschwung. Ingesamt 75 Hektar bewirtschaftet das Weingut aktuell. „Unser Wachstum wurde vom Markt vorgegeben. Wir folgen ihm nur“, sagt der Chef und erläutert das Geheimnis seines Erfolgs: „Seit Beginn ist an unser Weingut auch eine Rebschule angeschlossen. Als unsere Veltliner-Selektionen in den Jahren des Rotwein-Booms nicht in den Markt gepasst haben, haben wir sie eben selbst eingepflanzt. Und nun gibt uns der Markt nachträglich Recht. Dass der Veltliner-Boom kommen würde, haben wir nicht geahnt. Wir sind ja keine Hellseher.“